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Lesungsabend

Der Sternekoch mag Bodenständiges

Laichingen / Lesedauer: 3 min

Der Sternekoch mag Bodenständiges
Veröffentlicht:30.11.2010, 10:15

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Einen gelungenen Konzert- und Lesungsabend mit dem schreibenden Koch Vincent Klink und dem kochenden Jazzpianisten Patrick Bebelaar haben die Besucher im ausverkauften Alten Rathaus erlebt. Das begeisterte Publikum hat Vincent Klink von seiner unbekannteren Seite, nämlich als Bassflügelhornist kennen und schätzen gelernt.

Von unserer Mitarbeiterin   Susanne Kuhn-Urban

Die Gäste im Alten Rathaus erwartete ein anregender Abend mit Episoden aus Klinks großem Erfahrungsschatz, dazu ein hochkarätiger Konzertabend mit dem ausgezeichneten Jazzpianisten Patrick Bebelaar, mal als Solist, mal zusammen mit Vincent Klink auf dem Bassflügelhorn.

Vincent Klink freute sich über seinen Termin in Laichingen . „Wir hatten eine sehr schöne Fahrt in den Winter“, meinte er, und: „Ich war schon einmal in Laichingen und weiß auch ganz genau, was Damast ist und habe daheim auch einige Parade-Haipfel.“ Hier merkten die Gäste schon, auf was es dem Starkoch ankommt: Qualität, die durchaus ihren Preis haben darf. Dies gilt für Klink schon bei den Servietten, aber vor allem natürlich bei den Lebensmitteln. „Wenn die Leute solch schlechte Qualität in ihre Autos füllen würden, wie sie in sich hinein stopfen, dann wäre auf den Straßen bald Ruhe“, fasste er seine Sicht der Dinge zusammen.

Zum eher abfälligen Begriff der „Provinz“ legte Klink seine Gedanken dar: „Soviel Dummheit wie heutzutage in der Stadt sieht man selten auf einem Flecken. Der urbane Mensch lebt das Leben der Medien und der Hammelherde“ – und vergesse dabei die wirkliche Qualität. Alles – auch das Essen – müsse in der Hauptsache rasch gehen.

So streifte Klink bei den Auszügen aus seinen Büchern das harte Winzerleben, zeigte auf, dass die „gute alte Zeit“ angesichts der vielen giftigen Spritzmittel doch nicht so gut war und machte sich Gedanken zu Weinbau und Landwirtschaft auf „unserem Erdenknödel“.

Seinen Werdegang und sein Leben prägte der strenge Vater, der als Übervater in der Lesung präsent war. Essen und trinken hatte in Klinks Familie einen hohen Stellenwert, so dass der „faule“ Sohn Vincent Koch werden musste, obwohl er viel lieber Künstler geworden wäre.

Derbe Sprache in feiner Küche

Klink nahm seine begeisterten Zuhörer auf einen Streifzug durch seine teilweise illustren Ausbildungsstationen mit, wobei er feststellte, dass einfache, bodenständige Gerichte auf Dauer besser schmecken als etwas „Hochgestochenes“. Er gab Einblicke in das Selbstverständnis der schwäbischen Kultur, in die politischen Machtverhältnisse in Bayern und die derbe Umgangssprache in den feinen Küchen. So lobte er die schwäbische Küche als eine der artenreichsten und vielfältigsten in Deutschland, karikierte jedoch mit der Schilderung seiner Urlaubsreise nach Südfrankreich gleichzeitig den schwäbischen Spleen, auf Urlaubsreisen in andere Gefilde stets eigene Lebensmittel dabei zu haben und sich so um den Genuss fremder Kochkünste zu bringen. Dazu passte auch die Episode mit den Köchen aus Afrika, die in München bei Max Billig bayerische Kost zubereiten lernen mussten, um die deutschen Gäste in den afrikanischen Ressorts mit vertrauten Speisen zu bekochen.

Zwischen den Lesungen zog Pianist Patrick Bebelaar seine Zuhörer mit Eigenkompositionen verschiedener Stilrichtungen aus Jazz, Blues und Bossa Nova in seinen Bann. Er erwies sich als wahrer Meister seines Fachs und verschmolz regelrecht mit dem Instrument. Klink lobte übrigens die Stadt Laichingen: „Wir sind schon in vielen Sälen gewesen, doch noch nie stand da ein Steinway-Flügel“.