Hausgeburten

In dieser Ulmer Hebammenpraxis können Frauen ambulant entbinden

Ulm / Lesedauer: 5 min

Eine eigene Hebamme zu finden, ist schwer. Noch schwerer haben es diejenigen, die außerhalb einer Klinik gebären wollen. Zwei Hebammen geben Einblick.
Veröffentlicht:24.01.2030, 09:48

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Die Geburt des eigenen Kindes ist einer der emotionalsten Momente im Leben einer Frau. Dass man sich für diesen Moment Schutz und Sicherheit wünscht, steht außer Frage. Jede Frau erhält dieses Gefühl in anderen Umständen. Während die einen sich zu Hause am sichersten fühlen, wollen andere am liebsten in der Klinik gebären.

Die Zahl der Frauen, die ihr Kind in ihrem eigenen Zuhause zur Welt bringen wollen, steigt - ganz im Gegensatz zu der Zahl der Hebammen, die Hausgeburten anbieten.

Wenig Angebote für Hausgeburten

Entsprechend ausgebucht ist deshalb die Ulmer Hebamme Annkathrin Rinke, die eine von wenigen Hebammen in der Region ist, die Hausgeburten anbietet. Um ihr Angebot zu erweitern, hat die 32-Jährige jetzt eine Praxis eröffnet. Auch hier können Frauen als Alternative zur Klinik entbinden.

Wer als Frau in Ulm und der Region eine Hausgeburt für sein Kind in Betracht zieht, muss schnell reagieren. „Viele rufen uns noch am selben Tag an, an dem sie ihren positiven Schwangerschaftstest erhalten“, erzählt Annkathrin Rinke. Und es geht auch noch früher: Regelmäßig rufen Frauen an, die noch nicht schwanger sind, aber bereits in die Planungen gehen.

Ich erhalte am Tag um die sechs bis acht Anrufe. Manche setze ich auf die Warteliste, aber die meisten muss ich ablehnen, weil ich bereits jetzt bis September ausgebucht bin.

Annkathrin Rinke

Anfragen erhalte sie aus dem Raum Ulm, aber auch dem Alb-Donau-Kreis wie etwa Ehingen - und sogar schon aus Ravensburg.

Die Meisten wollen geregelte Arbeitszeiten

Die 32-Jährige hat 2015 in Ulm ihre Ausbildung zur Hebamme gemacht, zunächst in Stuttgart gelebt und ist dann 2021 nach Ulm gezogen. „Schon damals, als ich hier in der Ausbildung war, war die Versorgung, was Hausgeburten angeht, sehr schlecht - und das ist es immer noch. Ich wollte daran etwas ändern“, erzählt Annkathrin Rinke, selbst Mutter von drei Kindern.

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Annkathrin Rinke (links) und Carla Duvenhorst in der Hebammenpraxis Vulvarium. (Foto: Selina Ehrenfeld)

Eine Hebamme als Kollegin fand sie zunächst nicht, die meisten wollen ihr zufolge in einer Klinik arbeiten, geregelte Arbeitszeiten und einen sicheren Arbeitsplatz haben - was für die 31-Jährige auch völlig nachvollziehbar ist. „Ich habe mich also allein selbstständig gemacht“, erzählt sie.

Hohe Nachfrage überrascht sie

Dass die Nachfrage derart hoch war, habe aber selbst sie dann überrascht. „Schnell war klar, dass ich Räumlichkeiten brauche. Eigentlich wollte ich ein Geburtshaus gründen, aber das wäre finanziell nicht zu stemmen gewesen. Deshalb habe ich nun die Hebammenpraxis eröffnet.“

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In der Heimstraße können sich Schwangere beraten, massieren und betreuen lassen - und schon bald auch entbinden. „Aktuell wird unser Geburtszimmer noch eingerichtet“, erzählt Annkathrin Rinke.

Unterstützung erhält die 32-Jährige seit Beginn des Jahres von Carla Duvenhorst. Die 31-Jährige ist eine von wenigen, die sich bereits in der Ausbildung zur Hebamme dafür entscheiden, Hausgeburten anbieten zu wollen.

Die Ausbildung konzentriert sich stark auf die Umstände bei einer klinischen Geburt. Die wenigsten fühlen sich deshalb nach der Ausbildung überhaupt sicher genug bei dem Thema Hausgeburten.

Annkathrin Rinke

Aus ihrem Jahrgang sei sie die einzige, die sich für Hausgeburten entschieden hätte. 

Auf 16 Ausbildungsplätze kommen Hunderte Bewerberinnen

Dabei ist der Beruf der Hebamme kein unbeliebter. Auf 16 Ausbildungsplätze kämen in Ulm Hunderte Bewerberinnen. Doch Hausgeburten anzubieten, bringt für ausgebildete Hebammen eben auch Risiken mit sich - und finanzielle Hürden.

„Vor 20 Jahren hat man dafür noch 500 Mark im Jahr bezahlt. Jetzt sind es 11.000 Euro. Diese hohe Versicherungssumme ist zwar qualitätssichernd, hat aber zu einem Einbruch beim Angebot geführt“, erklärt Annkathrin Rinke. Und auch die restliche finanzielle Situation sei schwierig.

„Die Vergütung von Hebammen allgemein ist ein Problem“, so Carla Duvenhorst. Man trage eine große Verantwortung, gleichzeitig bleibe man mit einer Rufbereitschaft immer so ein bisschen „im Dienst“. Doch dass sich in Sachen Vergütung wirklich noch etwas ändern wird, glauben die beiden Hebammen nicht.

Geburten sind für Kliniken nicht wirtschaftlich

„Das politische Interesse für diese Forderungen ist gering, denn wirtschaftlich bringt eine Geburt natürlich nicht viel, keiner verdient daran“, so Carla Duvenhorst. Das sei auch der Grund, warum Kreißsäle schließen, wie jüngst der in Blaubeuren. „Das rechnet sich einfach nicht.“

Immer wieder werden die Beiden mit der Frage konfrontiert, ob eine Hausgeburt gefährlich sei. Dazu sagt Annkathrin Rinke: „Nicht jede Frau darf außerklinisch gebären. Auch wenn man Zwillinge erwartet oder eine Frühgeburt erwartet wird, muss die Frau in die Klinik.“ Frauen, die sich für eine Hausgeburt entscheiden, werden laut Hebamme von Anfang an beraten und betreut.

Sie sind also gut darauf vorbereitet. Und sollte es zu Komplikationen kommen, dann weiß auch die Frau Bescheid, dass man sie verlegen muss in eine Klinik.

Annkathrin Rinke

 Viele ihrer Klientinnen seien Mütter, die ihre erste Geburt in einer Klinik erlebten und ihr Kind aufgrund negativer Erfahrungen bei der zweiten Geburt lieber zu Hause zur Welt bringen wollten.

Auch wenn ihr Beruf herausfordernd ist, etwas anderes können und wollen sie sich nicht vorstellen. „Es ist erfüllend, die Frauen sind dankbar“, so Annkathrin Rinke. Auch Kollegin Carla Duvenhorst sagt: „Der Beruf ist vielfältig, man wird beschenkt und es gibt einem viel Energie.“