Heroldstatt

Spannend: Helden kämpfen gegen Drachen

Heroldstatt / Lesedauer: 2 min

Märchenerzählerin Dorothea Reutter hat im Kinderhaus Heroldstatt begeistert
Veröffentlicht:15.02.2011, 11:40
Aktualisiert:25.10.2019, 20:00

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Stille. Mehr als 60 Kinder zwischen vier und acht Jahren sitzen im Raum und man könnte eine Nadel fallen hören. Der Grund ist eine einzige, gekonnt geführte Stimme, die der Märchenerzählerin Dorothea Reutter gehört: Eine Premiere für die Kinder im neu gebauten Heroldstatter Kinderhaus.

„Achtzehn rot glühende Augenpaare blickten in den Raum. Aus seinem Versteck erkannte ‚Morgendämmerung’ den grässlich hässlichen Schuppenpanzer, der den grauenvollen, achtzehnköpfigen Drachen bedeckte“, erzählt Dorothea Reutter und die Kinder staunen. Es herrscht Spannung bis zum letzten Satz, denn Dorothea Reutter ist nicht irgendeine Märchenerzählerin: Die Sozialpädagogin hat eigens eine Schauspiel-Ausbildung absolviert, um ihre Zuhörer zu faszinieren. Die fremdländischen Märchen aus ihrem Repertoire haben sogar schon Erwachsene in ihren Bann gezogen – zum Beispiel in der Heroldstatter Gemeindebücherei.

Dieses Mal waren Kinderhaus-Kinder von vier bis acht Jahren eingeladen. Reutter beschränkte sich auf eine einzige fesselnde Geschichte und hielt damit eine Dreiviertelstunde das Kinderhaus in Atem. Gespannt verfolgten selbst die Kleinsten die Geschichte von drei Königssöhnen, die nach der Tageszeit ihrer Geburt benannt waren: Abend, Mitternacht und Morgendämmerung. Alle drei zogen aus, um drei Prinzessinnen zu retten, die von drei Drachen bewacht wurden – einer schrecklicher als der andere.

Dorothea Reutter hat eine unglaubliche Präsenz, spricht meistens mit gedämpfter Stimme, um bei den Höhepunkten plötzlich lauter zu werden. Beutungsvolle Pausen geben ihren Geschichten einen besonderen Ausdruck.

Die Märchenerzählerin begleitet die Geschehnisse in ihren Geschichten mit einer ausgefeilten Körpersprache. Flugs schlüpft sie in die Rolle des Prinzen und zieht ihr Schwert. Auch als hutzeliges Männchen ist sie durchaus glaubwürdig. Als Vater der Königssöhne ist sie streng und mächtig, als Prinzessin ist sie sanft und anmutig. Sie lässt Augen und Hände sprechen, was ihr auch deshalb so gut gelingt, weil sie alle Geschichten auswendig gelernt hat, um sich ganz auf den Vortrag konzentrieren zu können. Dadurch kann sie die Märchen lebendig erzählen, inhaltlich variieren und perfekt auf ihr Publikum abstimmen.