Sensenblatt

Sense als Alternative zum Rasenmäher? Warum damit der Natur beholfen wird

Laichingen / Lesedauer: 3 min

Experte gibt Tipps und wirbt für das alte Handwerk
Veröffentlicht:16.06.2022, 11:00

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Die Sense als Alternative zum Rasenmäher. Was früher üblich war, kommt mittlerweile wieder in Mode. Leise, braucht keinen Treibstoff oder Strom und so kann der Rasen auch sonntags gemäht worden. Dass das Mähen durch die alte Handwerkstechnik sogar ökologisch wertvoll sein kann, weiß Heinz Wiedmann aus Wiesensteig.

Erfahrung seit drei Jahrzehnten

Wiedmann ist ausgebildeter Sensenlehrer des Sensenverein Österreich /Sensenverein Deutschland und kürzlich hat er im vollen Waldklassenzimmer bei einem BUND-Vortrag über das Thema gegeben. Er selbst mäht seit über 30 Jahren auf die altbewährte Art und Weise. Bis auf den letzten Platz besetzt war das Waldklassenzimmer beim Vortrag, mancher hatte sogar seine eigene Sense dabei und vor der Tür abgestellt. „Alte Hasen" saßen neben Interessierten, für die das klassische Sensen noch Neuland ist. Im Waldklassenzimmer verteilt waren zahlreiche Sensen und Arbeitsgeräte rund um das Sensen, von denen Heinz Wiedmann viele rumgehen ließ, damit sich alle auch haptisch ein Bild machen konnten.

Wiesen hätten eine einzigartige Bedeutung, so Wiedmann. Er verweist in diesem Zusammenhang auf den preisgekrönten Film von Jan Haft „Die Wiese – ein Paradies nebenan" und das „Jena-Experiment", das im weltweit größten Freiland-Experiment erforscht, wie eine Wiese beschaffen sein muss, damit sie ihre Leistung besonders gut entfalten kann.

Mähen mit der Sense ist umweltfreundlich

In Baden-Württemberg allein gebe es 67 000 Hektar Mähwiesen, die auf unterschiedliche Art und Weise gemäht würden, allerdings leider auch nur unterschiedlich gut. Das Sensen stelle dabei eine besonders umweltfreundliche Methode dar, nach der sich eine Wiese besonders schnell erhole, außerdem sei sie leise sei und störe deswegen niemanden.

Das Handwerk hat seine Feinheiten

„Jeder Ort hat seinen Worb ", berichtet Wiedmann und meint damit Orte in Österreich, die alle einen unterschiedlichen Sensenstiel beziehungsweise Sensenworb aufweisen. Während heute viele Sensen auf Metallworben befestigt werden, ist der Sensenworb traditionell aus Holz, unterschiedlich einstellbar und erlaubt eine ergonomisch aufrechte Mähhaltung. Die Größe des Worbs muss an die jeweilige Körpergröße angepasst sein. Am Worb befestigt wird das eigentliche Herzstück einer Sense, das Sensenblatt. Ob ein Schnitt gelingt, hängt in allererster Linie vom Sensenblatt ab. Zunächst mal muss es abgestimmt sein auf den zu schneidenden Bewuchs. Generell gilt: Je gröber gemäht wird, desto kürzer ist das Sensenblatt. Eine Buschsense zum Beispiel könne alles „weghauen", was andere Sensen nicht schafften.

Zwischen Schmieden und Dengeln

Welche Kunst schließlich das Schmieden von Sensenblättern darstellt, wurde anhand von Filmaufnahmen gezeigt. Aus einem rechteckigem Stück Metall wird in der Hammerschmiede in zahlreichen Arbeitsschritten ein Sensenblatt gefertigt. Wiedmann wies in diesem Zusammenhang auf die große Bedeutung handgeschmiedeter Sensen hin.

Erfahrung ist alles

Damit eine Sense einsatzfähig ist, muss sie immer wieder gedengelt werden. Dabei wird das Sensenblatt durch gezielte Schläge mit dem Dengelhammer in einem schmalen Streifen entlang der Schneidkante, dem Dengel, ausgezogen und verdünnt und somit geschärft. Dies kann entweder auf einem flachen Dengelamboss erfolgen, auf dem man mit der spitzen Seite des Dengelhammers dengelt oder mit einem Spitzamboss, auf dem die Schneidkante mit der flachen Seite des Dengelhammers bearbeitet wird. Für den Laien am interessantesten erscheint der sogenannte Schlagdengler, bei dem man mit dem Hammer nicht die Schneidkante selbst bearbeitet, sondern diese zwischen einen Metallteller und einer auf einem Stift gestülpten, konisch geformten, Metallhülse legt, auf die man mit dem Hammer schlägt. Dadurch wird das Sensenblatt automatisch im richtigen Abstand gedengelt.

Mit dem Dengeln allein ist es allerdings nicht getan, denn zum Ausbessern von Unebenheiten am Sensenblatt, die das Sensen mit sich bringt, muss die Sense immer wieder gewetzt werden. Auch dies müsse fachmännisch erfolgen, im richtigen Winkel und mit einem Wetzstein aus Naturstein. „Sonst ist der Dengel weg!", so Heinz Wiedmann.