Kunststoff

Zwei Seiten, eine Mission

Ehingen / Lesedauer: 3 min

Grünen-Politikerin Weinreich besucht Kupil – Beide Seiten nutzen die Gelegenheit, um Vorurteile auszuräumen
Veröffentlicht:27.06.2013, 21:00
Aktualisiert:24.10.2019, 23:00

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Es war für beide eine seltene Situation. Für den Unternehmer und Geschäftsführer der Kupil Fenster und Türen GmbH, Christoph Hilker, und für Annette Weinreich , Bundestagsabgeordnete der Grünen. Für Kupil, weil es der erste grüne Besuch überhaupt in seiner Firma war. Und für Annette Weinrich, weil sie als Grüne im ländlichen CDU-Gebiet unterwegs ist. Man merkt: Es ist Wahlkampfzeit.

Aber der war nicht der einzige Grund, warum Annette Weinreich gestern Kupil besuchte. Beide Seiten hatten eine Mission. Sie wollen Vorurteile ausräumen.

Da ist, auf der gastgebenden Seite, das mittelständische, familiengeführte Unternehmen, das von den Brüdern Christoph und Philip Hilker geführt wird. „Wir stellen etwa 120 bis 130 Fenster pro Tag her“, erklärt Christoph Hilker. Das Unternehmen hat aktuell 85 Mitarbeiter, Tendenz steigend. „Unserem Unternehmen geht es sehr gut“, so Christoph Hilker. Der Anteil an Kunststofffenstern am Markt wachse konstant.

Auf der anderen Seite Annette Weinreich. Freiberufliche Architektin, von 1993 bis 1996 Betreiberin der ersten Ulmer Techno-Disko HIT. Ihre Schwerpunktthemen sind die Baupolitik, Entwicklung des ländlichen Raums und natürlich Umweltschutz. Ihre erste Amtshandlung bei Kupil: Eine Steckdose suchen, um ihr elektrisches Wahlkampfmobil (einen Peugeot) aufzuladen.

„Gerade weil hier schwarzes Gebiet ist, will ich Präsenz zeigen und mit den Unternehmern reden“, sagt Annette Weinreich. Sie will den mittelständischen Unternehmern zeigen, dass man „grün wählen kann, ohne seinem Geschäft zu schaden“. Christoph Hilker dagegen wollte den Grünen zeigen, dass Kunststoff-Fenster umweltfreundlich sind. „Ich weiß, dass Kunststoff-Fenster nicht nur Freunde haben.“

Eine Zeit der Überraschungen

Doch bevor es zum Showdown kam, führte Hilker durch seinen Betrieb. Er erklärte die erst zwei Jahre alte Produktionsstraße, die die Abläufe verbessert habe. „Jetzt ist alles im Fluss.“ Er zeigt zweifach und dreifach verglaste Fenster – „ein Quadratmeter dreifachverglastes Fenster wiegt 30 Kilo“ – und führt vor, was eine Hochzeit ist – „die Verschmelzung von Profil und Fensterscheibe“. Dann, im Kellergeschoss des Betriebs, erläutert Hilker mithilfe eines Films, warum seine Fenster nachhaltig sind. Die Firma VEKA, von der Kupil seine Profile kauft, recycelt an drei Standorten Kunststoff-Fenster zu Granulat. Das Granulat wird dann wiederum für die Herstellung von Kunststoff-Fenstern eingesetzt. „Ein guter Ökonom will immer nachhaltig arbeiten und denkt deswegen auch an den Umweltschutz“, so Hilker. Die Lebensdauer sei länger als bei Holzfenstern und der Anteil von recyceltem Kunststoff in den Profilen steige. Gerade betrage der etwa zehn Prozent. „Dieser Anteil muss unbedingt höher werden“, sagt Weinreich bestimmt.

Und so entwickelte sich im Kellergeschoss des Unternehmens doch noch eine politische Diskussion, unter anderem um Klimaschutz, Subventionen und soziale Gerechtigkeit. Beide Seiten hörten zu, tauschten sich aus und gingen am Ende Bio-Kaffee trinken. Man merkt eben: Es ist Wahlkampfzeit.