StartseiteRegionalRegion Ulm/Alb-DonauEhingenWer sich eine Wärmepumpe anschaffen sollte - und wer besser nicht

Welche Heizung ist am besten?

Wer sich eine Wärmepumpe anschaffen sollte - und wer besser nicht

Ehingen / Lesedauer: 6 min

Gas- und Ölheizungen haben wohl keine Zukunft mehr. Aber ist die Wärmepumpe wirklich alternativlos? Lokale Heizungsinstallateure haben dazu klare Meinungen - und Tipps.
Veröffentlicht:16.03.2023, 05:00

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Gehören Heizsysteme mit fossilen Brennstoffen bald der Geschichte an? Ab dem 1. Januar des Jahres 2025 sollen neu eingebaute Heizungen in Deutschland zu 65 Prozent mit erneuerbaren Energien betrieben werden.

Vor allem Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) spielt jedoch mit dem Gedanken, diese Maßnahme um ein Jahr vorzuziehen. Damit könnte der Einbau von neuen Öl– und Gasheizungen bereits ab 2024 de facto verboten sein. Das sagen Ehingens Heizungsbauer zu der Diskussion.

Obwohl noch nichts beschlossen ist, sei schon allein wegen der Diskussion die Verunsicherung in der Bevölkerung zu spüren. „Da haben sie uns Heizungsbauern einen riesigen Gefallen getan“, sagt Marc Gröber ironisch.

Keine Zwangsdemontage von Öl- und Gasheizungen

Als Geschäftsführer von Gröber Heizung + Sanitär telefoniere er mittlerweile jeden Tag mit Menschen, die nicht wüssten, ob sie ihre Heizung noch behalten könnten oder nicht. Dabei würde das Verbot von Öl– und Gasheizungen, falls es kommt, nur den Neueinbau dieser Systeme betreffen.

Bei Neubauten macht die Wärmepumpe schon Sinn, da müssen wir gar nicht weiter darüber diskutieren-

Jürgen Zeller

Seine alte Heizung austauschen muss nur, wer diese bereits seit 30 Jahren betreibt. Die prädestinierte Alternative zu den fossilen Brennstoffen ist, schon allein wegen der Fördersumme, die Wärmepumpe.

„Bei Neubauten macht die Wärmepumpe schon Sinn, da müssen wir gar nicht weiter darüber diskutieren“, sagt Jürgen Zeller, Geschäftsführer der Ehinger Heizungsbau– und Sanitärfirma Zeller.

Dass der Schritt, zumindest in Teilen auch notwendig ist, betont Roland Mäckle, Geschäftsführer der Regionalen Energieagentur Ulm, die einmal im Monat auch eine kostenlose und unabhängige Beratungsstunde im Ehinger Rathaus anbietet: „Das Klimaschutzgesetz schreibt vor, dass Deutschland bis 2045 klimaneutral werden soll. Dann muss man sich überlegen, wie viel Zeit da noch bleibt.“

Effizienz der Wärmepumpe von Gebäude abhängig

Seine Öl– oder Gasheizung nach 30 Jahren einfach durch eine Wärmepumpe zu ersetzen, ist jedoch nicht immer möglich. „Es gibt Gebäude, bei denen es Sinn macht und es gibt Gebäude, bei denen es keinen Sinn macht“, sagt Benjamin Senftleben, Geschäftsführer von Senftleben: Heizung — Sanitär — Flaschnerei in Ehingen.

Das liege an der niedrigeren Vorlauftemperatur, mit der eine Wärmepumpe betrieben wird. Die Heizleistung müsste dann also über eine größere Fläche ausgebracht werden, um das Gebäude effektiv zu erwärmen.

Bei einem Neubau wird das in der Regel über eine Fußbodenheizung gemacht, die in Altbauten jedoch nur selten vorhanden ist. Hinzu komme die nach heutigen Standards oftmals schlechte Isolierung von älteren Gebäuden. „Der Energiebedarf eines Hauses ändert sich ja nicht“, erklärt Benjamin Senftleben und ergänzt: „Den Leuten etwas zu empfehlen ist zurzeit echt schwierig.“

Hohe Investitionskosten für Wärmepumpe

Doch der technische Aspekt ist nicht der einzig problematische. „Das sind sehr hohe Investitionskosten“, sagt Marc Gröber. Mit 40 000 bis 50 000 Euro müsse man beim Einbau einer neuen Wärmepumpe auf jeden Fall rechnen.

Entsprechende Sanierungsarbeiten, um das System überhaupt effektiv zu machen, kämen im Einzelfall hinzu. Zudem sei es nicht realistisch zu glauben, dass alle Heizungen in Deutschland kurzerhand durch ein Wärmepumpen–System ausgetauscht werden könnten.

Das Stromnetz würde zusammenbrechen, sagt Gröber. „Eine Wärmepumpe verbaut man da, wo sie zum Gebäude und zum Nutzer passt“, sagt der Geschäftsführer und fügt hinzu, dass die Menschen hier in der Region mehrheitlich bei Öl– und Gasheizungen bleiben wollen würden.

Lärmschutz und Stromkosten bei Wärmepumpe mitdenken

Aufgrund von Lärmschutz muss außerdem eine Abstandsregelung bei Luftwärmepumpen beachtet werden. Je nachdem wie laut das außenstehende Aggregat ist, muss nämlich ein gewisser Abstand zum Nachbarn eingehalten werden. Dies gilt jedoch nicht für geräuscharmen Erdwärme– und Grundwasserpumpen.

Außerdem müsste eine Wärmepumpe in einem dafür ungeeigneten Gebäude gerade im Winter mit sehr viel Strom betrieben werden, um ausreichend Wärme zu erzeugen.„Dann wird es schnell unlukrativ“, sagt Jürgen Zeller.

Der Heizungsbauer verweist aber auf die Möglichkeit hybrider Systeme, also beispielsweise eine Wärmepumpe und ein Gaskessel gleichzeitig, die je nach Außentemperatur unterschiedlich stark belastet würden. Zur Panik bestehe auf jeden Fall kein Grund. „Anlagen, die jetzt die Grenzwerte erreichen, müssen nicht grundsätzlich nach 30 Jahren ausgetauscht werden“, sagt Zeller. Es gebe beispielsweise Laufzeitverlängerungen.

Staatliche Förderung bei Umstieg auf Wärmepumpe

Dass nicht alles schlecht ist, betont auch Roland Mäckle von der Ulmer Energieagentur. So könnten teilweise auch Altbauten mit Wärmepumpen ausgerüstet werden. „Am besten ist eine Flächenheizung, es können aber auch Heizkörper umgebaut werden“, sagt Mäckle.

Das sei zwar nicht immer machbar, generell würde der Einbau von Wärmepumpen aber vom Staat gefördert. Diese Fördersumme betrage bis zu 40 Prozent der Kosten. Bis es jedoch zum Einbau kommt, kann es eine ganze Weile dauern. Die Lieferzeit für Wärmepumpen betrage aktuell rund ein Jahr, sagen die Experten.

Doch nicht nur Wärmepumpen, auch Pelletheizungen sind eine Alternative zu Öl und Gas. Im Gegensatz zur Wärmepumpe könnte diese auch in alten Gebäuden meist ohne große Schwierigkeiten verbaut werden.

Insbesondere der Umstieg von Öl auf Pellets sei einfach. „Pellets machen da Sinn, wo eine Wärmepumpe keinen Sinn macht“, sagt Roland Mäckle. Das Problem: Die Förderung für dieser Systeme betrage heuer nur noch maximal 20 Prozent, im Gegensatz zu vergangenem Jahr, wo bis zu 55 Prozent der Kosten gefördert wurden.

Start–up im Business–Park zielt auf Heiztechniken

Torsten Fried hat mit seinem Start–up im Ehinger Businesspark Erfolg. Die Firma „Ensag“ beschäftigt sich mit Gebäudetechnik rund um die Themen Heizung, Photovoltaik, Solarthermie und Wärmepumpe.

„Unsere Mischung aus Beratung und Spezialisierung auf Wärmepumpen hat sich bewährt“, sagt der Kölner Fried, der als Einzelkämpfer im Businesspark begonnen hat und mittlerweile zehn Mitarbeiter, darunter einen Elektromeister und einen Heizungsbaumeister, beschäftigt.

Heizungsbaumeister Jörg Deschler, Elektromeister Steffen Schulz und Torsten Fried (v.l.) von der Firma „Ensag‟ im Businesspark Ehingen Donau
Heizungsbaumeister Jörg Deschler, Elektromeister Steffen Schulz und Torsten Fried (v.l.) von der Firma „Ensag‟ im Businesspark Ehingen Donau (Foto: Tobias Götz)

Auch die angemietete Fläche im Businesspark ist gewachsen. Von ursprünglich 80 Quadratmeter hat sich die Firma auf jetzt über 400 Quadratmeter gesteigert. „So etwas geht auch nur im Businesspark“, sagt Fried, der sich auf Luft–Wasser–Hochtemperaturwärmepumpen spezialisiert hat. „Das Geschäft läuft sehr gut“, erklärt Fried, der in diesem Jahr seine Mitarbeiterzahl verdoppeln möchte.