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Kandidat im Interview

OB-Kandidat Ansbacher spricht sich für Alkoholverbot am Bahnhof aus

Ulm / Lesedauer: 4 min

Martin Ansbacher möchte Oberbürgermeister von Ulm werden. Was er über Flüchtlinge, Sicherheit und Krisen sagt.
Veröffentlicht:27.11.2023, 11:50

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Die Ulm Bürger wählen am 3. Dezember ihren Oberbürgermeister ‐ oder ihre Oberbürgermeisterin. Fünf Kandidaten stehen zur Wahl: Amtsinhaber Gunter Czisch (CDU), Lena Schwelling (Grüne), Martin Ansbacher (SPD) sowie Daniel Langhans und Thomas Treutler, beide parteilos. Vorab stellen wir alle Kandidaten und ihre Ziele für die Stadt Ulm vor. In der heutigen Ausgabe steht Amtsinhaber Martin Ansbacher Rede und Antwort.

Mit welchen Erfolgen kann Ulm 2030 bei der Eröffnung der Landesgartenschau dank Ihnen als OB prahlen?

Ulm zeigt sich mit einem neuen Gesicht. Endlich gibt es das lange geforderte Kurzstreckenticket, der ticketfreie Samstag lockte trotz Großbaustellen die Menschen in die City und es gibt wesentlich mehr bezahlbare Wohnungen.

Zudem ist Ulm eine moderne, sichere und soziale Stadt und vor allem deutlich sauberer als noch vor zehn Jahren. Stolz darauf bin ich, dass wir die immensen Herausforderungen Landesgartenschau und die Sanierung wichtiger Brücken als starke Stadtgemeinschaft gemeinsam bravourös bewältigt haben.

Beim Bier in der Kneipe spricht Sie ein Gast auf die nicht enden wollenden Baustellen und Umleitungen in Ulm und die damit schlecht erreichbaren Geschäfte an. Was entgegnen Sie ihm?

Da müssen wir nun leider durch. Denn eine Alternative zu den verschiedenen Sanierungsmaßnahmen gibt es nicht. Wichtig sind eine gute Baustellenplanung und eine umfassende Kommunikation der Baufortschritte. Damit die City weiterhin erreichbar ist, setze ich mich seit langer Zeit zum Beispiel für die Einführung des kostenfreien Samstagstickets und eines Kurzstreckentickets ein.

Mein Ziel ist es, das ÖPNV-Angebot der Stadt deutlich attraktiver zu machen. Ich bin mir sicher: Gemeinsam packen wir das. Und am Ende können wir auf deutliche Verbesserungen in der Stadt stolz sein.

Wie sicher ist Ulm? Was entgegnen Sie einer Frau, die Ihnen sagt, dass sie abends nicht mehr alleine durch die Ulmer Innenstadt laufen möchte, weil die Schlagzeilen in den Medien sie so verunsichern?

Ich kann ihre Unsicherheit verstehen und ich nehme ihre Ängste sehr ernst. Zwar ist Ulm kein Kriminalitäts-Hotspot und doch gibt es Handlungsbedarf, um die Sicherheit zu erhöhen. Deshalb spreche ich mich zum Beispiel für ein nächtliches Alkoholverbot und Videoüberwachung an Brennpunkten aus und möchte auch mehr Licht an dunklen Stellen einsetzen.

Mit intelligenter Beleuchtung schaffen wir die Angsträume in der Stadt ab. Zudem brauchen wir mehr Kontrollen und sichtlich mehr Sicherheitspersonal. Die besten Regeln helfen nichts, wenn diese nicht eingehalten werden. Außerdem muss unsere Stadt sauberer werden, denn Sauberkeit ist die Vorstufe von Sicherheit.

Ukraine-Krieg, Nahost-Konflikt, Inflation: Wie herausfordernd sind derartige globale Themen aktuell für Ulm und was macht das mit der Gesellschaft? Wie wollen Sie als OB Ihren Bürgern hier Zuversicht schenken?

Ulm hat bislang alle Krisen gut gemeistert und das wird auch in Zukunft so sein. Dennoch sind diese Krisen auch eine große Herausforderung für unsere Stadt. Wir müssen keine Angst vor der Zukunft haben, wenn wir unsere Demokratie schützen und mit Bürgernähe gegen Populismus kämpfen. Veränderungen sind notwendig, aber sie sind machbar, wenn wir Reformen mutig und entschlossen angehen und mit den Menschen über ihre Ängste und Nöte sprechen.

Ein anderes Problem, das nicht nur Ulm hat: die Unterbringung und Versorgung von Flüchtlingen. Wie viel kann Ulm Ihrer Ansicht nach noch stemmen und was kann sich mit Ihnen als OB an der aktuell schon herausfordernden Situation bessern?

Vor allem dürfen wir die Schwächsten nicht gegen die Schwachen ausspielen und müssen sozial gerecht bleiben. Klar ist, dass wir dringend menschenwürdige Unterkünfte zur Verfügung stellen müssen ‐ möglichst unbürokratisch und schnell. Diese große humanitäre Herausforderung der Integration auf hohem sozialen Niveau, können wir nur durch einen guten Zusammenhalt in der Bürgerschaft meistern. Hierzu müssen wir auf eine große Solidarität setzen und deshalb einen offenen Diskurs in der Gesellschaft führen. Für dieses Verständnis müssen wir jeden Tag neu werben.

Wer ist Ihr politisches Vorbild und warum?

Ivo Gönner und Helmut Schmidt. Der Alt-OB steht für mich beispielhaft für die mir so wichtige Bürgernähe. Den ehemaligen Bundeskanzler schätze ich wegen seines klaren Kopfes, seines rhetorischen Talents und seines leidenschaftlichen Pragmatismus.

++ Hier lesen Sie alles zur OB-Wahl 2023 in Ulm ++

Welche TV-Sendung oder Serie haben Sie zuletzt geschaut?

Das war eine Dokumentation über den SPD-Politiker Herbert Wehner.

Welchen skurrilen Gegenstand besitzen Sie daheim und warum ist der Ihnen wichtig?

Für skurrile Gegenstände haben wir in der Familie aufgrund der vielen Spielsachen meiner Tochter gar keinen Platz.

Über was mussten Sie zuletzt so richtig herzhaft lachen?

Über einen Witz, denn mir meine achtjährige Tochter Emily erzählt hat.