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Einkaufszentrum

Mit der Glacis-Galerie geht’s aufwärts

Ulm / Lesedauer: 5 min

Nach dreieinhalb Jahren scheint sich das Center in Neu-Ulm immer mehr zu etablieren. Ein Geschäft hat den Umsatz sogar verdoppelt. Das Interesse an freien Flächen ist offenbar groß.
Veröffentlicht:07.12.2018, 22:01

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Mit der Glacis-Galerie scheint es bergauf zu gehen. Wie Centermanager Torsten Keller anlässlich eines „Betriebsbesuchs“ von Neu-Ulms Oberbürgermeister Gerold Noerenberg und dem Wirtschaftsbeauftragten der Stadt, Bernd Neidhart, sagte, besuchten im Schnitt knapp 19 000 Menschen das Einkaufszentrum am Tag. Das seien bis zu 700 mehr als bei der vergangenen Zählung.

Davon pilgerten 1800 im Schnitt am Tag in den Media-Markt. Der Elektrofachmarkt ist der größte Mieter im vor dreieinhalb Jahren eröffneten Einkaufszentrum. Und auch Media-Markt-Geschäftsführer Jörg Behrens ist zufrieden. Nach einem fulminanten Start im Jahre 2015 habe der Umsatz geschwächelt. Doch das laufende Jahr werde sehr gut. An Samstagen würden bis zu 4000 Menschen durch seinen Laden bummeln. Alle Rekorde habe der „Black Friday“ gebrochen. Dieser Tag im November habe sogar den Tag der Eröffnung getoppt.

 Im Gespräch (von links): Bernd Neidhart, Torsten Keller, Media-Markt-Chef Jörg Behrens und OB Gerold Noerenberg.

Den Umsatz in den vergangenen drei Jahren verdoppelt hat der von Kaufmann Sven Thietz geführte Rewe-Supermarkt. Pro Woche kauften 17 000 Menschen bei ihm ein. Und es würden täglich mehr, sodass jüngst vier zusätzliche Kassen dazu gekommen sind. 100 000 Euro investierte Thietz in Selbstbedienungskassen, die aufgrund langer Lieferzeiten aber erst 2020 an den Start gehen werden. Erfolge in der oft gescholtenen Glacis-Galerie vermeldet auch ein Geschäft, das weniger im Fokus steht: Das von Mehmet Cakan geführte „Tui-Reisecenter“ sei das dritte Mal in Folge in einer internen Rangliste von deutschlandweit 568 Tui- Reisebüros unter den „20 Besten“ gelangt. „Wir sind der Platzhirsch, was den Umsatz angeht“, sagt Cakan, der einzige Tui-Franchise-Nehmer der Region.

Den direkten Vergleich von Glacis-Galerie und dem Ulmer Wettbewerber, dem Blautalcenter, hat Hans-Peter Ahrens, der „Gold Heinrich“-Filialen in beiden Einkaufstempeln betreibt. Und er sei an beiden Standorten sehr zufrieden. Die Glacis-Galerie sei eher für den bayerischen Raum – von Günzburg bis Memmingen – zuständig. Das Blautalcenter für das Ulmer Umland. Und das weitere Potenzial der Glacis-Galerie sei aufgrund der Lage enorm.

 Sven Thietz führt den Rewe-Markt im Erdgeschoss.

Centermanager Keller hat erst jüngst auf Basis einer Kundenbefragung das Einzugsgebiet der Glacis-Galerie erweitert: Bis aus dem Allgäu kommen offenbar die Käufer nach Neu-Ulm. Und aus Ulm mehr als erwartet, was wohl der dortigen Parkplatznot geschuldet sei. Ein bedeutendes Alleinstellungsmerkmal sei nach wie vor der Filialist Zara. Das spanische Erfolgsunternehmen habe sämtliche vor dem Einzug gesteckten Ziele erreicht. Das Unternehmen wisse, dass es Jahre dauere, ein neues Einkaufszentrum zu etablieren.

Keller ist überzeugt, dass sich die positive Entwicklung der vom Branchenriesen ECE geführten Galerie auch langsam zu den „Expansionsleitern“ potenzieller Neumieter rumspreche. „Zahlreiche Anfragen liegen vor.“ Es sei in Zeiten der Online-Konkurrenz allerdings nicht mehr so leicht wie früher, die Mieter zu gewinnen. „Die Flächen müssen perfekt sein.“ Ist ein Raum ein paar Quadratmeter zu klein, war’s das oft schon mit der Unterschrift.

Dennoch habe Keller vier neue Mieter an der Angel. In einem Fall werde gerade die Zusammenlegung von Flächen diskutiert, unterschriftreich sei noch nichts. Keller: „Aber bald.“ Zwei Leerstände verschwanden in den vergangenen Monaten: Im Mai diesen Jahres zog „D’S Damat“ ins Erdgeschoss ein, was zum Zeitpunkt der Eröffnung erst die zweite Filiale in Deutschland war. Der türkische Textilkonzern betreibt europaweit 310 Filialen und versucht mit hochwertiger Herrenmode gerade Fuß in Deutschland zu fassen.

Als unerwartet wichtiger Frequenzbringer habe sich die Tanzschule „FKV Dance“ erwiesen, der im Februar 2017 Tür und Tor in der Glacis-Galerie eröffnete. Aus 300 Mitgliedern der Anfangstage seien inzwischen 1300 geworden. Und während die Kinder in 68 Kursen von 24 Lehrern tanzen lernen, kaufen viele Eltern ein.

Das in die Jahre gekommene LEW-Areal am Heiner-Metzger-Platz neben der Glacis-Galerie in Neu-Ulm soll für 60 Millionen Euro komplett neu gestaltet werden. Um das Großprojekt umzusetzen, gründet die Stadt Neu-Ulm eine eigene Gesellschaft.

Ein treuer Einkäufer der Glacis-Galerie ist nach eigenem Bekunden auch OB Noerenberg . Seine Einschätzung, dass das Stammpublikum des Einkaufszentrums durchschnittlich älter geworden ist als in den Anfangsjahren, teilt Centermanager Keller. Davon zeuge etwa auch der jüngst eröffnete „Krüger Dirndl Store“. Noch habe das Unternehmen einen befristeten Mietvertrag, doch das könne sich ändern.

In der Konkurrenz der Mahler „Welt des Wohnens“ im nahen Neu-Ulmer Starkfeld mit dem dortigen Textilriesen Röther sieht der OB ein Zeichen eines starken „Einkaufsstandorts Neu-Ulm“. Allerdings gibt Noerenberg durchaus zu, dass im Rathaus überlegt wurde, die dort entstehende Konkurrenz zur Glacis-Galerie etwas einzudämmen. Doch es sei nicht so einfach, in Bebauungsplänen die Genehmigung für Einzelhandel zu streichen. Dann kämen auf Neu-Ulm Klagen auf Entschädigungszahlungen der Immobilienbesitzer zu. Dies gelte beispielsweise auch für das frühere Media-Markt-Gebäude an der Neu-Ulmer Europastraße, wo längst Euronics eingezogen ist und dem jetzigen Media-Markt in der Glacis-Galerie Konkurrenz macht.