Weberstraße

Händler haben das „Straßen-Theater“ satt

Laichingen / Lesedauer: 4 min

Am Montag startet großangelegte Sanierung der Rad- und Weberstraße – Sperrungen und Behinderungen drohen
Veröffentlicht:29.05.2013, 17:55
Aktualisiert:25.10.2019, 00:00

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Sie habe schon Menschen stürzen sehen, sagt Karin Bauer, Chefin der Laichinger Buchhandlung Aegis an der Weberstraße. Es ist alleine die Weberstraße, über die die Kunden zu ihr ins Geschäft strömen können. Manchmal aber stolpern diese. Vor allem ältere Frauen hätten im Winter Probleme mit dem holprigen Pflasterbelag.

Karin Bauer befürwortet die großangelegte Sanierung der Straße, die am kommenden Montag, 3. Juni, beginnt. Es gibt drei Bauabschnitte. Zunächst wird das Pflaster am Marktplatz (vor der Bäckerei Kirsamer) erneuert, dann der Belag in der nördlichen Radstraße (zwischen Café déli und der Stadtbücherei) und schließlich das Pflaster in der Weberstraße. Hier ließ das Stadtbauamt teilweise schon Asphaltdecken aufbringen. Als Stolperschutz.

Rund 220 000 Euro wird die Sanierung in der Rad- und Weberstraße kosten und dauern bis Mitte August – wenn alles glatt läuft und die Witterung mitspielt. Auch der Untergrund der beiden Straßen in Laichingens Kern wird erneuert. „Ich finde es gut, dass die beiden Straßen von Grund auf erneuert werden“, sagt Katrin Bauer. Dies sei ihr als geschäftstreibende Anliegerin lieber, als wenn die Straße immer nur „häppchenweise“ ausgebessert würde.

Stückwerk in der Weberstraße hat Karin Bauers Nachbar Norbert Zinner in den vergangenen Jahren schon des Öfteren beobachtet „Mindestens zehn Mal in den letzten 15 Jahren“, zählt der Inhaber von Aktiv Optik auf. Immer wieder habe es wegen Ausbesserungsarbeiten in der Weberstraße „Theater“ gegeben, erinnert sich Zinner. Der Grund sei klar: Die Straße sei einfach nicht gemacht für die hohe Anzahl an Autos, die die Straße – eigentlich eine verkehrsberuhigte Zone – täglich befahren. Dazu oft viel zu schnell. Er fordert die Stadtverwaltung deshalb auf, sich Gedanken zu machen, wie dem hohen Verkehrsaufkommen künftig Einhalt geboten werden kann. Vielleicht sollten die Autos auch komplett aus der Straße verbannt werden? Immerhin 800 am Tag.

„Auf keinen Fall“, sagt Rudolf Storr, Inhaber und Chef des Hotels Krehl einige Meter weiter in der Radstraße. Als Hotelier sei er darauf angewiesen, dass seine Gäste mit dem Auto auf seinem Parkplatz vorfahren dürften. „Wir leben von den Gästen, viele Geschäftsreisende, die abends anreisen und nach dem Frühstück wieder weiterfahren.“ Mit dem Auto logischerweise. Markt vor dem Hotel

Rudolf Storr muss wegen der Sanierung in der Rad- und Weberstraße, wenn man so will, doppelt in den sauren Apfel beißen. Die Sanierung beginnt im Bereich vor der Sparkasse, dort, wo sonst immer Markt ist. Die Markthändler ziehen deshalb um und lassen sich in Teilen auf den Parkplätzen des Hotels nieder. Erst am Samstag, 22. Juni, soll der Markt wieder an seinem ursprünglichen Platz stattfinden. Dann jedoch ist der Bereich vor dem Hotel an der Reihe. Immerhin: Als Kompensation hält die Stadt für das Hotel an den betreffenden Markttagen Parkplätze auf dem Zentralen Parkplatz vor.

Die Geschwindigkeit der Autos ist tatsächlich ein Problem für die beiden zu sanierenden Straßen. „Nur in Ausnahmefällen“ werde die vorgegebene Schrittgeschwindigkeit eingehalten, teilt das Bauamt mit. Die Konsequenz: Das Pflasterbett sei hinüber, die Fugen zwischen den Steinen hätten sich aufgelöst. Zudem versickere Wasser schlecht: Im Winter lässt das Eis in der Folge weitere Steine bröckeln, sie lockern sich. Das Bauamt kurz und knapp: „Die Straße ist teilweise nicht mehr verkehrssicher.“

Die Gestaltung der südlichen Rad- und Weberstraße rührt her aus den 90-er Jahren. Tatsächlich sollte der Bereich mittelfristig als Fußgängerzone genutzt werden. Die heutige Situation stellt sich aber ganz anders dar. Und sie ist vor allem wegen den ständigen Ausbesserungen ein Kostenfaktor für die Stadt, die Laichinger Bürgerschaft. Die ständigen Arbeiten wiederum nerven die Händler. Heißer Bausommer

Doch alles hat zwei Seiten. „Viele Kunden fahren mit dem Auto vor. Das kriegst du auch nicht mehr aus den Köpfen der Laichinger raus“, sagt Karin Bauer. Viele Händler seien auf autofahrende Kundschaft angewiesen.

Die Stadt wünscht derweil eine „unfallfreie und zügige Abwicklung“ der Baumaßnahme und bittet Betroffene um Verständnis für die „unvermeidbaren Behinderungen“. Karin Bauer, Norbert Zinner und Rudolf Storr stellen sich auf einen heißen Bausommer ein. Aber auf „Ruhe“ in den kommenden Jahren. Die Sanierung soll die letzte Maßnahme sein an den beiden Straßen für längere Zeit.

Spannend wird es auch für die Nutzer der Tiefgarage in der Weberstraße. Diese ist zumindest an den Tagen, wenn neues Pflaster in deren Einfahrt gelegt wird, nicht zugänglich. Ihnen wie den Händlern dürften einige Felsbrocken vom Herzen fallen, wenn das neue Pflaster drin ist. Dann, wenn wieder die Autos rollen.