Carillon

Orgelschüler zeigen in Obermarchtal ihr Können

Obermarchtal / Lesedauer: 2 min

Auf der Holzhey-Orgel erklingt Orgelmusik zwischen Barock und Romantik
Veröffentlicht:13.11.2018, 18:12
Aktualisiert:22.10.2019, 14:00

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Zwischen Barock und Romantik angesiedelt war die Orgelmusik, die es am Sonntag im Obermarchtaler Münster zu genießen gab. Angesagt waren im Rahmen der Obermarchtaler Münsterkonzerte „Carillons“ – ein Konzert mit Orgelschülern. Münsterorganist Gregor Simon aus Laupheim freute sich, Werke aus diesen Epochen präsentieren zu können, die teils von weniger bekannten Komponisten stammen. Sechs seiner fortgeschrittenen Orgelschüler bedienten die großartige Holzhey-Orgel mit viel Können, und ernteten dafür viel Applaus.

In Zusammenarbeit mit dem Förderverein für Kirchenmusik und Klosterkultur Obermarchtal hat Münsterkantor Gregor Simon auch dieses Jahr wieder ein abwechslungsreiches musikalisches Programm für die Holzhey-Orgel zusammengestellt. Dabei waren die Hälfte der Stücke Carillons, die sich hörbar gut präsentieren ließen. Carillons sind Orgelstücke, die an Glockenspiele erinnern, wie man sie von Kirch- oder Rathaustürmen her kennt. Die 14-jährige Anna Wesinger als jüngste Organistin des Abends brachte gleich beim ersten Stück mit Louis Couperin (1626-1661) den ältesten Komponisten des Programms zu Gehör mit „Les Carillons de Paris“ (F-Dur), gefolgt von „Andante g-Moll“ (aus op. 49,1) von Josef Rheinberger (1856-1918). Inzwischen spielt Anna Wesinger ungefähr vier Jahre Orgel – das, so der Kantor, sei die Zeit, die alle Orgelspieler benötigen, bis sie das Instrument richtig beherrschen, dann aber eröffnen sich den Spielern die weiten Welten der Orgel.

Veronika Engst, bereits im Rentenalter, spielt schon seit Jahrzehnten Orgel, hat aber erst in jüngster Zeit ihre Fähigkeiten wieder aufgefrischt. Sie spielte das Carillon „Golden Bells“ (F-Dur) von Frank Adlam (1858-1929), das auf dem Buch „Exodus“ in der Bibel basiert, wo Glöckchen als Teil des Priestergewands genannt sind. Ihr zweites Stück war „Präludium und Fuge h-Moll“ von Johann Caspar Ferdinand Fischer (1662-1746). In Weingarten studiert Eva Scheerer auf Lehramt an der Grundschule, sie entführte die Zuhörer zunächst in die Zeit der Romantik mit „Angelus (Moderato)“ B-Dur von Paul Wachs (1851-1915), sodann zurück ins Barock zu P. Theodor Grünberger (1756-1820) mit „Präludium C-Dur“.

Bereits Gottesdienste spielt Michael Schwendele. Versiert brachte er das Carillon „ Les Cloches “ (F-Dur) von Nicholas Lebègue (ca. 1631-1702) zu Gehör, ehe er von Alexandre-Pierre-Francois Boely (1785-1858) „Air e-moll“ (un poco lento) intonierte. Bald wird auch Luisa-Marie Hinz ihren ersten Gottesdienst spielen, hier waren es Antonio Soler (1729-1783) mit „Sonata de Clarines“ (C-Dur) und das Carillon Andantino von Georges Renard (1881-1950), die sie parat hatte. Grundschullehrerin Rebecca Nuber spielte ebenfalls wie ein Profi das Carillon „Trauergeläut“ (h-Moll) von Paul Clausnitzer (1867-1924) sowie das ausführliche Stück „Choral a-Moll“ von César Franck (1822-1890), das in Dramatik, Verzweiflung und Hingabe kaum zu überbieten ist, das aber auch Aspekte wie Zärtlichkeit und Annahme des von Gott gegebenen Lebens beinhaltet.