Insolvenz

Koch Engineering GmbH steht vor dem Aus

Heroldstatt / Lesedauer: 5 min

Geschäftsführer Patrick Koch hat für Heroldstatter Unternehmen Insolvenz angemeldet
Veröffentlicht:30.03.2016, 19:09
Aktualisiert:23.10.2019, 17:00

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„Ich habe geschafft, geschuftet und geackert was ging. Jetzt stehe ich vor dem Aus .“ Dies sagt Patrick Koch, Geschäftsführer der Koch Engineering GmbH in Heroldstatt . „Das ist sehr schade und stimmt mich sehr traurig“, ergänzt Koch den Tränen nahe. Am 10. März hat er für sein Unternehmen beim Amtsgericht Ulm Insolvenz anmelden müssen. Die Zukunft seiner Firma in der Benzstraße 1 im Sontheimer Gewerbegebiet „Auf dem Wörth“ sei offen. Das hänge von den Insolvenzverwaltern und vom Ausgang des Insolvenzverfahrens ab.

Seit fast 20 Jahren gibt es die Koch Engineering GmbH, die in Römerstein-Zainingen klein angefangen und seit Oktober 2014 in Heroldstatt ihr Büro und ihr Entwicklungszentrum hat. „20Jahre habe ich mein Ingenieurbüro aufgebaut. 19 Jahre ist es super gelaufen. Doch jetzt erlebe ich die bittersten Tage in meiner Berufslaufbahn“, sagt Patrick Koch. 108 Mitarbeiter – vor allem Ingenieure – zählte seine Firma 2015, derzeit sind es noch 40.

„Übles Spiel gespielt“

Mehrere Gründe nennt Patrick Koch für das eingeleitete Insolvenzverfahren und spricht von einem „üblen Spiel“, das mit ihm gespielt worden sei. Schuld für die derzeitige schlimme Situation gibt er vor allem dem Daimler-Konzern und der Volksbank Münsingen. Daimler in Stuttgart habe ihm rund 400 000 Euro nicht bezahlt für „angeblich nicht erbrachte Leistungen“, obwohl sein Unternehmen diese zeitgerecht und in vollem Umfang erbracht habe. Der Konzern habe die Leistungen schlicht nicht anerkannt. Dann habe Daimler einen Großauftrag trotz Zusagen zurückgezogen, ein Entwicklungsprojekt für Radartechnik und autonomes Fahren. „Wir waren bereits in den Startlöchern“, sagt der 48-Jährige. Der Auftrag hätte Arbeit bis 2018 bedeutet.

Denn erhebt er Vorwürfe gegen die Volksbank Münsingen , die ihm keinen Überbrückungskredit einräumte, als im Frühjahr Steuernachzahlungen fällig wurden. Und dies, obwohl er der Volksbank seit 2012 mehr als eine Million Euro am Krediten zurückbezahlt habe. „Sie unterstützte mich nicht mehr, sie ließ mich schlicht fallen“, klagt Koch und spricht von einer überschaubaren Summe, die notwendig war.

Kein Verständnis für die aktuall schwere Lage

Er habe diese Entscheidung trotz all der Bankenvorschriften nicht nachvollziehen können. Bittgesuche seien unerhört geblieben, der neue Vorstand habe keinerlei Verständnis für die aktuelle schwierige Situation gezeigt. Koch spricht von einem „Aussitzen der Volksbank Münsingen“, die nicht zu einer guten Lösung beitragen habe wollen. Das habe ihn schwer enttäuscht.

Das vergangene Jahr sei noch sehr gut angelaufen, doch dann sei hinzugekommen, dass andere Unternehmen und Ingenieurbüros von ihm gute Fachleute abgeworben hätten. Koch nennt als Beispiel abermals Daimler und die Bertrandt AG in Ehingen bei Böblingen.

Die derzeit noch 40 Mitarbeiter seien „natürlich verunsichert“ und würden „um ihre berufliche Zukunft bangen“. Die Beschäftigten würden alle noch ihren Lohn erhalten und treu und fleißig ihre Aufgaben und Aufträge abarbeiten. „Meine Mitarbeiter mit ihrem Fachwissen waren und sind mein Kapital“, weiß der Geschäftsführer zu schätzen. Er selbst habe vier Monate auf seinen Lohn verzichtet.

Vier Millionen für das Gebäude

Doch es ging nicht mehr. Angesichts aller Umstände habe er am 10. März einen Insolvenzantrag beim Amtsgericht stellen müssen. Das Insolvenzverfahren gehe bis Ende Mai. Dann entscheide sich die Zukunft der Firma Koch Engineering GmbH.

Investiert und gebaut habe er in Heroldstatt vor drei Jahren in der Erwartung von weiteren Großaufträgen von Daimler und anderer Autokonzerne, mit denen er über Jahre in seinem Entwicklungsbüro in Zainingen zusammengearbeitet habe. Das sei leider nicht ganz so eingetroffen. Das sei eben auch „unternehmerisches Risiko“.

Dass er seine Koch Engineering GmbH in Heroldstatt irgendwie noch halten kann, bezweifelt Patrick Koch. Doch aufgeben will er trotz aller Enttäuschungen nicht. Da habe er zu viel Verantwortung für seine Familie und seine treuen Mitarbeiter. Er denkt an einen Neuanfang mit seiner verbliebenen kleinen Mannschaft. „Ich habe schon mal klein angefangen. Wieso nicht ein zweites Mal?“, sagt der Familienvater zweier Kinder.

Spatenstich war 2014

Es war Freitag, 24. Oktober 2014, als die Firma Koch Engineering GmbH offiziell in Heroldstatt im Gewerbegebiet „Auf dem Wörth “ loslegte. Das von Patrick Koch 1995 gegründete Unternehmen lud damals zu einem Tag der offenen Tür in sein neues Betriebsgebäude ein.

Der Spatenstich für das neue Entwicklungszentrum in der Benzstraße 1 erfolgte im Sommer 2013. Der Heroldstatter Gemeinderat hatte das große Bauvorhaben im Frühjahr 2013 einstimmig genehmigt und nachhaltig begrüßt. Im Jahr 2004 hatte Koch sein Unternehmen in eine GmbH umgewandelt, so dass bei der Einweihungsfeier auch das zehnjährige Bestehen als GmbH gefeiert werden konnte.

Rund vier Millionen Euro investierte Koch in das neue, dreigeschossige Kompetenzzentrum, für das er von der Gemeinde Heroldstatt eine Fläche von insgesamt 7500 Quadratmetern erwerben konnte. Noch während der Bauphase war ein Erweiterungsbau in nördlicher Richtung für Messtechnik hinzugekommen. Hinzu kamen zwei Millionen Euro, die er in Mitarbeiter investierte.

Das Unternehmen entwickelt Soft- und Hardware für die Automobilindustrie und bietet Qualitätsmanagement und -sicherung sowie Gesamtfahrzeugerprobung an. Es arbeitet eng mit Automobilkonzernen zusammen, vor allem die Autokonzerne Daimler, Porsche und BMW. Das Unternehmern beschäftigt vor allem hochqualifizierte Fachkräfte aus den Bereichen Elektronik, Elektrotechnik, Nachrichtentechnik, Maschinenbau, Automatisierungstechnik, Informatik und Physik. (hjs)