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Flötenkonzert

Ausgefallene Kompositionen beim Flötenkonzert in der Kammermusik

Laichingen / Lesedauer: 3 min

Virtuoses Querflöten-Konzert von Manuela Riegner und Norbert Girlinger
Veröffentlicht:28.06.2018, 12:45

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Manuela Riegner ist eine der besten Querflötenspielerinnen in der Region. Mit diesem Konzert ist sie über sich selbst hinausgewachsen – eine Sternstunde der Kammermusik. Beim Duett mit ihrem ehemaligen Lehrer Norbert Girlinger aus Linz, mit dem sie eine langjährige Freundschaft verbindet, sind beide Musiker an die Grenze der Spielbarkeit gegangen, technisch und musikalisch. Ausgefallene Kompositionen und experimentelle Einlagen haben den Gästen am Sonntag im Alten Rathaus ein ungewöhnliches Klangerlebnis beschert, das noch lange im Ohr bleiben wird.

Wer solche Leistungen erreichen will, muss besessen sein und seine Seele der Musik verschrieben haben. Das war der unausgesprochene Gedanke, der auf den Gesichtern vieler Zuschauer abzulesen war: Ein Staunen, überrollt von einer schnellen Abfolge von Steigerungen und wechselnden Eindrücken, die so intensiv waren, dass es schwerfällt, sie in Worte zu fassen.

Zum Beispiel bei der noch nie gehörten Bass-Querflöte, die Girlinger sich bauen ließ – ein weltweit einzigartiges Unikat.

Sie verzaubert mit tiefen, weich schwingenden Tönen, mal rau, dann wieder klar und rein. Doch Girlinger entlockt dem schwarz-silbernen Instrument mit dem gebogenen Hals noch ganz andere Töne: Er kann es gluckern und zischen lassen und mit den Lippen klappernde, trippelnde Töne erzeugen. Oder zwei Töne auf einmal blasen, oder gleichzeitig blasen und hineinsingen – magische Impressionen, die an das australische Didgeridoo erinnern: Die Bass-Querflöte scheint ein Eigenleben zu haben, ein eigenes Wesen, wild und unbändig – wie „Kokopelli“, das Motto des Konzerts. Er ist eine Art Faun, halb Gott, halb Schelm, Regenmacher und Minnesänger der Anasazi-Indianer, Stoff für Legenden und Talisman der Holzbläser.

Bei den Duetten kam der gemeinsame Klang von Flöte und Altflöte zur Geltung, ein virtuoses Zusammenspiel von Norbert Girlinger und Manuela Riegner. Die Musikschullehrerin, längst selbst eine Meisterin des Flötenspiels, war ihrem ehemaligen Lehrer Girlinger eine ebenbürtige Partnerin. Die Duette waren perfekt aufeinander abgestimmt. Beide spielten mit dem ganzen Körper, ein gemeinsames Auf und Ab, als hätten sie eine gemeinsame Stimme, einen gemeinsamen Atem. Gemeinsam erzeugten sie eine unglaubliche Flut an Tönen, mit Ausflügen in verschiedenste Stile und Epochen.

Wie „Papageiengeschnatter“

Beim „Colloque des deux Perruches“ von Jean Francaix (1912 - 1997) imitierten sie ein lustiges „Papageiengeschnatter“ mit enormem Tempo. Danach folgte ein Ausflug in den Barock mit Dem Trio Concertant G-Dur von Friedrich Kuhlau (1786 – 1832), mit Christan Riegner am Klavier, der auch bei der „Noblen Tafelmusik“ von Robert Delanoff (1942) am Flügel saß. Er nutzte ihn in seiner ganzen Bandbreite und brachte das Schmuckstück im Alten Rathaus zum Glänzen. Anders als der Titel „Tafelmusik“ vermuten lässt, erforderte das ausgefallene Stück intensives Zuhören. Girlinger setzte seine Flöte als Rhythmus-Element ein mit monotonen Tönen, Manuela Riegner spielte oben drüber eine wunderschöne Melodie – eine moderne Variante des Flötenspiels.

Ein Höhepunkt des Konzerts war die ausgefallene und sehr schwer zu spielende „Suite Provencale“ des Schweizer Komponisten Daniel Schnyder (1961); ein Werk mit fünf Teilen, die so unterschiedlich sind, dass sie für sich stehen – eine willkommene Gelegenheit für die beiden brillanten Musiker, einen Einblick in ihr breites Können zu geben. Einflüsse aus dem Jazz und südamerikanische Elemente verzauberten das Publikum, mit schrägen Tönen und wechselnden Rhythmen. Sehr schön waren die langen, weichen Schwingungen der beiden Querflöten bei den langsamen Passagen, voller Weite und Volumen. In den schnellen Teilen verschmolzen die Triller zu einem Vibrieren, bei dem einzelne Töne nicht mehr erkennbar waren. Mehr geht nicht.