Verbandsliga

SSV Ehingen-Süd: Keine Punkte nach Rassismus-Urteil

Kirchbierlingen / Lesedauer: 4 min

Fußball, Verbandsliga: Nach Spielabbruch gegen Dorfmerkingen doch keine Punkte für den SSV Ehingen-Süd
Veröffentlicht:09.12.2022, 13:15
Aktualisiert:09.12.2022, 14:53

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Eine Nacht lang konnte man sich beim SSV Ehingen-Süd scheinbar über drei zusätzliche Punkte auf der Habenseite in der Verbandsliga freuen. Das offizielle Amateur-Ergebnis-Portal des DFB wertete am Donnerstagabend das abgebrochene Spiel vom 29. Oktober gegen die Sportfreunde Dorfmerkingen zunächst mit 3:0 für den SSV Ehingen-Süd. Die Ernüchterung folgte tags darauf und sorgte bei den Verantwortlichen des Verbandsligisten für Verwunderung. „Das o.g. Spiel ist dem Verein SSV Ehingen-Süd mit 0:3 Toren als verloren zu werten“, ist im offiziellen Urteil des Württembergischen Fußballverband e.V., das der Schwäbischen Zeitung vorliegt, zu lesen.

Zudem wurde dem Verein wegen des Vergehens „Diskriminierung durch Trainer, Offizielle oder Anhänger“ eine Geldstrafe in Höhe von 300 Euro verhängt sowie unter Vereinshaftung eine zusätzliche Geldstrafe in Höhe von 350 Euro (Verschulden eines Spielabbruchs). Auch für die Sportfreunde Dorfmerkingen wurde das Spiel mit 0:3 Toren als verloren gewertet und zudem eine Geldstrafe in Höhe von 30 Euro (Verschulden eines Spielabbruchs) verhängt.

SSV Ehingen-Süd behält sich Einspruch vor

„Verwirrt“ zeigte sich SSV-Trainer Michael Bochtler am Freitag über die Kehrtwende bezüglich der Spielwertung und verwies darauf, dass man sich vereinsintern erst einmal über das weitere Vorgehen besprechen müsse. Helmut Schleker , Fußball-Vorsitzender des SSV, kommentierte ergänzend: „Wir werden uns noch mit unserem Rechtsbeistand zusammensetzen, aber dann sicherlich Einspruch gegen das Urteil einlegen.“ Für den Klub-Boss war die Frage spannend, „ob wir wegen Rassismus angeklagt werden“, denn über die Art der Beleidigung, die seinerzeit zu dem Spielabbruch führte, herrschen laut Schleker immer noch unterschiedliche Auffassungen. Auch in Sachen Spielwertung hatte der Vereinsvorsitzende eine andere Entscheidung erwartet: „Ich hatte mit einer Wertung von 3:0 für uns gerechnet oder dass man das Spiel halt nochmals neu ansetzt.“

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Ein Zuschauer wird ausfällig – aber wehrt sich nun gegen einen Vorwurf

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Im Urteil des WFV heißt es zu dem Vorfall: „Als der Spieler Camara in Ballbesitz gelangte, wurde von dem Zuschauer - einem Anhänger und Vereinsmitglied des SSV Ehingen-Süd - an der Torlinie stehend in Richtung des Spielers Camara - einem Spieler mit Migrationshintergrund - „Du schwarzer Drecksack“ gerufen.“ Daraufhin schlug der Gäste-Spieler den Ball ins Seitenaus und „reagierte höchst emotional“, gemäß dem weiteren Wortlaut des Urteils. Aufgrund des unerlaubten Verlassens des Spielfeldes wurde der zuvor bereits gelb verwarnte Spieler mit der Gelb-Roten-Karte des Feldes verwiesen. „Sodann kam es von Seiten der Mannschaftsverantwortlichen der SF Dorfmerkingen zu Rückfragen beim Schiedsrichter hinsichtlich des Feldverweises und der Wahrnehmung der Zuschaueräußerung. Nach Bestätigung des Wortlautes der Zuschaueräußerung durch den Schiedsrichter, teilten diese mit, dass sie so nicht weiterspielen wollen und können. Sie seien aufgrund der Diskriminierung emotional nicht in der Lage, das Spiel fortzusetzen. Nach Ansicht des Schiedsrichters lag jedoch kein Grund für einen Spielabbruch vor. Aus seiner Sicht war die diskriminierende Äußerung kein dahingehendes Zuschauerverhalten, weshalb das Spiel abzubrechen ist“, heißt es in dem Schreiben des WFV weiter. Der grundsätzliche Ablauf wurde sowohl von Schiedsrichter wie auch den Mannschaftsverantwortlichen der SF Dorfmerkingen sowie „in Teilen von Mannschaftsverantwortlichen des SSV Ehingen-Süd“ so dargestellt.

„Kein eigenes Verschulden“

Das Sportgericht kam seinerseits zu der Überzeugung, dass der Sachverhalt anhand der vorliegenden Beweislage feststeht: „Soweit es um die Feststellung des konkret geäußerten Wortlauts geht, welcher so von Seiten des SSV Ehingen-Süd in der Form bestritten wird, dass das Adjektiv „schwarzer“ nicht getätigt worden sei, steht es zur Überzeugung des Gerichts angesichts der glaubhaften Aussage des Schiedsrichters ... fest“.

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Obwohl in dem Urteil weiter zu lesen ist, dass „dem Verein zwar kein eigenes Verschulden hinsichtlich des Spielabbruchs nachgewiesen werden kann“, begründet der WFV anschließend auf insgesamt fünf DinA4-Seiten, dass „gem. §28 Nr. 2 RVO ein Verein verschuldensunabhängig für eine schuldhafte unsportliche Handlung der Mitglieder und Anhänger verantwortlich sei soweit es um die Spielwertung geht.“

Wie es zu den Irritationen um die zunächst falsch publik gemachte Wertung des Spiels kommen konnte, konnte WFV-Pressesprecher Heiner Baumeister auf Nachfrage „nicht nachvollziehen“, dafür hatte Süd-Vorsitzender Helmut Schleker diesbezüglich abschließend eine Antwort parat: „Das passt zum WFV“.