StartseiteRegionalRegion Ulm/Alb-DonauUlm5 Tage, 120 Kilometer: Was unsere Reporterin auf dem Alb-Südrandweg erlebt

Mit Bildern und Videos

5 Tage, 120 Kilometer: Was unsere Reporterin auf dem Alb-Südrandweg erlebt

Ulm/Blaubeuren/Zwiefalten / Lesedauer: 5 min

Katharina Carle stellt sich im Sommer einer Herausforderung. Welche Relikte sie unterwegs entdeckt. Und woran sie am Ende scheitert.
Veröffentlicht:25.12.2023, 05:00

Artikel teilen:

Fünf Tage, 120 Kilometer. Zu Fuß von Ulm nach Sigmaringen und die Region erkunden. Das war mein Plan diesen Sommer. Fünf Tage für eine Strecke, die mit dem Auto in anderthalb Stunden gefahren werden kann. Doch es kam anders als ich gedacht hatte.

Donnerstag 9.30 Uhr, Ulmer Hauptbahnhof: Start für die erste Etappe auf dem Abschnitt des Alb-Südrandweges in Ulm. Zuerst führt mich der Weg an der Donau entlang stadtauswärts, den Hügel hinauf an Häusern und Schrebergärten vorbei bis zum Fort Kuhberg. Von hier aus werfe ich noch einmal einen letzten Blick auf das Ulmer Münster.

Alte Relikte auf dem Weg

Auf der Hochsträss führt der Weg weiter. Durch die schlechte Sicht kann ich die Alpen in der Ferne nur erahnen. Neben einer Bank am Wegrand steht eine gelbe Telefonzelle. Die Tür ist verschlossen, allerdings sind durch das Fenster noch die Preise für ein Telefonat erkennbar: „Eine Tarifeinheit 0,20 DM.“

Der Weg läuft auf der Hochebene entlang, meine Beine werden müde. Endlich kommt der rettende Wegweiser. Blaubeuren: 0,9 Kilometer. Ich mache im Ort noch einen Abstecher zum Blautopf.

Die Quelle ist für seine blaue Farbe berühmt. Als ich ankomme, ist allerdings nicht viel los und ich kann in Ruhe die unterschiedlichen Farbtöne des Wassers betrachten.

Am nächsten Morgen geht es über einen Trampelpfad an schroffen Felsen und der „Küssenden Sau“, einer Gesteinsformation, vorbei bis zur Burgruine Günzelburg bergauf.

Die Ruine ist nur noch ein Plateau mit Treppenaufstieg, auf dem man aber eine weite Sicht über das Tal hat. Da die Kante nicht gesichert ist, gebe ich meiner Höhenangst nach und bleibe lieber in der Mitte stehen. Die Aussicht kann ich auch von hier genießen.

Das erste Tagesziel erreicht

Ein kurzes Stück zwischen Wiesen und Feldern entlang geht es den Berg wieder runter. Doch nach kurzer Zeit schickt mich der Wegweiser den nächsten Berg hinauf.

In Serpentinen hieve ich mich nach oben, mit dem verlockenden Gedanken auf eine Pause mit Eis in Schelklingen. Noch ein gutes Stück durch den Wald, dann kommt schon der Weg ins Tal mit Blick auf das Zementwerk.

Pause in Schelklingen, das Eis wartet. Noch einmal über einen Berg, dann bin ich im Schmiechtal angekommen. Einem Fluss und der Schiene folgend, erreiche ich Hütten, mein Tagesziel. Die Beine und Füße schmerzen, das Knie meldet sich.

Das Wetter zwingt zur Planänderung

Der nächste Tag beginnt mit schlechten Nachrichten. Es gibt eine Unwetterwarnung für mein Gebiet. Da dunkle Wolken am Himmel aufziehen, entscheide ich mich zum Endpunkt meiner Tagesetappe mit dem ÖPNV zu fahren.

Am Zielort scheint die Sonne, allerdings türmen sich die Wolkenberge hinter der Bergkuppe. Ich nutze das noch gute Wetter, um einen Teil der eigentlichen Wanderstrecke von heute noch zu laufen.

Gemütlich schlängelt sich das Flüsschen Lauter durch das Tal. Die schroffen Felsen und typischen Löcher in den Felsen sind auch hier zu finden. Ich ärgere mich etwas, doch auf den Wetterbericht gehört zu haben. Allerdings spüre ich die Anstrengung der letzten Tage, jeder Schritt schmerzt.

Ein Stichweg führt zum Wasserfall „Hoher Gießel“. Das Wasser bahnt sich seinen Weg über die Felsen, wirbelt und spritzt, dass es nur so schäumt. Zurück auf dem Hauptweg, mache ich Rast auf einer Bank. Ein Wanderer läuft langsam vorbei und winkt müde ab, als er meinen Blick sieht. Erst dann bemerke ich, was er in der Hand hält: seine Schuhsohlen.

Mit kaputten Wanderschuhen läuft es sich schlecht

„Beim Wasserfall bin ich schon komisch gerutscht und dann waren sie auf einmal ab“, erzählt er lachend. Er wollte heute eine längere Tour wandern, aber seine Schuhe haben ihm einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Ich erzähle von meinen Wanderplänen. „Der dritte Tag ist immer der schlimmste, danach geht es dann wieder“, sagt er grinsend. Wie recht er doch hat.

Die kürzeste Strecke der Tour steht mir dann am Sonntag bevor. Nach einem kleinen Abstecher zur Ruine Maisenburg, von der ich einen letzten Blick ins Lautertal werfe, geht es an einer Straße nach Hayingen.

Hier verlaufe ich mich zum ersten Mal auf der Strecke. Auf einem verblichenem Wanderschild meine ich die rote Raute, das Wanderzeichen meine Route, zu erkennen, und biege falsch ab. Nach einem Kilometer bemerke ich den Irrtum, ich muss umdrehen. Dank Wanderkarte finde ich im Ort den richtigen Weg.

Eine kleine Bootstour muss sein

Der Weg windet sich durch ein Tal vorbei an Felsen, ein Bach fließt nebenher. Da Sonntag ist, begegnen mir zum ersten Mal auf der Tour viele Wanderer, zum Großteil Familien, die im Vorbeilaufen grüßen.

Ich komme zur Wimsener Höhle. Sie ist die tiefste erforschte Unterwasserhöhle Deutschlands und die einzige mit dem Boot befahrbare.

Da ich schon mal hier bin, nutze ich die Chance und mache bei einer Bootstour mit. Auf dem Holzkahn fahren wir 70 Meter in die Wasserhöhle hinein. Es schaukelt, und je tiefer es hineingeht, umso öfter müssen wir die Köpfe einziehen, um uns vor den tief hängenden Felsen zu schützen.

Zurück an Land folgt der Weg dann dem Wasser durch eine enge Schlucht. An Wiesen und an Weiden vorbei, sehe ich schon die Türme des Zwiefaltener Münsters.

Ich besichtige noch die Kirche, bevor ich in die Unterkunft gehe und meinen Entschluss fasse: Dass der Abschnitt heute der letzte Teil meiner Tour war. Knie und Fuß schmerzen, ich bin einfach erschöpft.

So lautet das Fazit

Mein Fazit nach vier Tagen wandern: Trotz umgeknickten Fußes und Schmerzen, war es eine gelungene Wanderung. Ich habe die Region kennengelernt, wunderschöne Landschaft dabei durchwandert und die Grenzen meines Körpers ausgetestet.

Und er hat mir gezeigt: Für fünf Tage Wanderung war ich einfach nicht fit genug. Trotzdem bin ich stolz auf mich, es probiert zu haben, und: Die Berge laufen ja nicht weg.