Westseite

Gefällte Bäume verärgern Merklinger

Merklingen / Lesedauer: 3 min

Gemeinde ließ neun Bäume am Friedhof fällen – Einige Bäume waren innen hohl
Veröffentlicht:29.03.2016, 11:51
Aktualisiert:23.10.2019, 17:00

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Radikal sind kürzlich gleich sieben Birken an der Westseite und zwei Kastanien am Eingangsportal des Merklinger Friedhofes gefallen. Das sorgte für fassungslose Reaktionen bei einigen Merklingern, was ein Thema der jüngsten Gemeinderatssitzung war.

Während einige Merklinger von einem Gewaltakt sprechen, sind andere dankbar dafür, dass die Friedhofsmauer nicht vom Wurzelwerk der Birken beschädigt wird und kein Laub auf die Gräber fällt. Bäume gehören zu einem Friedhof. Und besonders wichtig ist für Trauernde ein uneinsichtiger Platz der Ruhe, sagen einige Bürgerinnen und Bürger, die ihren Augen nicht trauten und in keiner Weise auf den Kahlschlag vorbereitet waren.

Doch wenigstens die Kastanien an der Südseite und die alten Birken im westlichen Bereich haben dieser letzten Ruhestätte ein Gefühl des Schutzes und der Erhabenheit gegeben. Weiter sind Stimmen zu hören, die an den augenblicklichen Trend der Friedwälder erinnern: „Hohe Bäume spiegeln genau das wider, was die Menschen gerade suchen. Natürlichkeit“, sagte beispielsweise Roland Salzmann .

„Wir haben ebenso mit den Menschen aus dem Dorf gesprochen“, erwidert Martin Gröh , Gemeinderatsmitglied und Mitarbeiter des Bauhofes. Sei es im Albverein oder Obst- und Gartenbauverein, die Richtung sei klar gewesen: „Kein Laub auf den Gräbern, keine Wurzeln, die sich durch die Friedhofsmauer in die Gräber drücken und dazu der Druck, dass die Bäume sowieso irgendwann mal gefällt werden müssen. Also dann machen wir doch gleich alles richtig, sonst hätte es eben in zwei oder drei Jahren so ausgesehen.“ Dies war auch das Ergebnis eines beauftragten Baumfachmannes.

Gefährliche Bäume

Dass die Birken gefällt werden sollen, teilte Martin Gröh in der Gemeinderatssitzung unter dem Punkt „Sonstiges“ beiläufig mit. Zwei Kastanien seien vom Baumgutachter als unbedingt gefährlich eingestuft worden, ebenso eine Birke. Darüber war der Gemeinderat über ein Baumgutachten informiert. Dass dies eine richtige Entscheidung gewesen sei, hätte sich nach dem Fällen bestätigt, so Gröh. Die Kastanien seien innen völlig hohl gewesen und hätten eine erhebliche Gefahr dargestellt.

Nun wollte der Bauhof das Werk gleich so vollenden, indem nicht nur eine Birke gefällt, sondern eben ganze Arbeit geleistet werde. Somit ließen sich die Kosten für die Sicherung der restlichen Bäume sparen, die wohl in drei Jahren sowieso gefällt werden müssten. Eisbruch, Wurzeln, Beschädigung der Friedhofsmauer – Gründe dafür gebe es einige.

Durch Fällung: Freier Blick auf Friedhofsmauer

Schweigend und kommentarlos reagierte der Gemeinderat daraufhin am Ende der Sitzung, zudem sichtlich überrascht. Lediglich Marie-Luise Jakob äußerte: „Ich bin dafür. Wir haben ein schönes Mäuerle um den Friedhof herum, das darf man ruhig sehen. Warum soll man das mit Bäumen zupflastern?“ Flachwurzler zerstörten nämlich das Mauerwerk.

Martin Gröh reagiert auf die Zerstörung des Gesamtbildes relativ gelassen: Es habe sich um keine Hau-Ruck-Aktion gehandelt, sondern um eine sehr überlegte Entscheidung, die logischerweise mit dem Bürgermeister abgesprochen gewesen sei. Die Kosten für die Pflanzung neuer Bäume seien sogar im Haushaltsplan aufgeführt. „Ich bin der letzte der einen Baum einfach so fällt“, betonte Martin Gröh, „ich bin eher der, der einen pflanzt.“