Laichingen

„Mein ganzes Leben bloß Geld gezählt“

Laichingen / Lesedauer: 2 min

Maria Funk wird am Mittwoch 100 Jahre alt – „Man muss auch sein eigener Arzt sein!“
Veröffentlicht:31.03.2015, 16:06
Aktualisiert:24.10.2019, 04:00

Von:
Artikel teilen:

Maria Funk sitzt zufrieden in ihrem Sessel im Laichinger Altenheim und erzählt. Von ihrer Kindheit, ihrer Arbeit als Bankangestellte, von ihren Hunden. Am 1.April 1915 hat sie das Licht der Welt erblickt – am Mittwoch feiert sie mit Verwandten und Bekannten, darunter auch Sohn Reiner, 100. Geburtstag.

Wenn Maria Funk auf ihre Kindheit zurückblickt, könne sie zufrieden sagen: „Mir hends schee ghabt!“ Gemeinsam mit sieben Geschwistern ist in Deggingen aufgewachsen. Schon früh musste sie einen Schicksalsschlag ertragen: Sie war acht, als ihr Vater starb. Daraufhin zog ihre Mutter mit den Kindern nach Wiesensteig . Bis zu ihrem 97. Lebensjahr lebte sie dort, seither im Laichinger Altenheim. 47 Jahre ihres Lebens hat Maria Funk bei der Wiesensteiger Sparkasse gearbeitet: Zuerst am Schalter, später als Zweigstellenleiterin. „Ich hab mein ganzes Leben lang bloß Geld gezählt“, erzählt sie schmunzelnd. Auch heute noch bekommt sie die Zeitschrift der Sparkasse: „Das wird alles genau gelesen“, merkt sie an. Hautnah erlebte sie den Fliegeralarm in Wiesensteig am 4. April 1945 mit. Im Keller der Sparkasse, die sich damals im Rathaus befand, hat sie sich mit einer anderen und dem Notar versteckt: „Dort, wo sonst die Schweine gewogen wurden“, erinnert sie sich.

In ein Loch gefallen

Für Freizeit hatte sie während ihrer Arbeitsjahre kaum Zeit. Und so fiel ihr der Übergang in die Pension schwer: Sie wurde schwermütig, erzählt sie: „Ich wusste nicht mehr, was ich tun soll.“ Daraufhin habe sie ihren Bruder angerufen und um Rat gebeten. „Leg dir einen Hund zu“, seine Antwort. Gesagt, getan: Am folgenden Tag machte sie sich auf den Weg ins Tierheim und holte dort „Begge“ – einen weißen Biegel. Vier Jahre später bekam sie nochmals Hunde-Zuwachs: Sie nahm einen ausgesetzten Hund bei sich auf, das Max, ein Hirtenhund „Stundenlang bin ich mit den Hunden spazieren gelaufen.“

Sie sei immer zufrieden gewesen: „Mir ist’s gut gegangen“, sagt sie lächelnd. Ihr einfaches Leben, ist sie sich sicher, habe ihr zu diesem stolzen Alter verholfen, „deswegen bin ich auch so gesund gewesen.“ Krankenhaus-Aufenthalte gab es nur wenige.

Außerdem hatte sie über viele Jahre eine tägliche Routine: Ein kleines Gläschen Wein trinken. Selbstständig durchs Leben gehen, das hat sich Maria Funk sehr zu Herzen genommen. Und so merkt sie schmunzelnd an: „Man muss auch hin und wieder sein eigener Arzt sein!“