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Zukunft der Mobilität

Hier wird zukunftsweisendes Wissen über Wasserstoff vermittelt

Ulm / Lesedauer: 4 min

Am WBZU wird beim Thema Wasserstoff schon heute über die Ausbildung von morgen gefeilt. Denn die neue Energiequelle wird das Handwerk verändern.
Veröffentlicht:03.04.2023, 17:00

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Noch bis vor 20 Jahren war es der Mechaniker, zu dem man sein Auto brachte. Heute muss der Mitarbeiter in der Werkstatt weitaus mehr wissen, weshalb das Berufsbild seit 2003 Mechatroniker heißt. Entwickelt sich die Technik weiter, so muss sich also zwangsweise auch die Ausbildung verändern.

Und was vor 20 Jahren das Wissen über Elektronik war, könnte in ein paar weiteren Jahren das Wissen über Wasserstoff sein. Doch wie sollte das aktuell noch sehr theoretische Wissen über diese Energiequelle vermittelt werden? Am Weiterbildungszentrum für innovative Energietechnologien Ulm (WBZU) soll diese Frage beantwortet werden.

Wissen über Wasserstoff erfahrbar machen

Inmitten des Science Parks auf dem Eselsberg befindet sich das WBZU, das 2014 von der Handwerkskammer Ulm übernommen wurde. Mit diesem Schritt war die Handwerkskammer Ulm damals bundesweit die erste Kammer, die ein solches Institut betreibt, das als Schnittstelle zur Forschung dienen sollte. Auch heute mag das WBZU richtungsweisend sein.

Handwerk und akademische Bildung begegnen sich hier auf Augenhöhe. „Wir versuchen das theoretische Wissen über Wasserstoff zu übersetzen und hier erfahrbar zu machen“, erklärt Tobias Mehlich, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Ulm. Dafür startete 2021 der erste Kurs zum Thema Wasserstoff, die Nachfrage nach den Zertifikatskursen steige seither kontinuierlich. Vor allem Unternehmen aus dem Mobilitätsbereich seien an einer derartigen Weiterbildung für ihre Mitarbeiter interessiert.

Entwicklung der richtigen Technik

Entscheidend sei dabei auch der Transfer in die Praxis. „Die Menschen im Handwerk wollen so etwas erfahren und sich nicht nur auf akademischem Wege Wissen aneignen“, so Mehlich. Noch sei es aber nicht primär das Handwerk, das sich dem Thema Wasserstoff annehme. „Momentan geht es um die Entwicklung der richtigen Technik, deshalb haben wir natürlich auch Kunden aus der Industrie“, erläutert Mehlich.

Doch schon bald wachse das Thema ins Handwerk hinein. Und dann müsse eine fundierte Weiterbildung gegeben sein, um dem Fachkräftemangel entgegenzutreten. „Jemand, der vor 20 Jahren seine Ausbildung gemacht hat, heute vielleicht 40 Jahre alt ist, der hat in seiner Ausbildung nichts über Wasserstoff gehört. Diese Leute dürfen wir aber nicht verlieren und müssen sie deshalb entsprechend weiterbilden“, betont der Hauptgeschäftsführer. Entsprechend müsse dann aber natürlich auch die Ausbildung angepasst werden.

Welche Vorteile Wasserstoff als Energieträger mit sich bringt, weiß Gunter Maetze ganz genau. Der Fachbereichsleiter am WBZU sieht enorme Vorteile an der Umstellung auf Wasserstoff. „Wasserstoff könnte man etwa in Gasnetze einleiten, eine Umrüstung wäre in kürzester Zeit möglich“, so Maetze, der auch betont: „Ohne Wasserstoff sind unsere Klimaziele nicht erreichbar.“ Ein deutlicher Nachteil aktuell sei jedoch auch die geringe Verfügbarkeit von grünem Wasserstoff.

Bereits erste Unternehmen setzen auf Wasserstoff

Maetze zählt einzelne Anwendungsbereiche für Wasserstoff auf, die bereits jetzt nötiges Know–How von Handwerkern voraussetzen. Einzelne Unternehmen etwa bieten ihm zufolge bereits den Service und die Montage von Wasserstoffspeichern für Gebäude an. „So macht man sich von der immer instabil werdenden Stromversorgung im Land unabhängig“, sagt der Experte.

Ein weiterer entscheidender Anwendungsbereich für Wasserstoff liege in der Mobilität. Hier müssten deshalb die Kfzler entsprechend weitergebildet werden, um derartige Nutzfahrzeuge, die mit Wasserstoff betrieben werden, warten zu können. Noch aber ist das nicht nötig, denn noch gibt es keine mit Wasserstoff betriebenen Fahrzeuge auf deutschen Straßen.

„Wir müssen schon jetzt daran denken, was unsere Fachkräfte in zehn Jahren reparieren. Das kann ein Betrieb nicht leisten, deshalb braucht es einen Ort außerhalb, der für diese Weiterbildung zuständig ist“, betont Tobias Mehlich. Und genau diese Schulungsangebote sollen im WBZU entwickelt werden.

Der CDU–Landtagsfraktionschef Manuel Hagel, der kürzlich das WBZU besuchte, hält ein derartiges Angebot für unabdingbar. „Hier ist bereits viel Know–How über das Thema vorhanden, weshalb Ulm der exzellente Standort wäre, um künftig derartige Schulungen landesweit anbieten zu lassen“, so Hagel.