StartseiteRegionalRegion Ulm/Alb-DonauLaichingenEin Wolf streift durch die Region – und zeigt wenig Scheu

In Siedlungsnähe fotografiert

Ein Wolf streift durch die Region – und zeigt wenig Scheu

Laichingen/Region / Lesedauer: 3 min

Das Tier zeigt wenig Scheu und wurde bereits in Siedlungsnähe fotografiert. Wo der Wolf zuletzt gesichtet wurde.
Veröffentlicht:01.02.2024, 18:00

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Es ist wieder ein Wolf in der Region unterwegs. Das Umweltministerium Baden-Württemberg bestätigte am Mittwoch, 31. Januar, dass es sich bei dem am 15. Januar in unmittelbarer Siedlungsnähe Bad Ditzenbach fotografierten Tier nachweislich um einen Wolf handelt. Dem Ministerium zufolge seien zum aktuellen Zeitpunkt weder zur Identität noch zum aktuellen Aufenthaltsort des Wolfes weitere Aussagen möglich.

Nach der Sichtung in Wiesensteig im August 2023 durchstreift damit bereits zum zweiten Mal innerhalb von wenigen Monaten nachweislich ein Wolf den südlichsten Bereich des Landkreis Göppingen und damit die unmittelbare Nachbarschaft des Alb-Donau-Kreises und der Laichinger Alb. Dass es auch über die Albhochfläche streift, ist mehr als wahrscheinlich.

Hier Beobachtungen melden

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Die Gemeinde Bad Ditzenbach liegt wie Westerheim und Laichingen außerhalb des Fördergebiets Wolfsprävention Schwarzwald. Die Nutztierverbände sowie die Wildtierbeauftragten der Region wurden über den Sachverhalt informiert, so das Ministerium. Eventuelle Beobachtungen mit Verdacht auf Wolf sollten umgehend der FVA in Freiburg per Mai: [email protected] gemeldet werden.

Gerade einmal zehn Kilometer Luftlinie sind es zwischen der Ortsmitte Westerheim und der in Bad Ditzenbach. Im Hinblick darauf, dass ein Wolf innerhalb seines Territoriums täglich weite Strecken bis zu 20 Kilometer zurücklegt, und junge Wölfe, die vom Rudel abwandern, um ein eigenes Rudel zu gründen, sogar bis zu 80 Kilometer am Tag schaffen, ist es mehr als Wahrscheinlich, dass das Tier auch auf der Laichinger Alb unterwegs ist. Nicht zuletzt, da die Albhochfläche laut Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA) ein attraktiver Lebensraum für den Wolf ist.

Kadaver und Spuren Auf der Alb

Erst Ende Mai vergangenen Jahres sorgte ein bei Laichingen gefundener stark verwester Tierkadaver für Aufsehen, der schließlich als Wolf identifiziert werden konnte. Die genaue Herkunft des Wolfs blieb unbekannt, Wissenschaftler des Senckenberg-Instituts hielten es für wahrscheinlich, dass er gemäß des genetischen Typs aus den Alpen zugewandert ist.

Ein weiteres Tier, was trotz mehrerer Spuren nicht zu 100 Prozent nachgewiesen werden konnte, soll sich in diesem Winter auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz und jetzigem Biosphärengebiet bei Münsingen aufgehalten haben. Im Gegensatz zum aktuellen Fall waren bisher alle Wolfsexemplare im Alb-Donau-Kreis extrem scheu.

Wenig Scheu sorgt für Bedenken

Die Göppinger Kreisjägermeisterin, Sarah Schweizer, mahnt zur Aufmerksamkeit im Hinblick auf die aktuelle Wolfssichtung: „Dieser Wolf weist eine ungewöhnlich geringe Scheu vor Menschen und menschlichen Siedlungen auf. Damit ist natürlich auch die Landwirtschaft auf der Alb mit ihren Schafen, Ziegen und Rindern zu recht in Sorge. Hier bei uns ist die Weidetierhaltung zentral für den Tierschutz, die Offenhaltung unserer Landschaften, die Biodiversität auf der Fläche und die Pflege unserer Kulturlandschaften. Ich erwarte daher vom fachlich zuständigen Umweltministerium, dass beim ersten Vorfall schnell reagiert wird.“

Einer Auswertung des Umweltministeriums zufolge wurden 2023 bei 15 Wolfsübergriffen in Baden-Württemberg insgesamt 42 Nutztiere von Wölfen gerissen - ein Anstieg um 13 Tiere gegenüber dem Vorjahr. Das Territorium eines Wolfsrudels in Deutschland ist durchschnittlich 200 Quadratkilometern bis 350 Quadratkilometern groß. Eine Abgrenzung zwischen Territorien erfolgt durch Markierungen wie Absetzen von Urin oder Losung, sowie Heulen. Die Größe des Territoriums ist von der Nahrungsverfügbarkeit abhängig.

Privatperson macht Mitte Januar Fotos

Am 15. Januar, diesen Jahres wurde in der Gemeinde Bad Ditzenbach im Landkreis Göppingen von einer Privatperson ein Tier mit Verdacht auf Wolf fotografiert. Die Aufnahmen wurden von den Fachleuten der Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg ausgewertet und lassen eine Bestätigung als sicheren Wolfsnachweis zu. Es wird davon ausgegangen, dass es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um ein Tier handelte, das schon in der Gemeinde Oberkochen nachgewiesen wurde. Ob sich der Wolf weiterhin in der Gegend aufhält oder bereits weitergezogen ist, ist momentan nicht bekannt, heißt es vom Umweltministerium aus Stuttgart. Weitere Aussagen zu seiner Herkunft, Geschlecht oder Alter seien derzeit nicht möglich.