Donauufer

Donaufest in Ulm und Neu-Ulm gestartet: Das erwartet die Besucher

Ulm / Lesedauer: 6 min

Das Fest der Kulturen und Menschen kann nach vier Jahren wieder stattfinden. Das Programm ist vielfältig und groß. Wir geben euch einen Überblick.
Veröffentlicht:06.07.2022, 08:00
Aktualisiert:06.07.2022, 09:55

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Das Donaufest am Donauufer von Ulm und Neu-Ulm bietet bis zum 10. Juli zehn Tage lang auf beiden Seiten des Ufers Kunstausstellungen, Musikvorführungen und Diskussionen. Zudem werden Speisen aus den zehn Ländern entlang der Donau angeboten. Mit dem in der Regel alle zwei Jahre stattfindenden Fest soll der Zusammenhalt der Menschen entlang der Donau gestärkt und die Vielfalt der Kulturen präsentiert werden.

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Das Donaufest in Ulm und Neu-Ulm lebt von seiner Internationalität. Doch ein großer Schatten legt sich über die Vorbereitungen des Fests. In Ulm und Neu-Ulm soll mit dem Donaufest ein Zeichen gesetzt werden: für Frieden, Freiheit, Demokratie und ein gemeinsam gelebtes Europa entlang der Donau.

Über den Spagat zwischen feierlicher Heiterkeit und Beklommenheit aufgrund des Ukraine-Kriegs sprechen die Veranstalter hier.

Eröffnung

Vom Wasser aus wird am Freitag um 17 Uhr) das Internationale Donaufest in den beiden Städten Ulm und Neu-Ulm eröffnet. Die Oberbürgermeister der Flussstädte, Gunter Czisch (CDU) und Katrin Albsteiger (CSU), begrüßen die Gäste dazu von einem Boot aus, der Ulmer Schachtel. Bei der offiziellen Eröffnungsfeier um 19 Uhr wird unter anderem der Journalist Heribert Prantl über die Zeitenwende in Europa und den Krieg in der Ukraine sprechen.

Das Programm

Rund 150 Veranstaltungen sind im Programmheft zu finden, das dieses Jahr auch ein Zeichen der Solidarität mit dem Donauland Ukraine setzen will.Das ausführliche Programm als PDF gibt es

Film und Theater

Neu ist auch das Donaukino im Biergarten des Restaurants Insel vom Stein, das mit drei ukrainischen Filmen einen Schwerpunkt setzt. Wenn es auch viel um die Ukraine und die Solidarität mit ihr geht, die Republik Moldau war für diese Auflage des Donaufestes ausgewählt worden.

Aus Moldau kommt dann auch das Theaterstück „Kinderkörper“, in dem es um Pädophilie und Sextourismus geht. Am 2. und 3. Juli wird es im Theater Ulm als Gastspiel des Centrul de Arte Coliseum aus Chisinau aufgeführt. Die Fotoausstellung „Land ohne Eltern“ im Einsteinhaus widmet sich Kindern, die praktisch ohne ihre Eltern aufwachsen, weil diese Arbeit in Europa gefunden haben.

Bekannte Formate wie „IDF Factory“ sind auch nach Corona wieder geplant. In der Factory treffen diesmal Nordir aus Ulm mit Astro Generale aus Rumänien und Bullet For A Badman aus Serbien mit Downers And Milk aus Österreich aufeinander. Beide Paarungen gestalten gemeinsame Konzerte, die am 5. und 7. Juli präsentiert werden. Für die Reihe „Wiener Melange“ mit Musik aus Österreich ist es dieses Jahr bereits die vierte Auflage.

Für die kleinen Gäste

Das Programm für die jüngeren Donaufestbesucher steht heuer unter dem Motto Steinzeit. An den Familientagen gibt es Workshops und Bastelstunden. Gut unterhalten werden Familien aber auch mit zeitgemäßer Musik, beispielsweise dem Café Unterzucker mit seinen lustigen Tierliedern, und natürlich bei den Kinderschachtelfahrten auf der Donau . Für Jugendliche gibt es wieder das Donau Jugendcamp, heuer erstmals mit einem vierwöchigen Online-Vorkurs. Junge Menschen aus 13 Ländern nehmen an dem Programm teil.

Das ganze Programm für Kinder und Familien gibt es hier als PDF.

Der kulinarische Markt

Jederzeit lohnt sich während des zehntägigen Fests ein Bummel über den Markt der Donauländer. 57 Kunsthandwerker und 36 Gastronomen bieten ihre landestypischen Produkte an. Frauke Kazda, die für die Organisation des Marktes zuständig ist, freut sich, seit langer Zeit wieder Stände aus allen zehn Donauländern versammelt zu haben, sowohl im künstlerischen als auch im kulinarischen Bereich.

Die Öffnungszeiten des Marktes der Donauländer sind wie folgt: Freitag, 01.07, 7 bis 24 Uhr, Samstag, Freitag, Samstag, 02., 08., 09. 07, 11 bis 24 Uhr, Sonntag bis Donnerstag, 03. bis 07.07, 11 bis 23 Uhr und Sonntag, 10.07, 11 bis 18 Uhr.

Höhepunkte auf dem Markt

Angelehnt an eine Brückenkonstruktion Leonardo da Vincis, die ohne Nägel, Schrauben oder ähnliche Verbindungen auskommt, wachsen bei „Leonardo Brücke“ Akrobaten und Holzteile zu einer hohen Skulptur zusammen, aus der bizzare Figuren herausragen. Das tänzerisch akrobatische Stück „Sphericon“ verzaubert durch seine mitreißende Erscheinung. Der Zirkus Meer ist auf dem Marktgelände vom 1. bis 3. Juli zu sehen.

Außerdem gibt es vom 4. bis 6. Juli allerlei Kurioses zu bestaunen. Ein Impresario präsentiert eine Hand voller Attraktionen, vereint in der Person der unheimlich begabten und vielfach talentierten Ms. Thompson. Er präsentiert falsche Wunder von echten Schwindlern in einem Kuriositätenkabinett voller skurriler Illusionen.

Themenschwerpunkte

Das Donaufest wird in diesem Jahr vor allem auf ein Land, das an der Donau liegt, blicken: die Ukraine. Deshalb ist nicht nur das Programm von den Ereignissen in der Ukraine geprägt. Auch viele Menschen, die an dem Fest aktiv mitwirken, sind auf besondere Weise mit dem Land verbunden und wurden vom Krieg dort geprägt. Hier geht es zu den einzelnen Schicksalen, von denen die Menschen im Vorfeld des Fests berichtet haben:

Limonade

Seine Lunge wurde im Krieg zerschossen – jetzt singt Sergey Ivanchuk zum Donaufest-Auftakt

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Messehalle

Ukrainerinnen nähen 650 Fahnen für das Ulmer Donaufest

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Außerdem soll ein nicht weniger tragisches Thema während des Donaufests in den Mittelpunkt gerückt werden.

Mit insgesamt sechs Veranstaltungen wollen die Ulmer Volkshochschule, das Bündnis gegen Menschenhandel und Zwangsprostitution sowie das Frauenbüro der Stadt Ulm ein Umdenken herbeiführen. Neben den genannten rückt das Einsteinhaus am Wochenende 2./3. Juli ins Zentrum des Geschehens: Kurzfilm, Fotoausstellung und eine Lesung zeigen das Elend hinter der Prostitution. Am Theater Ulm ist am Samstag, 2. Juli, sowie am Sonntag, 3. Juli (um 19.30 Uhr), zudem ein „Dokumentartheater“ aus Rumänien zu sehen: Das Stück „Kinderkörper“ dreht sich um Pädophilie.

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Der sichtbarste Part davon wird ein Themenzelt sein, das am Dienstag, 5. Juli, auf dem Markt der Donauländer aufgebaut wird. Verteilt wird dabei auch ein Faltblatt, das „Mythen“ über Prostitution aufdecken soll, wie es Marietta Hageney, vom Ostalb-Bündnis gegen Menschenhandel und (Zwangs-)Prostitution, bei der Vorstellung des Programms ausdrückt.

Die Methode: Insbesondere Gruppen junger Männer sollen von Frauen auf dem Donaufest „durchaus provokant“ angesprochen werden. Etwa so: „Hey, warst Du schon mal im Bordell.“ Daraus, so Hageney, hätten sich in der Vergangenheit bei ähnlichen Aktionen fruchtbare Diskussionen ergeben. Diskussionen, die Männer mit den „Mythen“ der Prostitution konfrontieren sollen. Etwa mit der Auffassung, dass Prostitution ein „ganz normaler Job“ ist.

Hier geht es zum ausführlichen Bericht über die einzelnen Aktionen während des Donaufests zum Thema Zwangsprostitution.

Mit dem Boot von einem zum anderen Ufer

Um vom Ulmer zum Neu-Ulmer Ufer und zurückzugelangen, verkehren während des internationalen Donaufests täglich Ulmer Zillen und die Solarfähre. Des Weiteren befindet sich auf Ulmer Seite in Höhe des Metzgerturms die barrierefreie Anlegestelle des Ausflugsschiffes „Ulmer Spatz“, auf dem bis zu zwei Rollstühle Platz finden. Der „Ulmer Spatz“ ist ein Angebot der Lebenshilfe Donau-Iller.