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Grempelesmarkt in Munderkingen

Auf dieser Auktion wechselt allerlei Kurioses den Besitzer

Munderkingen / Lesedauer: 4 min

Aber wehe dem, der beim Grempelesmarkt in Munderkingen keinen Hut dabei hat. Die Folgen bekommt auch der Bürgermeister zu spüren.
Veröffentlicht:13.02.2024, 11:50

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Christie’s? Sotheby’s? Ach was. Beides nichts gegen den Grempelesmarkt. Ok, die beiden berühmten Auktionshäuser in New York und London sind zwar rund 250 Jahre älter. Dafür wird bei keiner Auktion so viel gelacht wie bei der immerhin auch schon seit 1892 gepflegten Fasnetsveranstaltung in Munderkingen. Und diese unterscheidet noch einiges mehr von den beiden großen Geschwistern aus den USA und England.

Allem voran der Eintritt. Während man bei Sotheby’s und Christie’s schon einige Hunderter berappen muss, um überhaupt dabei sein zu dürfen, braucht’s in Munderkingen bloß einen Hut auf dem Kopf. Wer den freilich vergisst, muss bluten. „I be z’erste Mol do“, versucht sich Besucherin Benita rauszureden.

Für die vier Auktionatoren Thomas Traub, Michael Sauter, Florian Stöhr und Uli Spranz eine willkommene Vorlage. „Jedes Johr fellt jemand drauf rei. Nächstes Mol Hiera eischalta, wenn du aus em Haus gohsch“, rät Traub der Dame, die - drei, zwei, eins - um 20 Euro ärmer und einen Seiden-Jägerhut reicher ist.

Petzen indes gilt nicht. „Dr Bürgermoister hot au koin Huat auf“, verrät ein Gast und erntet einen Rüffel von Uli Spranz: „Wer koin Huat hot, entscheidet alloi mir Versteigerer.“ Doch lange dauert es nicht, bis auch Thomas Schelkle bei seiner Grempelesmarkt-Premiere zur Kasse gebeten wird - und zusätzlich Lehrgeld zahlen muss. Die extra für 120 Euro ersteigerte Kappe geht nämlich nicht als Hut durch, die braune Kopfdeckung mit Blumen, für die er nochmals 110 Euro hinblättert, indes schon.

Immerhin muss auch VSAN-Vize Peter Schmidt, dessen Gel-gestyltes Haar nicht als Hut zählt, 115 Euro für ein schickes rotes Teil samt Flasche Bier berappen. Der ebenfalls unbehütete Peter Stökler kommt mit 50 Euro davon - allerdings ringt ihm Thomas Traub das Versprechen ab, nächstes Jahr zur Fasnet die Stadtgraba-Location wieder zu öffnen. Das Publikum dankt’s mit tosendem Applaus.

Darum sitzt das Geld eher locker

Alle drei namhaft-hutlosen Besucher haben auf die Kopfbedeckung wohl nicht ganz unfreiwillig verzichtet - denn schließlich steht beim Grempelesmarkt eines im Vordergrund: der gute Zweck. Der gesamte Erlös, und das dürften am Ende schon einige Tausend Euro sein, kommt sozialen Einrichtungen oder Bedürftigen in Munderkingen zu Gute. Drum sitzen die Geldbeutel der närrischen Besucher eher locker, und im Zweifel helfen die vier Auktionatoren mit viel Kreativität nach.

Wer auf „Wer“-Fragen die Hand hebt, ist schon mittendrin beim Bieten und kommt auch so schnell nicht wieder raus aus der Nummer. Wer gar Zahlen nennt - etwa die Entfernung seines Wohnorts oder sein Gewicht - erfährt sein Gebot gleich dazu. Und so fließen schnell mal 100 Euro für ein Weißwurstfrühstück mit Brezeln vom Ehinger Beck, 220 Euro für eine Trommel („Wer Zonga rausstreckt, des isch a Gebot“), 50 Euro für einen üppigen Hut mit Beleuchtung für die Vorstadt, 250 Euro für eine Schachtel mit Zylinder, 100 Euro für ein aufblasbares Sitzkissen, 85 Euro für ein Schwein aus Pappmaché oder auch mal zehn Euro für ein (hoffentlich hart) gekochtes Ei.

Abnehmer finden auch ein Picknick-Korb inklusive Picknick mit Grempelesmarkt-Organisatorin Walli Prill, eine französische Tartarenkappe mit Wollböppel („A Boll de Woll“), ein „voll funktionsfähiger“ Dudelsack, um den Mitglieder der Stadtkapelle und des Spielmannszug wetteifern, eine Wuseles-Etagiere, ein Gretta voller Gartenzwerge, ein Nachtkästle mit Bodschamper für die schwache Blase und viele andere, mehr oder weniger brauchbare Dinge.

„Nichts“ kaufen - warum dieses Vorhaben nichts nützt

Dabei nützt es den Daheimgebliebenen auch nichts, ihren Partnern die Order „Lass dir bloß nichts aufschwätza“ mit auf den Weg zu geben. „Nichts“ kann nämlich auch mal der Titel für eine Flasche Heuchelberger Rotwein lauten und für 85 Euro einen neuen Besitzer finden. Der ist in diesem Fall erneut der Bürgermeister, der versehentlich mit der Hand gezuckt hat.

Die Flasche soll künftig seine Ratsstube schmücken, ebenso eine Tänzerin aus weißem Porzellan - Meißener, versteht sich - als antiker Briefbeschwerer und ein 20 Meter langes Band aus Wimpeln in rot-weißen Munderkinger Farben. Das wäre beinahe in Ehingen gelandet, was Thomas Schelkle dank 70-Euro-Gebot im letzten Moment verhindert. „Du hosch schnell begriffa, was hier Sache isch“, lobt Thomas Traub den Schultes.

Auch der Mann von der „Schwäbischen Zeitung“ kommt um ein Gebot nicht herum, bloß weil er beim Fotografieren die Hand nach oben hält. Das ersteigerte Kleid ist zwar SCHICK und macht somit dem Redakteur alle Ehre, allerdings hapert’s bei der Weite. Aber für schlappe 91 Euro - leider wird der Preis nach dem Gewicht ermittelt - kann man ja auch nicht zu viel erwarten. Immerhin ist auch ein rosaroter Hut dabei.

SZ-Redakteur Reiner Schick erwarb beim Grempelesmarkt in Munderkingen ein schickes Kleid.
SZ-Redakteur Reiner Schick erwarb beim Grempelesmarkt in Munderkingen ein schickes Kleid. (Foto: Narren)

Deutlich günstiger kommen übrigens die kleinen Besucher bei den Kinderrunden weg: Ein Mädchen freut sich wie Bolle über einen alten Kaufmannsladen für 3,50 Euro, ein anderes Kind darf ein Bobbycar für 5 Euro sein eigen nennen.

Insgesamt drei Stunden dauert das Spektakel, das mittlerweile Fans aus weitem Umkreis hat. So wird in der proppenvollen Holzlaube vor dem Munderkinger Narrenstüble gesungen, gelacht - und manches Gebot förmlich nach oben geschunkelt.