StartseiteRegionalRegion Ulm/Alb-DonauUlmOB-Kandidatin Lena Schwelling: „In Krisenzeiten auf Neues vertrauen“

Oberbürgermeisterwahl Ulm

OB-Kandidatin Lena Schwelling: „In Krisenzeiten auf Neues vertrauen“

Ulm / Lesedauer: 4 min

Lena Schwelling möchte Oberbürgermeisterin von Ulm werden ‐ Was sie über Flüchtlinge, Sicherheit und Krisen sagt.
Veröffentlicht:23.11.2023, 11:50

Artikel teilen:

Die Ulm Bürger wählen am 3. Dezember ihren Oberbürgermeister ‐ oder ihre Oberbürgermeisterin. Fünf Kandidaten stehen zur Wahl: Amtsinhaber Gunter Czisch (CDU), Lena Schwelling (Grüne), Martin Ansbacher (SPD) sowie Daniel Langhans und Thomas Treutler, beide parteilos. Vorab stellen wir alle Kandidaten und ihre Ziele für die Stadt Ulm vor. In der heutigen Ausgabe steht Lena Christin Schwelling Rede und Antwort.

Mit welchen Erfolgen kann Ulm 2030 bei der Eröffnung der Landesgartenschau dank Ihnen als OB prahlen?

Mit der Neuorganisation und Reduzierung des Autoverkehrs, mit mehr Grün, mehr Artenvielfalt, mehr Lebensqualität und mehr Raum für die Menschen in der Stadt, mit der Rückeroberung verlorener Räume, wie des Blaubeurer Tors oder auch des Ehinger Tors sowie mit der Erschließung der Wilhelmsburg, die zu einem lebendigen Ort für Kultur, Handwerk, Start-Ups, Kreativität und Gastronomie wird und auch über die Landesgartenschau hinaus ein Anziehungspunkt bleibt.

Beim Bier in der Kneipe spricht Sie ein Gast auf die nicht enden wollenden Baustellen und Umleitungen in Ulm und die damit schlecht erreichbaren Geschäfte an. Was entgegnen Sie ihm?

Ich kann Ihre Genervtheit gut verstehen, aber Stadt ist Veränderung. Wenn Sie alles nur so lassen wollen, wie es immer schon war, dann sollten Sie lieber jemand anderen wählen. Wenn die Bürger aber wollen, dass die Stadt mit erneuerbarer Wärme versorgt, die Radwege ausgebaut und mehr Flächen entsiegelt und begrünt werden und die dafür nun mal unvermeidbaren Baustellen besser erklärt und schneller abgewickelt werden, dann freue ich mich über ihre Stimme.

++ Hier finden Sie alles zur OB-Wahl in Ulm ++

Was entgegnen Sie einer Frau, die Ihnen sagt, dass sie abends nicht mehr alleine durch die Ulmer Innenstadt laufen möchte, weil die Schlagzeilen in den Medien sie so verunsichern?

Ich komme selbst regelmäßig nach Mitternacht am Ulmer Hauptbahnhof an laufe durch die Stadt nach Hause, weil kein Bus mehr fährt. Und ich kann nachvollziehen, dass Sie sich an manchen Ecken nicht sicher fühlen, das geht mir auch so. Das muss aber nicht so sein. Wir können die Präsenz des kommunalen Ordnungsdienstes verstärken, dunkel Orte besser beleuchten und vor allem Frauennachttaxis einführen, die uns sicher und kostengünstig nachts nach Hause bringen.

Ukraine-Krieg, Nahost-Konflikt, Inflation: Wie herausfordernd sind derartige globale Themen aktuell für Ulm und was macht das mit der Gesellschaft?

Unsere Welt ist aktuell so instabil und gefährlich, wie schon seit Jahrzehnten nicht. Das geht auch an Ulm nicht spurlos vorbei. Aber statt zuzulassen, dass uns all die Veränderungen überrollen, können wir tun, was wir in unserer Stadt in Krisenzeiten schon immer getan haben: auf Neues vertrauen. Wie in der 80er Jahre, als wir die höchste Arbeitslosenquote des Landes hatten und mit der Gründung der Wissenschaftsstadt einen mutigen neuen Weg eingeschlagen haben.

Ein anderes Problem, das nicht nur Ulm hat: die Unterbringung und Versorgung von Flüchtlingen. Wie viel kann Ulm Ihrer Ansicht nach noch stemmen?

Die Mitarbeiter der Stadt Ulm sind an ihrer Belastungsgrenze. Und um ehrlich zu sein: die Situation wird sich nicht von heute auf morgen ändern lassen. Was ich aber angehen will, ist schnell mehr Wohnraum zu gewinnen. Und ich werde alles dafür tun, die Geflüchteten so schnell wie möglich in Ausbildung und Arbeit zu bringen, damit sie selbst für ihren Lebensunterhalt sorgen und Teil unserer Gesellschaft werden können.

Wer ist Ihr politisches Vorbild?

Mit Vorbildern ist es ja keine so leichte Sache. Aber es gibt da einen Politiker aus unserer Region, mit Schnauzbart und unverwechselbarer Frisur, der mit großer Integrität, viel Verständnis für die Menschen und auch mit Witz unserer Stadt sehr gut gedient hat. Das ist für mich ‐ mal abgesehen von der Frisur, die mir vermutlich nicht so gut stehen würde ‐ vorbildlich.

Welche TV-Sendung oder Serie haben Sie zuletzt geschaut?

Ohje, das ist lang her, die letzte Zeit ist allein aufgrund der Terminfülle eher ungünstig gewesen für kuschelige Sofaabende. Umso mehr freue ich mich auf die Weihnachtszeit, aus der die Herr der Ringe Trilogie für mich nicht mehr wegzudenken ist.

Welchen skurrilen Gegenstand besitzen Sie daheim und warum ist der Ihnen wichtig?

Ich besitze ein Plastik-Ritterschwert, das ich mir von meinem ersten Taschengeld gekauft habe und mit dem ich das Gebüsch rund um unser Wohnhaus herum unsicher gemacht habe, immer auf der Suche nach Drachen und Ungeheuern. Heute erinnert es mich an etwas, das man vielleicht eine Rittertugend nennen kann, die auch für die Politik entscheidend ist: sich voll und ganz in den Dienst einer Sache zu stellen, die größer ist als wir selbst.

Über was mussten Sie zuletzt so richtig herzhaft lachen?

Einen auf so vielen Ebenen politisch inkorrekten Witz, dass ich ihn hier sicher nicht erzählen werde.