StartseiteRegionalRegion Ulm/Alb-DonauUlmWie sicher ist der Ulmer Weihnachtsmarkt?

Mit Polizei und „Terrorsperren“

Wie sicher ist der Ulmer Weihnachtsmarkt?

Ulm / Lesedauer: 4 min

Nach einem Drohanruf wurde der Göppinger Weihnachtsmarkt kürzlich geräumt. Wie das Schlimmste in Ulm verhindert werden soll. Mit Video.
Veröffentlicht:07.12.2023, 11:50

Artikel teilen:

Nicht erst seit dem schlimmen Anschlag auf den Weihnachtsmarkt am Berliner Breitscheidplatz vor sieben Jahren wird die Gefahr deutschlandweit ernst genommen.

Auch in Ulm treffen Veranstalter und Polizei seither Vorkehrungen, um den Weihnachtsmarkt so sicher wie möglich zu machen. Deshalb sei der Markt auch in diesem Jahr „so sicher wie zuvor“, sagt Polizeidirektor Christian Zacherle, der das Polizeirevier Ulm-Mitte leitet.

Polizei in Uniform und Zivil unterwegs

„Wir sind jeden Tag mit ungefähr acht bis zwölf Kolleginnen und Kollegen vor Ort“, sagt er. Auf und um den Weihnachtsmarkt sind so täglich Beamte in Uniform unterwegs. „Natürlich wollen wir auch gesehen werden“, sagt Zacherle.

Zwischen die Besucher mischen sich weitere Polizisten in Zivil. „Damit können wir den Langfingern besser auf die Finger schauen“, so der Polizeidirektor.

Damit können wir den Langfingern besser auf die Finger schauen.

Christian Zacherle

Seit Marktbeginn vor knapp zwei Wochen sei es hier in Ulm noch zu keinen nennenswerten Zwischenfällen gekommen. Mitunter mischen sich dieser Tage aber immer wieder unangenehme Nachrichten aus Deutschland und der Region.

Vergangene Woche sollen zum Beispiel zwei Jugendliche einen Anschlag auf den Kölner Weihnachtsmarkt geplant haben - die beiden 15- und 16-Jährigen wurden wegen Terrorverdachts in Gewahrsam genommen.

Markt in Göppingen wurde nach Drohanruf geräumt

Göppingen ist nur etwa 60 Kilometer von Ulm entfernt. Auch dort muss der Schreck am Wochenende groß gewesen sein, nachdem am Samstagabend bei der dortigen Polizei ein Hinweis auf eine Bedrohungslage für den Weihnachtsmarkt einging. Im Klartext: Ein Mann hatte am Telefon eine Drohung ausgesprochen.

Der Markt wurde daraufhin umgehend geschlossen und die Menschen gebeten, den Platz zu verlassen. Ob es sich etwa um eine Bombendrohung handelte, gab die Polizei aus ermittlungstaktischen Gründen nicht bekannt. Passiert ist glücklicherweise nichts. Der Markt konnte bereits am folgenden Tag wieder ganz normal öffnen.

Delta-Blocks heißen die Sperren, die an den Zufahrten zum Münsterplatz stehen. Sie sind an einigen Stellen leicht versetzt, damit Rettungskräfte im Notfall zum Weihnachtsmarkt kommen. Trotzdem verhindern sie, dass ein Fahrzeug ungebremst auf den Münsterplatz rasen kann.
Delta-Blocks heißen die Sperren, die an den Zufahrten zum Münsterplatz stehen. Sie sind an einigen Stellen leicht versetzt, damit Rettungskräfte im Notfall zum Weihnachtsmarkt kommen. Trotzdem verhindern sie, dass ein Fahrzeug ungebremst auf den Münsterplatz rasen kann. (Foto: Philip Hertle)

Diese Schutzvorkehrungen gibt es rund um den Münsterplatz

Auch in Ulm schützt man sich vor solchen Bedrohungen - zum Beispiel mit den weiß-roten Blockiersystemen, auch „Terrorsperren“, wie Zacherle sie aber eher ungern bezeichnet, genannt, die die Zufahrt zum Markt erschweren. An allen Zufahrtswegen stehen diese Blöcke nun leicht versetzt.

Das mag den einen oder anderen verwundern, ist doch die Zufahrt auf den Münsterplatz weiterhin möglich. Das hat aber einen bestimmten Grund: Rettungskräfte kommen im Notfall weiterhin aufs Gelände, müssen aber eine leichte Schlangenlinie fahren. Der Weg ist frei, die Blocker verhindern allerdings, dass Lkws oder andere Fahrzeuge ungebremst auf die Veranstaltungsfläche rasen.

Innenministerin sieht keine konkreten Gefahren

Die allgemeine Gefährdungslage werde täglich neu bewertet, unter anderem von Landeskriminalamt, berichtet Zacherle. Auch die Ulmer Polizei erhalte regelmäßig Mitteilung von dort.

Die Gefahr ist nicht höher als die Jahre zuvor.

Christian Zacherle

Dieses Jahr habe man eine abstrakte Terrorgefahr, erklärt der Polizist und beruhigt zugleich: „Die Gefahr ist nicht höher als die Jahre zuvor.“ „Ich gehe davon aus, dass wir auch weiterhin einen sicheren Weihnachtsmarkt haben werden.“

Auch Innenministerin Nancy Faeser (SPD) sieht aktuell keine „konkreten Gefahren“ für die Weihnachtsmärkte. Dennoch warnt sie vor Einzeltätern, die sich hinsichtlich des Nahost-Konflikts vor allem im Internet radikalisiert hätten.

Am Mittwochabend sagte sie bei RTL, dass sie sich sicher sei, dass die erfolgten Vorkehrungen funktionierten und den Weihnachtsmarktbesuchern so „ein sicheres Gefühl vermitteln“.

Bislang nur ein Taschendieb und ein Kiffer in Ulm auffällig

Das ist auch der Eindruck auf dem Ulmer Weihnachtsmarkt - auf dem es in den ersten Tagen äußerst ruhig verlief. Es sei lediglich zu zwei kleineren Zwischenfällen gekommen. „Einer Dame wurde der Geldbeutel gestohlen“, so Zacherle. „Aber in anderthalb Wochen ist ein Taschendiebstahl okay“, bilanziert er und schränkt ein: „Auch, wenn es einer zu viel ist.“

Wir sind weiterhin präsent. Deshalb braucht sich keiner Sorgen machen, den Weihnachtsmarkt auch weiterhin zu besuchen.

Christian Zacherle

Beim zweiten Vorfall soll sich ein junger Mann am Glühweinstand einen Joint angezündet haben. „Die Polizeistreife kam vorbei und hat gerochen, dass es Cannabis ist“, so Zacherle. Dem Mann droht jetzt eine Anzeige wegen Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz.

Abgesehen davon: „So friedlich kann es natürlich weitergehen“, sagt Zacherle. „Und wir sind weiterhin präsent. Deshalb braucht sich keiner Sorgen machen, den Weihnachtsmarkt auch weiterhin zu besuchen.“