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Abiturjahrgang

Kenianer referiert an Urspringschule

Schelklingen / Lesedauer: 3 min

Minister für Bildung und Digitales sieht Bildung als einzige Chance für Entwicklung
Veröffentlicht:25.09.2018, 13:36

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Vor rund 100 Schülern der Urspringschule, insbesondere des Abiturjahrgangs, hat am Montag Professor Gabriel Katana Gona, Minister für Bildung und Digitales, über sein Land Kenia und sein Bundesland Kilifi referiert. Seine Botschaft lautete: „Die Kinder in seiner Heimat benötigen Hoffnung, um nicht für Extremisten und die Korruption anfällig zu werden. Das kann nur durch Bildung und ein funktionierendes Gesundheitssystem erreicht werden.“

1994 hat Katana in Mainz promoviert. Daher beherrscht er die deutsche Sprache recht ordentlich, seinen Vortrag in der Aula des Ganztagszentrums der Urspringschule hatte er jedoch in englischer Sprache vorbereitet und gehalten. Seit er im kenianischen Bundesland Kilifi vom aktuell in seiner zweiten und damit letzten Amtszeit amtierenden Gouverneur als Minister ins Landeskabinett berufen wurde, ruht seine Professur.

Seine Vernetzung mit der Universität helfe ihm jedoch bei der Amtsführung, und nach dem Ende seiner politischen Laufbahn plant er eine Rückkehr an die Pwani Universität, so Gona.

2030 industrielles Land

„Kenia - ein aufstrebendes Land: Bildung als Voraussetzung für Entwicklung“ lautete die Überschrift des Vortrags. Zunächst ging Katana auf die Bildung in Kenia vor dessen Unabhängigkeit ein. Kirchliche Missionare aus England hatten erst im 19. Jahrhundert erste Bildungsansätze ins Land gebracht. Als das Land 1963 seine Unabhängigkeit erhielt, definierte die Regierung die Bildung als Menschenrecht, als Mittel zur Entwicklung des Landes und zur Bekämpfung der Armut. Das Ziel lautete, dass im Jahr 2015 für alle Kinder des Landes Bildung ermöglicht werde. Insbesondere Alphabetisierung und technische Fähigkeiten zur Bewältigung struktureller Probleme des Landes standen dabei im Vordergrund. Im Jahr 2030, so die derzeitige Vision, soll Kenia ein industrialisiertes Land sein. Um das zu erreichen, muss die Infrastruktur für die Bildung optimiert werden. Instruktiv waren die von Katana gezeigten Fotos alter Hütten, die sukzessive durch moderne Schulgebäude und Arztpraxen ersetzt wurden und werden.

Ausdrücklich verwies Katana darauf, dass ein Kind ohne Bildung ein leichtes Opfer jener werden kann, die die Hoffnungslosigkeit und den hieraus entstehenden Ärger der Jugend ausbeuten. Insbesondere stelle insoweit die militante islamistische Al-Shabaab Miliz eine Gefahr dar, die regelmäßig aus Somalia in Kenia einfällt. Auch die hohe Zahl von Waisenkindern und Schulabbrechern stelle noch ein großes Problem dar.

Lösung politischer Konflikte

Das „Desturi“-Projekt, ein Schul- und Internatsprojekt, das seit Jahren von der Urspringschule unterstützt wird, habe in Kenia schon gute Unterstützung beim Erreichen der gesteckten Ziele geleistet. Vor zehn Jahren angeschoben vom Rotary Club München Harlaching, habe das Projekt zum Ziel, Gebäude und Ausrüstung schüler- und lerngerecht zu gestalten. Neben Bildung gehören u.a. auch die Sorge um Waisenkinder, Gesundheit, Wasserversorgung, Landwirtschaft und Umwelt zu den Themen von Desturi sowie die Lösung politischer Konflikte. So stehe der erste Wassertank mit einem Fassungsvermögen von 100 000 Litern unmittelbar vor der Inbetriebnahme.

Die Desturi Akademie hat ihren Sitz in Kakuyuni im Kreis Malindi im Bundesland Kilifi, wo 71 Prozent der Menschen unterhalb der Armutsgrenze leben, was in enger Verbindung mit Analphabetismus stehe. Wer Kenia besuchen, oder sich aktiv einbringen möchte, ist herzlich eingeladen, muss jedoch aufgrund der Impfvorschriften vor der Reise einen Vorlauf von zwei Monaten einplanen. Das Fazit des Referenten lautete: Das von den Rotariern in München lancierten „Desturi“-Projekt habe bereits jetzt spürbare Verbesserungen in Kilifi gebracht.