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Was ihn ausbremst

Unternehmer über Energiewende: „Man braucht Durchhaltevermögen“

Machtolsheim / Lesedauer: 4 min

Seit mehr als vier Jahren versucht ein Machtolsheimer Unternehmer, seine Firma energieneutral aufzustellen. Doch eines bremst ihn aus.
Veröffentlicht:05.02.2024, 11:50

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Oft beginnen technologische Veränderungen bei mittelständischen Betrieben - wie beim Ebert Kunststoffbearbeitung aus Machtolsheim. Seit über vier Jahren verfolgen Firmenchef Wolfgang Ebert und sein Team den Plan, möglichst viel der im Werk benötigten Energie selbst zu erzeugen. Inzwischen weiß Ebert: Dafür braucht man einen sehr langen Atem. Aber nun ist eine weitere Hürde auf dem Weg zur Energieautarkie genommen.

Vor etwa einem Jahr ließ Wolfgang Ebert auf dem Firmengelände eine Windturbine installieren. Der Plan war, dass diese die gewonnene Energie in einen Speicher einspeist. Ebert zuckt mit den Schultern und sagt: „Die Turbine hat sich gedreht, aber keinen Strom produziert. Wir haben kurz vor Weihnachten 2023 endlich einen guten 30-KW-Speicher installieren können, der von der Turbine und unserer Solaranlage gespeist wird. Nun geht unser Erneuerbare-Energie-Konzept langsam auf.“

Auf den Hallendächern liegen zum Teil schon seit 25 Jahren Solarmodule, die immer noch Strom liefern und das Erneuerbare-Energie-Konzept steht auch schon seit rund vier Jahren. Doch das Problem sind die extrem langen Lieferzeiten. „Wir haben zwei Jahre auf die Turbine gewartet und dann fehlte eben noch der Speicher“, sagt Ebert.

Als der endlich angeschlossen war, konnte auch ein weiteres Puzzleteil in Betrieb gehen: Schon bevor die Windturbine geliefert wurde, waren auf dem Firmenparkplatz zwei Ladesäulen für Elektrofahrzeuge installiert worden. Jede Säule kann die Batterien von zwei Fahrzeugen laden. Sie wurden erst in Betrieb genommen, nachdem der Stromspeicher da war.

E-Transporter als mobiler Batteriespeicher

Die Grundidee war es zunächst, die aus damaliger Sicht noch anzuschaffenden Elektrofahrzeuge des Unternehmens mit selbst produziertem Strom zu laden. Aber auch mit der Umstellung der Firmenflotte auf Elektroantrieb hatte Wolfgang Ebert im vergangenen viel Geduld abverlangt. Auch bei E-Autos waren die Lieferzeiten extrem lang. Inzwischen sei man zumindest im PKW-Bereich weiter und nimmt nun die Transporterflotte in den Blick.

Und auch bei den Transportern zeigt sich, dass die Hersteller sich zwar Mühe geben, E-Transporter in Serie auf die Straße zu bringen, aber vielfach noch lange nicht so weit sind. „Wir haben erste Tests mit E-Transportern gemacht. Dabei handelte es sich aber leider eher um fortgeschrittene Prototypen, die überdies auch noch sehr teuer sind“, erzählt Ebert. Immerhin ein Hersteller hat angekündigt, „bald“ ein passendes Serienmodell herauszubringen. Auf das hofft Ebert.

Denn den E-Transportern kommt im Erneuerbare-Energie-Konzept eine wichtige Rolle zu: Sie sollen nicht nur mindestens 300 Kilometer elektrische Reichweite bei voller Beladung leisten, damit die Fahrer ihre Touren in der Region ohne Ladestopps bewältigen können. Sie sollen auch als Speicher für den selbst erzeugten Strom dienen, wie Ebert erklärt:

„Ein E-Transporter hat sinnvollerweise einen sehr großen Akku. Da wäre es für uns wünschenswert, wenn das Fahrzeug sogenanntes bidirektionales Laden beherrscht. Es kann dann nicht nur ganz normal an einer unserer Ladesäulen aufgeladen werden. Es kann aber auch über die Ladesäule wieder Energie in unser Stromsystem einspeisen, wenn diese gerade benötigt wird und das Fahrzeug ohnehin gerade nicht gebraucht wird.“

Geduld und Durchhaltevermögen lohnen sich

Diese Art mobiler Akku wird sehr wahrscheinlich in den kommenden Monaten noch sehr wichtig. Denn die Firma Ebert plant den Bau von zwei neuen Fertigungshallen auf ihrem Grund. Und diese Hallen sollen dann auch maximal mit Solarpaneelen belegt werden. Die damit produzierte Energiemenge kann das öffentliche Stromnetz in Machtolsheim gar nicht aufnehmen. „Deswegen planen wir auch, eine größere Speichereinheit einzubauen, um den produzierten Strom für uns zu nutzen“, sagt Ebert.

Er erklärt auch, dass die E-Ladesäulen auf dem Firmenparkplatz keineswegs nur für die Mitarbeitenden gedacht sind. Sie stehen für alle bereit, die ihre Elektrofahrzeuge mit 11 oder 22 KW laden können - und zwar an sieben Tage die Woche rund um die Uhr. Dazu benötige man lediglich eine der gängigen E-Ladekarten, kann aber auch per Kreditkarte oder über Handy mittels eines QR-Codes zahlen. Ebert stellt klar: „Wir wollen mit der Anlage keinen Gewinn machen, sondern nur unsere Kosten decken.“

Der größte E-Ladepark der Welt ist jetzt am Bahnhof Merklingen eröffnet worden.

Die nächste E-Landestationen sind in Laichingen und natürlich in Merklingen, Machtolsheim liegt da in der Mitte. Ein denkbares Szenario in Eberts Augen wäre: Eine Frau aus dem Raum Stuttgart besucht ihre Eltern in Machtolsheim. Sie stellt ihr E-Mobil am Samstagvormittag an einer der Ladesäulen ab und fährt abends mit vollem Akku wieder über die Alb heim. „Ich habe auch beobachtet, dass viele ihre Autos bei uns laden, während sie mit ihren Hunden auf den umliegenden Feldern Gassi gehen“, berichtet Ebert, der selbst einen Hund beherbergt.

Dass es so viele Jahre dauern würde, bis das Ebert’sche Erneuerbare-Energie-Konzept aufgeht, damit hat er nicht gerechnet, sagt der Unternehmenschef. Aber er sagt auch: „So wollen wir die Zukunft unseres Betriebs für die kommenden Jahrzehnte sichern, und zwar nachhaltig. Man braucht halt Geduld und Durchhaltevermögen, aber es lohnt sich.“