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Jetzt landet der Fall vor Gericht

Mann beschimpft Bahnmitarbeiter mit SS-Rang

Münsingen / Lesedauer: 3 min

Der Fall landet vor Gericht. Was dem 57-Jährigen jetzt blüht.
Veröffentlicht:13.02.2024, 12:18

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Weil ein 57-jähriger Älbler einen Mitarbeiter der Schwäbischen Alb-Bahn (SAB) als Untersturmführer beschimpft hatte, flatterte dem Verwaltungsangestellten wegen Beleidigung ein Strafbefehl in Höhe von 1500 Euro (30 Tagesssätze á 50 Euro) ins Haus. Dagegen legte er Einspruch ein, weshalb es dieser Tage zur Verhandlung vor dem Münsinger Amtsgericht kam.

Radfahrer wollen Gleise überqueren

Was war geschehen? Ende September vergangenen Jahres waren der Älbler und ein Freund am Nachmittag mit dem Fahrrad unterwegs. In Münsingen mussten sie im Bahnhof, um über die Gleise zu kommen, mit ihren Drahteseln durch die rot-weiß lackierten Umlaufsperren.

In diesem Augenblick fuhr ein Zug aus Richtung Trochtelfingen kommend auf Gleis 2 ein. Der Lokführer sah die beiden Radler und gab ein lautes Warnsignal ab. Ein Zugbegleiter, der auf Gleis 1 stand, rief noch „Halt, absteigen.“ Als keine Reaktion kam, schrie er ein zweites Mal und gestikulierte mit beiden Händen. Erst jetzt blieben die Radler stehen.

Als der Zug den Überweg passiert hatte, setzten die Pedalritter ihren Weg fort. „Als sie auf meiner Höhe waren, haben sie mich fragend angeschaut, nach dem Motto, was will der denn?“, erinnerte sich der Zugbegleiter vor Gericht. „Das hätte verdammt blöd ausgehen können“, dachte er laut nach. Danach trennten sich ihre Wege.

Angeklagte beschwert sich über Befehlston

Tage später traf eine E-Mail bei der SAB ein. Darin beklagte sich einer der Angeklagte über den harschen Befehlston des Mitarbeiters. „Wir leben doch in keiner Diktatur“, sagte der 57-Jährige vor Gericht aus, der sich am besagten Tag im September keiner Schuld bewusst war. Er räumte ein, dass er der Verfasser der E-Mail gewesen sei und er den SAB-Bediensteten Untersturmführer genannt habe. „Das war aber sarkastisch gemeint“, schob der Älbler nach. „Ich wollte ihm den Spiegel vor Augen halten, ihm zeigen, dass man in einer Demokratie nicht mit einem solchen Ton unterwegs ist.“

„Dabei sind Sie übers Ziel hinausgeschossen“, entgegnete ihm Richter Marian Jander. Staatsanwältin Lisa Schall erinnerte den Angeklagten daran, dass ein Untersturmführer im Deutschen Reich der niedrigste Offiziersrang der Schutzstaffel (SS) war.

Dieser Nachhilfeunterricht kam nicht von ungefähr. Der Älbler hatte behauptet, er habe diesen Dienstgrad „erfunden“. Er habe nicht gewusst, dass es ihn tatsächlich gegeben habe. Nichtsdestotrotz. „Ich habe mich persönlich angegriffen gefühlt“, antwortete der SAB-Mitarbeiter auf die entsprechende Frage des Richters.

500 Euro Geldstrafe

Jander bot dem Verfasser der mit „überspitzter Polemik“ gespickten E-Mail an, das Strafverfahren gegen eine Geldauflage einzustellen, wenn er sich bei seinem Gegenüber entschuldigen würde. Nach reiflicher Überlegung willigte der Angeklagte ein, erhob sich von seinem Stuhl, knöpfte das Sakko zu und drehte seinen Kopf Richtung SAB-Mitarbeiter.

„Meine Ausdrucksweise war zu extrem, meine Wortwahl war missverständlich“, gestand der 57-Jährige ein. Beleidigen wollte er niemanden, deshalb entschuldige er sich aufrichtig. Eine Entschuldigung, die angenommen wurde.

Deshalb fiel es auch der Vertreterin der Anklage leicht, sich dem Vorschlag des Richters anzuschließen. Man einigte sich darauf, dass der nicht vorbestrafte Radfahrer 500 Euro an die Gedenkstätte Grafeneck überweist.