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Hausen am Bussen

Räte aus Hausen am Bussen und Unterwachingen im Europaparlament

Hausen am Bussen / Lesedauer: 5 min

Bei einer zweitägigen politischen Bildungsreise nach Straßburg haben die Gemeinderäte aus Hausen am Bussen und Unterwachingen eine Stunde mit dem für den Wahlkreis Württemberg-Hohenzollern zuständigen Europaabgeordneten Norbert Lins (CDU/EVP) aus Weingarten gesprochen und im Plenarsaal einer Sitzung beigewohnt. Die gut 30 Reisenden erlebten eine Rede des bulgarischen Ministerpräsidenten Nikolaj Denkow und den Beginn der Abstimmungen.
Veröffentlicht:30.11.2023, 19:13

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Bei einer zweitägigen politischen Bildungsreise nach Straßburg haben die Gemeinderäte aus Hausen am Bussen und Unterwachingen eine Stunde mit dem für den Wahlkreis Württemberg-Hohenzollern zuständigen Europaabgeordneten Norbert Lins (CDU/EVP) aus Weingarten gesprochen und im Plenarsaal einer Sitzung beigewohnt. Die gut 30 Reisenden erlebten eine Rede des bulgarischen Ministerpräsidenten Nikolaj Denkow und den Beginn der Abstimmungen.

Bürgermeister Hans Rieger war froh, dass die bereits vor der Pandemie bei einem Besuch von Lins in seinen Gemeinden ins Auge gefasste Reise nun Realität wurde. Nach der Fahrt über den Schwarzwald zeigte sich Straßburg am ersten Reisetag trübe, punktete aber mit milden Temperaturen. Die gebuchte Schifffahrt auf der Ill wurde aufgrund Hochwassers abgesagt. Entschädigt wurde die Gruppe durch eine Stadtführung zu Fuß. Stadtführerin Irina Bell begrüßte die Teilnehmer auf dem Platz vor dem Münster und brachte sie an einige der schönsten Stellen von Straßburg.

Bell ging auch auf die bewegte Geschichte der Stadt ein. Das Straßburger Münster mit seiner berühmten Westfassade trägt den offiziellen Namen „Cathédrale Notre-Dame de Strasbourg“. Das römisch-katholische Gotteshaus gilt als eines der größten Sandsteingebäude der Welt. Es wurde zwischen 1176 und 1439 aus rosa Vogesensandstein an der Stelle eines abgebrannten Vorgängerbaus aus den Jahren 1015 bis 1028 errichtet, im romanischen Stil begonnen und im gotischen Stil fertiggestellt. Mit seinem 142 Meter hohen Nordturm war das Münster lange das höchste Bauwerk der Menschheit. Der Südturm wurde nie gebaut, die asymmetrische Form wurde zum Wahrzeichen des Elsass.

Beim Durchstreifen der teils engen Gassen der von den beiden Armen der Ill umrandeten Altstadt fielen Fachwerkhäuser auf, deren tragende Balken sich im Laufe der Jahrhunderte kräftig durchgebogen haben. Da wenige Tage später der Weihnachtsmarkt eröffnet wurde, brachte ein Handwerker in kurzer Hose Weihnachtsdekoration an. Der 30 Meter hohe Christbaum aus den Vogesen stand schon. Überhaupt lag der Zauber der Weihnachtszeit über der Stadt. Fenster und Fassaden zeigten sich weihnachtlich geschmückt, oft mit Plüschbären. Da fiel es leicht, wie ein Kind an Märchen zu glauben. Der Storch war vor vielen Geschäften als Mitbringsel präsent. Er gilt den Einheimischen als Symbol für ein glückliches und zufriedenes Leben.

Dabei war Straßburg mit atemberaubenden Giebeln, liebevollen Fensterläden und dem üppigen Blumenschmuck zwischen Deutschland und Frankreich über die Jahrhunderte hinweg umkämpft. Unter Kaiser Karl IV (1316-1378) erhielt Straßburg den Titel „Freie Reichsstadt“. Streitigkeiten zwischen Handwerkern und Adligen, die Pest, das Massaker an der jüdischen Gemeinde, all das hat sich in die Geschichte der Stadt eingekerbt. Die bis dahin deutsche Stadt musste 1681 eine Kapitulation unterzeichnen, durch die sie den König von Frankreich als ihren souveränen Herrscher anerkennt.

Wie Oberdischingen und Obermarchtal war 1770 auch Straßburg ein Ort, durch den Marie Antoinette auf ihrer Brautfahrt von Wien nach Versailles durchzog. Die Niederlage des französischen Kaiserreichs gegen das Deutsche Kaiserreich brachte 1871 Straßburg durch den „Frieden von Frankfurt“ als Hauptstadt des Reichslandes Elsass-Lothringen zurück ins Deutsche Reich. In der Architektur sind deutsche und französische Spuren erkennbar. 1920 bis 1940 kehrte Straßburg infolge des Ersten Weltkriegs nach Frankreich zurück. 1940 bis 1944 unterlag die Stadt einer faktischen Annektierung durch deutsche Truppen. Seit seinem fünften Wechsel nach dem Zweiten Weltkrieg gehört Straßburg zu Frankreich und avancierte zur „Hauptstadt Europas“.

Die Bedeutung der Stadt wird heute nicht zuletzt durch den Sitz des Europaparlaments am Ufer der Ill untermauert, das am sonnigen zweiten Reisetag Hauptziel war. Nach dem Gruppenfoto mit Lins stand der Europaabgeordnete und Vorsitzende des Ausschusses für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung der Reisegruppe in einem Besucherzimmer eine Stunde Rede und Antwort. Er berichtete von seiner Tätigkeit in Straßburg und Brüssel und erklärte, dass das Parlament seit dem Brexit über 705 Abgeordnete aus 27 Mitgliedsstaaten der EU verfügt. Es ist zudem das einzige Gremium auf europäischer Ebene, das von den Bürgern gewählt wird. „Im Europäischen Parlament fehlt der typische Gegensatz zwischen Regierungs- und Oppositionsfraktionen, weshalb es keinen Fraktionszwang gibt. Ohne Fraktionsdisziplin können freilich nur schwerlich Entscheidungen getroffen werden“, so Lins. Er erklärte, dass das Plenum in Straßburg tagt, die Ausschüsse und Fraktionen in Brüssel.

Vorbei am Studio von EuroparlTV, Fernsehsender des Europaparlaments, wurde die Reisegruppe von Sebastian Jehle, dem Assistenten von Norbert Lins, in den Plenarsaal geführt, wo man per Kopfhörer in allen 24 Amtssprachen der EU den Wortbeiträgen folgen konnte. Präsidentin Roberta Metsola aus Malta (EVP) achtete auf die Redezeit jedes Abgeordneten, die auf 60, 90 oder 120 Sekunden begrenzt war und an großen Monitoren angezeigt wurde. Ministerpräsident Nikolaj Denkow aus Bulgarien erhielt fünf Minuten, ging es doch um die Einführung des Euro in den EU-Mitgliedsstaaten Bulgarien und Rumänien.

Bei den Abstimmungen per Knopfdruck waren fast alle Abgeordneten anwesend, auch Lins nahm seinen Platz ein. Nach wenigen Sekunden war jede Abstimmung beendet, das Ergebnis wurde am Monitor angezeigt. Abgestimmt wurde unter anderem über den Vorschlag der EU-Kommission, den Einsatz von Pestiziden bis 2023 um die Hälfte zu senken. Lins setzte sich mit seiner Ablehnung durch. Der Reisegruppe sagte er, man müsse bei Entscheidungen auch die Landwirte mitnehmen. Der Vorschlag, dass weniger Verpackungen auf dem Müll landen sollen, wurde angenommen.

Auf dem Heimweg kehrte die Gruppe zu einer Weinprobe mit Winzervesper ein. Bei allen Teilnehmern kam der Besuch in Straßburg sehr gut an und wird in bester Erinnerung bleiben.