Vororttermin

Nachbarn trauern der schönen Aussicht nach

Heroldstatt / Lesedauer: 4 min

Heroldstatter Gemeinderäte schauen sich Wohnheime für Flüchtlinge in der Ortsmitte an
Veröffentlicht:28.06.2016, 20:41
Aktualisiert:23.10.2019, 14:00

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Bei ihrem Vororttermin bei den beiden Wohnheimen für Flüchtlinge in der Heroldstatter Ortsmitte Am Berg haben die Gemeinderäte auch kritische Worte hören müssen. Denn drei Bürger waren bei der Baustellenbesichtigung dabei, die vor allem die weggefallene „wunderschöne Aussicht“ vom ASB-Pflegeheim aus in Richtung Ennabeuren und die Cosmas- und Damian-Kirche bedauerten.

„Die herrliche Aussicht auf Ennabeuren ist weg. Die Bewohner des Pflegeheims haben den Blick auf Ennabeuern im Wandel der Jahreszeiten genossen. Sie sind jetzt enttäuscht“, erklärte Hans Bührle, der sich zu Wort melden durfte. Die Gemeinderäte sollten sich doch in die Lage der Bewohner im Pflegeheim versetzten, die von dem freien Blick Richtung Westen lebten. Er habe sich im Interesse der Heimbewohner einen anderen Standort bei so viel möglicher Freifläche gewünscht. An der schönsten Lage Heroldstatts seien die beiden Wohnheime entstanden.

Auch Pflegedienstleiterin Margot Schiller bedauerte am Rande der Sitzung den Wegfall der herrlichen Aussicht aufgrund der beiden „doch recht hohen Wohnhäuser“, die genau gegenüber des ASB-Pflegeheims entstanden sind. Den Heimbewohnern fehle der Blick ins Freie nach Ennabeuren und würden diesem nachtrauern.

Die Gemeinderäte konnten den „schmerzlichen Wegfall der Freisicht“ durchaus nach- vollziehen, verwiesen aber darauf, dass das westlich des Pflegeheims gelegene Gelände schon immer als Baugebiet ausgewiesen war. „Seit der Erschließung des Areals war klar, dass hier mal gebaut wird“, erwiderte Kämmerer Werner Zimmermann . Man habe immer mit einer Bebauung rechnen müssen, zunächst durch die Baugenossenschaft Münsingen. Das Baurecht erlaube eindeutig die Bauten.

„Ein neues Haus stört immer, vor allem wenn man die freie Sicht genossen hat und diese dann plötzlich weg ist“, meinte Hans Barth und traf die Ansicht mehrerer Räte. „Es war schon immer klar, dass hier mal ein Haus hinkommt“, sagte auch Frieder Anhorn. Rudolf Weberruß verwies darauf, dass man die Gebäude bewusst tiefer gesetzt habe.

Er erinnerte zudem daran, dass es nicht leicht gewesen sei, den geeigneten Standort zu finden. Mehrere Alternativen seien zur Debatte gestanden. Man habe abwägen müssen und sei letztendlich auf den zentralen Standort in der Ortsmitte Am Berg gestoßen. Die Standortsuche sei nicht einfach gewesen, bestätigte auch Werner Zimmermann. Die künftigen Bewohnern des Pflegeheims würden mit den zwei Häusern neue Gegebenheiten vorfinden und sich an diese schnell gewöhnen, so der allgemeine Tenor im Rat.

Leonardo Sanches vom Architekturbüro Ankner-Buchholz aus Ulm führte die Heroldstatter Gemeinderäte durch die beiden Häuser und erläuterte den Bau. Jedes Haus hat, wie bereits berichtet, eine Wohnfläche von rund 200 Quadratmeter und bietet rund 20 Flüchtlingen in der Anschlussunterbringung in vier Wohnungen Platz. Mit den Neubauten kann die Gemeinde Heroldstatt rund 40 Menschen in Not aufnehmen. Die Kosten für die zwei Häuser liegen bei 700 000 Euro. Die beiden Häuser werden in schlüsselfertiger Massivbauweise in Stahlbeton erstellt und sollen später mal als Sozialwohnungen dienen.

Die Ratsmitglieder machten sich noch Gedanken zur Gestaltung der Außenanlagen um die beiden Wohnheime. Sie legten fest, dass auf der Westseite aus Sicherheitsgründen aufgrund der steilen Böschung zur L230 ein 1,5 Meter hoher Maschenzaun angebracht wird. Auf der Nordseite soll eine Betonwand entstehen und entlang der Straße sollen Quadersteine gesetzt werden. Die Arbeiten werden lokal ausgeschrieben.

Wie nun bei der Sitzung am Montagabend zu erfahren war, sollen die beiden Wohnheime Ende August fertiggestellt sein, so dass Flüchtlinge in der Anschlussunterbringung dort im September einziehen können. Aus welchen Ländern die Asylbewerber stammen, die nach Heroldstatt kommen werden, das entscheide das Landratsamt, informierte Rudolf Weberruß.

Vielleicht bekommen dann mit dem Einzug von Familien die Heimbewohner mehr Abwechslung vor ihren Fenstern und sie werden für den entgangenen Blick ins Grüne entschädigt. Vielleicht bringen spielende Kinder Freude in ihre Herzen. Das wäre zu wünschen.