Wahlnachlese

Wahlnachlese: Hilde Mattheis' SPD erlebt eine historische Schlappe

Laichingen / Lesedauer: 3 min

Wahlnachlese: Hilde Mattheis' SPD erlebt eine historische Schlappe
Veröffentlicht:29.09.2009, 08:07
Aktualisiert:26.10.2019, 08:00

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Die ländlichen Regionen in Baden-Württemberg zählen bekanntermaßen traditionell nicht gerade zu den Hochburgen der Sozialdemokratie. Um Platz zwei hinter der Union musste sich die SPD jedoch eigentlich nie allzu große Sorgen machen. Das ist seit Sonntag passé.

Auf der Laichinger Alb hat die Volkspartei, die hier in der Kommunalpolitik so gut wie nicht mehr stattfindet, einen derartigen Hagel an Niederlagen einstecken müssen, dass jeder Trainer einer Sportmannschaft von sich aus freiwillig das Weite gesucht hätte.

Nur einige Beispiele der historischen Schlappe: 8,5 Prozent in Machtolsheim, 8,8 Prozent in Westerheim, 10,5 Prozent in Nellingen, 15,4 im gesamten Laichinger Stadtgebiet.

Während in Deutschland diskutiert wird, ob die SPD ihren Status als Volkspartei verlieren könnte, ist das auf der Laichinger Alb schon Realität. Selbst bei CDU-Granden löste das SPD-Debakel Erstaunen aus. "Das hätte ich nie gedacht, dass so eine große Volkspartei so tief fällt", sagte der Landtagsabgeordnete Karl Traub.

Eindeutige Wahlsiegerin auf der Alb ist hingegen die FDP . In allen Städten und Gemeinden auf der Laichinger Alb ist die FDP bei den Zweitstimmen zweitstärkste Partei. Deutlich vor der SPD. Das ist hier umso erstaunlicher, weil auch die Liberalen rund um Laichingen kaum in Erscheinung treten.

Der Schluss liegt also nahe, dass Sieg und Niederlage nicht nur dicht beieinander liegen, sondern das Fundament dafür nicht hier, sondern in Berlin gelegt wurde. "Ich bin froh, dass es so gelaufen ist", sagte FDP-Kandidat Uli Walter , "eine schwarz-gelbe Koalition ist das beste Ergebnis, das uns passieren konnte".

Überraschend ist die konstante Stärke der FDP. War in Hohenstadt durch Werner Simmling noch ein hohes Ergebnis zu erwarten, so ist es doch auffällig, dass die Liberalen in jeder Gemeinde über 20 Prozent der Zweitstimmen geholt haben - jeder fünfte Wähler schickt somit Guido Westerwelle in schwarz-gelb. In Machtolsheim (26,8 Prozent), Suppingen (25,6) und Hohenstadt (25,1) sogar jeder Vierte.

Die bundesweite Erkenntnis, dass die schwarz-gelbe Koalition vor allem durch den vermeintlich kleineren Bündnispartner zustande kommt, trifft auch auf die Laichinger Alb zu. Zumal die CDU auch hier teilweise deutlich verloren hat.

In Feldstetten etwa verzeichnete Annette Schavan bei den Erststimmen die größten Verluste: minus 12,6 Prozent. Davon profitierte jedoch nicht in erster Linie FDP-Kandidat Uli Walter, sondern Brigitte Schmid von den Grünen, die mit 6,1 Prozentpunkten die stärksten Zuwächse in Feldstetten verzeichnete. Schmid selbst nannte ihr Ergebnis im Wahlkreis Ulm einen "Wahnsinnserfolg", denn: "Wir sind jetzt der stärkste Wahlkreis in Oberschwaben."

Brigitte Schmid erfolgreich

Ihr bestes Ergebnis auf der Laichinger Alb erzielte die Grünen-Kandidatin Brigitte Schmid in Berghülen mit 13,4 Prozent. Auch in der Gesamtstadt Laichingen war ihr Ergebnis bei 10,2 Prozent zweistellig.

Bei den Zweitstimmen war dies in Berghülen (12,2 Prozent), Nellingen (11,6), Laichingen (10,3) und Merklingen (10 Prozent) sogar öfter der Fall.

Das ganz große Plus gab es für die Grünen insgesamt jedoch nicht. Auch, weil andere Parteien ebenfalls vom Stimmenverlust der "Großen" profitierten.

Rein prozentual konnte nämlich Die Linke mit ihrem Kandidaten Walter Schmid am meisten zulegen. Ihre "Hochburg" ist die Laichinger Kernstadt, wo die Linke bei den Zweitstimmen auf 6,6 Prozent kam und ihr Ergebnis von 2005 mehr als verdoppelte.

Auch in Laichingen (gesamt) (5,9 Prozent), Heroldstatt (5,6 Prozent) und Hohenstadt (5 Prozent) konnte die Partei kräftig zulegen und scheint sich somit auch tief im Südwesten als fünfte Partei zu etablieren.

Auch eine Protestpartei scheint sich als solche etabliert zu haben.

Die Piratenpartei kam in der Gesamtstadt Laichingen immerhin auf 1,5 Prozent, auch in Heroldstatt machten 36 Wähler dort ihr Kreuz. Ein Indiz für chronische Unzufriedenheit mit den etablierten Parteien ist das ganz sicher.