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Aktion „Helfen bringt Freude“

Der Überlebenskampf der „Staubkinder“

Munderkingen / Lesedauer: 7 min

Klassenzimmer unterm Zeltdach, kilometerweit Wasser schleppen: Die Uganda-Initiative Bukoto-Schwaben kämpft mit vielen Herausforderungen. Aber dank ihr gibt es auch Lichtblicke.
Veröffentlicht:28.11.2023, 11:50

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„Hand in Hand mit den Kindern aus Bukoto und Buliro“: Unter diesem Motto setzt sich die Uganda-Initiative Bukoto-Schwaben aus Munderkingen und Umgebung seit nunmehr 21 Jahren für das Leben und Überleben der Menschen in dem ostafrikanischen Staat ein. Wichtigste Aufgaben sind der Betrieb eines Waisenhauses, persönliche Patenschaften sowie Bildungsprojekte.

„Da war eine Frau. Sie sagte: ,Schau her, dies ist meine Kuh. Von dieser Kuh lebe ich. Wenn die Kuh stirbt, dann sterbe ich mit ihr’.“ Manchmal sind nur wenige Worte nötig, um die große Not vieler Menschen in Uganda und anderen Ländern Afrikas zu beschreiben. Notiert hat sie Ottmar Roth, Vorsitzender der Uganda-Initiative Bukoto Schwaben, in diesem Sommer bei seiner mehrwöchigen Reise in die Partnergemeinden am Ufer des Victoriasees.

Auch Vorstandsmitglied Shegame Schaller sammelte kurz darauf persönliche Eindrücke direkt vor Ort. Beide berichteten nun bei einem Informationsabend in Munderkingen Mitgliedern der Initiative und Gästen vom Stand der aktuellen Hilfsprojekte - auch in der Hoffnung, neue Unterstützer und Paten zu gewinnen.

Solche Schulräume sind in Deutschland unvorstellbar

Wie wichtig das ist, wurde bei den Bild- und Videovorträgen deutlich. In der Gemeinde Bukoto leben etwa 10.000 Menschen, die sich auf zehn kleine Ortschaften und Weiler verteilen. Sie ernähren sich überwiegend von der Landwirtschaft und sind Selbstversorger. Was übrig bleibt, wird auf dem Markt in der Distriktshauptstadt Masaka verkauft, der Erlös oft in Schulgeld investiert. Denn Bildung ist elementar für die Zukunft der Kinder. Doch der Zustand der meisten Schulen ist katastrophal. Roth zeigte Fotos von Klassenzimmern ohne Türen, ohne Fensterscheiben und ohne Licht. „Bei uns könnte sich niemand vorstellen, so zu lernen“, sagte er.

Sogar noch schlechter ist die Situation in Buliro, der 35.000 Einwohner zählenden Nachbargemeinde von Bukoto direkt am Victoriasee. Manche Schulräume haben gerade mal ein provisorisches Zeltdach als Schutz. „Die Schüler lernen im Staub, den die Winde vom Victoriasee mitbringen. Man nennt sie deshalb die Staubkinder“, erzählte Ottmar Roth. Durch die Stürme würde auch oft die Ernte zerstört. „Sie haben jetzt bei der Regierung einen Antrag gestellt, dass Bäume gepflanzt werden als Windschutz. Ich denke aber nicht, dass sie das Geld für die Bäume bekommen werden“, zeigte sich Roth wenig zuversichtlich. Zumal die ugandische Regierung als korrupt gilt, und wenn es mal Zusagen gibt, es oft Jahre bis zur Umsetzung dauert.

Diese Projekte spenden Hoffnung

Buliro wurde in diesem Jahr ganz neu aufgenommen in die Initiative Bukoto-Schwaben, die im Jahr 2002 zwischen der Katholischen Arbeitnehmer Bewegung (KAB) Munderkingen und dem afrikanischen Pendant Catholic Workers Movement (CWM) gegründet wurde. Zahlreiche Projekte wurden seither verwirklicht, darunter auch der Bau einer neuen Kirche, die für die sehr gläubigen Menschen in Bukoto eine große Bedeutung hat. Als „unser schönstes Projekt und eine Erfolgsgeschichte“ bezeichnete Ottmar Roth freilich den Start von Schulpatenschaften - „ein Licht der Hoffnung für die Kinder“. Deren Blicke hätten sich bei seinem ersten Besuch in Uganda derart in sein Herz gebrannt, dass er fieberhaft überlegte, was er für die kleinen Menschen tun könne, die nichts haben als das, was sie am eigenen Leib tragen. Mittlerweile gibt es 197 Paten aus Munderkingen und weitem Umkreis, die das Schulgeld für die Kinder bezahlen.

Weitere kurz- und langfristige Projekte waren die Schulspeisung von rund 450 Kindern während der Hungersnot 2014, das jährliche Weihnachtsessen für die örtlichen Familien, der Bau eines Schlafsaals bei der Schule, Netze gegen die Moskitoplage, eine Nähaktion zur Fertigung von Schutzmasken während der Corona-Pandemie und aktuell ein Handwerksprojekt, das den Jugendlichen den Einstieg ins Berufsleben ermöglichen soll.

„In Uganda gibt es sehr viele Talente, doch leider fehlt meist das Geld, um sie zu fördern“, sagt Ottmar Roth. Erst vor zwei Wochen erhielt er die erfreuliche Nachricht, dass allein in diesem Jahr 25 Patenkinder der Uganda-Initiative über dieses Projekt ein Zertifikat erlangt haben, mit dem sie in einem Betrieb den Meister machen können, sich selbstständig machen, ins Ausland gehen oder in der ugandischen Hauptstadt Kampala einen Arbeitsplatz bekommen können, wo die Chancen deutlich größer sind als in der Provinz.

Roth verbrachte selbst vergangenen Sommer mehrere Wochen im Auftrag des Bischofs und des Bildungssekretariats der Diözese Masaka, um für dieses Handwerksprojekt an zehn weiterbildenden Schulen zu werben. Mit durchschlagendem Erfolg: Acht Schulen machen mit.

Warum ein Brunnen ein Segen wäre

Eines der größten laufenden Projekte ist der Betrieb des Waisenhauses für 13 Kinder, deren Versorgung ebenfalls durch Spenden von Paten aus Deutschland gesichert wird. Weitere Schwerpunkte der künftigen Arbeit der Uganda-Initiative sind die erwähnte Ertüchtigung der Schulgebäude und der Bau eines Brunnens. Mit einem eindrucksvollen Video zeigte Ottmar Roth, wie sich die Kinder aus Bukoto täglich drei Kilometer zu Fuß über unwegsames Gelände plagen müssen, um Wasser aus einem besseren Tümpel zur Schule zu bringen. Beim Waisenhaus soll nun ein mit Spenden aus Deutschland finanzierter Brunnen gebohrt werden.

Ebenfalls neu gestartet wird ein Landwirtschaftsprojekt. Shegame Schaller machte sich vor Ort ein Bild von den guten Fortschritten des Projekts. Auf einem 400 Quadratmeter großen Feld sollen die Bewohner von Bukoto Gemüse für den Eigenbedarf und den Verkauf auf dem Markt anbauen. Auch eine Schweine- und Hühnerzucht soll hinzukommen. „Mit den Einnahmen können auch andere Projekte, zum Beispiel der Betrieb des Waisenhauses, finanziert werden“, sagte Shegame Schaller.

So wichtig sind die Spenden

Wie wichtig neben der Eigeninitiative der Menschen vor Ort die Unterstützung aus Deutschland ist, wird am Beispiel der Weihnachtsspendenaktion „Helfen bringt Freude“ der „Schwäbischen Zeitung“ deutlich: Das Geld aus der Aktion 2022 reichte fast ein Jahr lang, um Essen fürs Waisenhaus zu kaufen. „Die Menschen in Uganda können nichts Materielles zurückgeben. Dafür schenken sie uns ihre Dankbarkeit, ihre Herzlichkeit und Liebe“, sagt Ottmar Roth. Entsprechend groß ist die Freude bei der Uganda-Initiative, dass man auch dieses Jahr wieder von den Spenden der SZ-Leser profitieren darf. Und beim Infoabend überbrachte Roth eine weitere tolle Nachricht: Bei der Feier seines 80. Geburtstags im Umfeld der Uganda-Initiative hat der Jubilar um Spenden statt Geschenke gebeten. 1250 Euro kamen zusammen.

Aufgrund der großen Herausforderungen auch in der Zukunft freut sich die Initiative über weitere Unterstützer, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie Paten für die Kinder aus Bukoto und Buliro. Ansprechpartner sind der Vorsitzende Ottmar Roth ([email protected]; Telefon 0151-21990325) und die zweite Vorsitzende Jutta Lindner ([email protected]; Telefon 0162/31977 52). Ausführliche Informationen gibt es auch auf der Homepage unter www.bukotoschwaben.com

Weihnachtsspendenaktion „Helfen bringt Freude“

Fluchtursachen bekämpfen, menschenwürdiges Leben ermöglichen: Diesen Schwerpunkt setzen wir auch in diesem Jahr mit unserer Weihnachtsspendenaktion. Die Spenden kommen der Hilfe für Menschen im Nordirak, ehrenamtlichen Initiativen und Caritasprojekten in Württemberg sowie in Lindau zugute. Ihre Spende hilft Menschen, in ihrer Heimat bleiben zu können und nicht fliehen zu müssen. Und sie hilft Geflüchteten hier bei uns in der Region. Spenden Sie jetzt! Eine Spendenquittung wird auf Wunsch oder ab 300 Euro automatisch erstellt. Geben Sie hierfür bitte Ihren Namen und Ihre Adresse an sowie das Stichwort „ZWB“ im Verwendungszweck. Möchten Sie namentlich auf der Dankseite erscheinen, setzen Sie bitte ein X in das erste Feld des Verwendungszwecks. Spendenkonto: Caritasverband der Diözese Rottenburg-Stuttgart e. V., Bank für Sozialwirtschaft Stuttgart, IBAN: DE37 3702 0500 0001 7088 00, BIC: BFSWDE33XXX, Stichwort: „Helfen bringt Freude“. Im Internet: schwaebische.de/weihnachtsspendenaktion. Bei Fragen oder Anregungen zur Aktion freuen wir uns über eine Mail an [email protected]