Schulweg

Tödlicher Angriff auf Schulweg: Haftbefehl gegen 27-Jährigen

Ulm / Lesedauer: 4 min

Bei einer ersten Vernehmung schweigt der Tatverdächtige. Er hat sich beim Angriff wohl selbst verletzt. Anzeichen für die Tat gab es bisher nicht. Hier die wichtigsten Informationen zusammengefasst.
Veröffentlicht:06.12.2022, 14:30
Aktualisiert:06.12.2022, 16:59

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Auch am Tag nach der Messerattacke auf zwei Schulmädchen, bei der eines der Mädchen tödlich verletzt wurde, ist die Polizei mit verstärkten Kräften in Illerkirchberg präsent. Mittlerweile fand eine erste Vernehmung statt. Alle wichtigen Informationen zu der Tat gibt es hier zusammengefasst.

Wie weit sind die Ermittlungen?

Nach dem Angriff auf zwei Schülerinnen am Montag in Illerkirchberg erging gegen den Tatverdächtigen jetzt ein Haftbefehl. Bei der Vorführung in der Klinik, in der sich der verletzte 27-Jährige befindet, machte er gegenüber der zuständigen Richterin keine Angaben. Aufgrund des dringenden Verdachts gegen den 27-Jährigen erließ die Richterin auf Antrag der Staatsanwaltschaft Ulm einen Haftbefehl wegen Mordes und versuchten Mordes. Der Eriträer befindet sich jetzt in einem Justizvollzugskrankenhaus.

Was war genau geschehen?

Gegen 7.30 Uhr hatten Zeugen der Polizei gemeldet, dass in Oberkirchberg, einem Teilort der Gemeinde Illerkirchberg im Alb-Donau-Kreis, zwei Mädchen auf ihrem Weg zur Schule angegriffen und verletzt worden seien.

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221205_Heckmann_Illerkirchberg_Messerangriff_8114 (Foto: Thomas Heckmann)

Der alarmierte Rettungsdienst kümmerte sich sofort um die 13 und 14 Jahre alten Mädchen und brachte sie in Kliniken. Dort verstarb die 14-Jährige, eine Deutsche mit Migrationshintergrund, im Laufe des Tages, die zuvor noch am Tatort wiederbelebt werden musste. Die noch laufende Obduktion soll nähere Hinweise auf die genaue Todesursache geben.

Was ist über den mutmaßlichen Täter bekannt?

Laut Polizei soll der Angreifer aus einer Asylbewerberunterkunft gekommen und nach der Tat wieder dorthin geflüchtet sein. Als die Polizei diese mit Spezialkräften durchsuchte, traf sie dort auf drei Bewohner, alle Asylbewerber aus Eritrea.

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oberkirchberg (Foto: thhe)

Der Dritte war verletzt und musste in ärztliche Behandlung.  Während sich der Verdacht gegen zwei der Drei nicht erhärtete, steht der 27-Jährige, der verletzt in der Unterkunft angetroffen wurde, im dringenden Verdacht, die Mädchen in Tötungsabsicht angegriffen zu haben. Bei ihm fand die Polizei auch ein Messer, welches als Tatwaffe in Betracht kommt.

Zwar fand am Dienstag eine erste Vernehmung des Tatverdächtigen statt, dieser schweigt jedoch und beruft sich auf sein Aussageverweigerungsrecht. Er soll sich bei dem Messerangriff selbst verletzt haben, ob willentlich, ist noch unklar.

Der Mann ist nach Informationen der Staatsanwaltschaft Ulm seit 2016 in Deutschland und hat eine Aufenthaltserlaubnis bis September 2023. Dabei bezieht sich die Staatsanwaltschaft auf Informationen der Polizei, die Akte der Ausländerbehörde mit weiteren Informationen über den 27-Jährigen, etwa zu einer Arbeitsstelle, liege den Ermittlern indes noch nicht vor, erklärte Oberstaatsanwalt Michael Bischofberger auf Nachfrage unserer Zeitung.

Der 27-Jährige ist den Behörden bislang nie durch Gewaltdelikte aufgefallen. Er sei lediglich einmal als Schwarzfahrer erwischt worden und sonst nicht polizeibekannt, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Ulm der dpa.

Was man über die Opfer weiß

Der Mann hat laut Polizei eine 13- und eine 14-Jährige angegriffen. Die noch am Montag durchgeführte Obduktion ergab, dass die 14-Jährige in Folge der Stichverletzungen verblutet ist.

Sie und ihre Familie sind Teil der alevitischen Gemeinde Ulm. Dort fand am Dienstagnachmittag eine Trauerfeier für sie statt. Das 13-jährige Mädchen ist laut Polizeiangaben außer Lebensgefahr, jedoch wurde auch sie schwer verletzt und muss weiter in einem Krankenhaus behandelt werden. Ihr psychischer Zustand ist laut Staatsanwaltschaft "schwierig". Das Mädchen habe inzwischen erfahren, dass ihre Freundin bei dem Angriff tödlich verletzt wurde.

Was sagt die Polizei zur Tatwaffe?

Nach bisherigen Erkenntnissen wurden die Mädchen wohl mit einem Messer angegriffen. Die mögliche Tatwaffe hatte die Polizei bei der Durchsuchung der Flüchtlingsunterkunft an dem 27-Jährigen gefunden.

Was droht dem Verdächtigen?

Staatsanwaltschaft und Polizei ermitteln, weshalb es zum Angriff auf die beiden Mädchen kam und ob der Tatverdächtige und die beiden Mädchen sich vorher kannten. Dazu sollen unter anderem auch die Handys der Beteiligten ausgewertet werden. Abhängig vom Ergebnis eines psychiatrischen Gutachtens soll dann entschieden werden, ob ein Haftbefehl beantragt oder eine Unterbringung in einer psychiatrischen Klinik veranlasst werden soll.

Was sagt die Polizei zu der Herkunft des Tatverdächtigen?

Die Polizei betont, dass sie sich bewusst ist, dass Ereignisse dieser Art Ängste und Emotionen schüren.

Sie bittet daher darum, keinen Generalverdacht gegen Fremde, Schutzsuchende oder Asylbewerber allgemein zu hegen oder solchem Verdacht Vorschub oder Unterstützung zu leisten.