StartseiteRegionalRegion Ulm/Alb-DonauLaichingenFacettenreiche Stunde der Kammermusik

Kammermusik

Facettenreiche Stunde der Kammermusik

Laichingen / Lesedauer: 3 min

Maria und Peter Gerter bieten im Alten Rathaus blendendes Zusammenspiel von Vater und Tochter
Veröffentlicht:17.09.2017, 15:14

Artikel teilen:

Glutvoll-lebendig haben Maria und Peter Gerter am Sonntag ihr Publikum bei der Stunde der Kammermusik im Alten Rathaus regelrecht beglückt: Die Besucher erlebten ein blendendes Zusammenspiel von Vater und Tochter, eine bravouröse und hoch professionelle Leistung des Bajan-Virtuosen und der Opernsängerin.

„Meine Lippen küssen so heiß“, kann denn dann „Liebe Sünde sein“, fragt Maria Gerter, wirbt kokett und charmant um ihr Publikum, verleiht mit Esprit und Sexappeal mitreißenden Chansons lebendige Frische. Zugleich erzeugen ihre Interpretationen von Liedern, die trotz ihres hohen Alters unvergessen sind („Irgendwo auf der Welt gibt’s ein kleines bisschen Glück“), etwas Gänsehaut. Nicht zu vergessen ist Maria Gerters Traumprinz: Blond sollte der kühne Held aus fernem Land zwar sein, doch „er heißt Waldemar und hat braunes Haar...“.

Maria Gerter lebt ihre musikalischen Interpretationen in großer Farbigkeit und reich differenzierter Harmonik, fesselt damit ihr Publikum, kann aber selbstverständlich noch mehr: So überzeugt sie mit Caccinis „Amarilli, mia bella“ und fährt in der Arie aus Rossinis Barbier von Sevilla „Una voce poco fa“ die Krallen aus.

Sie bringt in einer der bekanntesten Arien der Opernwelt aus „Carmen“ ihre Gleichgültigkeit gegenüber den Liebesbeteuerungen ihrer Verehrer zum Ausdruck („Habanera“) und lädt temperamentvoll Gäste ein, wie in der Strauss’schen „Fledermaus“ im Couplet des Orlofskys. Was für eine Ausstrahlung! Was für eine Stimme! Welch’ mitreißende Fähigkeit ein Publikum in den Bann zu ziehen, von dem sie immer wieder mit „Bravo“-Rufen belohnt wird.

Vater Peter Gerter, ebenfalls wie Maria schon zu den „alten Bekannten“ in der Familie der Laichinger Kammermusiker zählend, erweist sich als Meister seines Faches am russischen Knopfakkordeon, dem Bajan. Es ist eine in Russland entwickelte Form von Akkordeon, bei dem nicht nur die Bässe über Knöpfe zu bedienen sind, sondern auch die Melodiestimme. Gerter zählt zu den führenden Bajan-Virtuosen Russlands und ist ebenso wie Tochter Maria preisgekrönt.

Unter seinen Händen bewegt er schließlich das Bajan „in zwei Welten, nämlich zwischen Streichern und Orgel“, wie er sagt: Einmal in Bachs Concerto in a-Moll nach Vivaldi und im „Winter“ aus den „Vier Jahreszeiten“. Beides sind Vivaldi Stücke, die er gegenüber stellt. Spielbar sind sie durch eine Direktübertragung der Partitur auf sein Instrument. Das Ergebnis: tatsächlich verblüffende Nähe zur Kirchenorgel wie zu Streichinstrumenten.

Peter Gerter spielt „spontan“ noch einen Tango, der „nach Bizets Arie „Habanera“ etwas Ruhe ins Musikprogramm bringen soll und glänzt dann noch einmal solistisch mit einem „Bossa nova“ von Viktor Vlassow und dem Frühlingsstimmenwalzer von Johann Strauß. Letzterer versetzt den Hörer aber nicht etwa nach Wien, sondern lässt ihn aufgrund der wunderbaren Klänge des Bajans eher eine leichte Brise Paris um die Nase wehen.

Als Fazit lässt sich sagen: eine facettenreiche Stunde der Kammermusik, die zu Recht mit donnerndem Beifall belohnt wurde.