Grillplatz

Waldpädagoge zeigt die wilde Küche im Herbst

Ehingen / Lesedauer: 3 min

Kulinarisches aus dem Wald: Teilnehmer bereiten zusammen mit dem Experten unter anderem Brennnesselchips zu
Veröffentlicht:30.09.2019, 19:12

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Viel Spaß hatte ein Dutzend Teilnehmer bei Alex Rothenbachers „Wald erleben 2019“-Programm am Samstagnachmittag auf einem Grillplatz bei Kirchen. Eigener Hände Arbeit sorgten für ein reichhaltiges Abendessen vom Grill. Dazu erhielten die Teilnehmer von Waldexperte Rothenbacher wertvolle Tipps zum Umgang mit Natur und Energie.

Das Sammeln von frischen Brennnesseln erforderte Handschuhe, doch mit etwas Butterfett in der Pfanne über dem soeben entfachten offenen Feuer an fest eingerichteter Grillstelle entstanden leckere Chips. zehn Minuten kross braten bei mehrfachem Wenden und etwas Salz machte es möglich. Mit diesem Snack auf dem Tisch machten sich alle Teilnehmer nützlich und kreierten unter dem Motto „man nehme“ leckeres Grillgut.

Die Suche nach Bucheckern erwies sich als erfolglos, im Vorjahr gab es sie massenhaft. Dazu erläuterte Rothenbacher, dass die Bäume sich heuer erholten. Allerdings beobachte er, dass in den vergangenen Jahren häufiger Bucheckern zu finden gewesen seien als früher. Durch die Trockenheit und Hitze und den damit für die Buchen verbundenen Stress versuchten diese, durch verstärkte Samenbildung die Art zu erhalten. Dies sei für die meisten unserer Bäume angesichts des Klimawandels jedoch kaum möglich, Fichten würden künftig nur oberhalb von 700 Metern gedeihen. Hier unten würden sie durch Hitze und Borkenkäfer stark geschwächt und vom Sturm umgerissen, da ihre flachen Wurzeln nicht geeignet seien, sie in trockenen Böden zu fixieren. Der Preis für den laufenden Meter Fichtenholz sei von 90 auf 45 Euro gefallen. „Große Probleme kommen auf die Waldbesitzer zu“, warnte Rothenbacher und ergänzte: „Wenn die Wälder ausfallen, haben wir echt ein Problem.“

Weiter erläuterte der Experte: „Durch das Verwenden von fossilen Brennstoffen wie Holz, Kohle, Erdöl und Erdgas wird CO2 freigesetzt, das in der Atmosphäre für die globale Erderwärmung verantwortlich ist. Das Heizen unserer Wohnungen ist für über 30 Prozent des Ausstoßes von CO2 verantwortlich. Durch das Reduzieren der Zimmertemperatur um nur zwei Grad werden zehn Prozent Energie eingespart. Damit wird der CO2-Ausstoß spürbar verringert. Wer im Winter im T-Shirt daheimsitzt, macht etwas falsch.“

Antje Liskien-Diener hatte beim Sammeln von Kräutern mehr Glück, rosa Kleeblüten, Schafgarbe, Wiesenlabkraut und wilden Majoran hat sie gefunden, und beim meditativen Kräuterschneiden zur Verwendung für die Speisen vorbereitet. Die übrigen Lebensmittel hatte Rothenbacher im Supermarkt besorgt. „Es geht uns darum, gemeinsam in der Natur das Essen zuzubereiten und auf dem Grill fertigzustellen. An der Tafel können wir in der Abendsonne miteinander genießen, was wir hergestellt haben.“ Antje Liskien-Diener hat hierzu aus dem Garten der Natur eine schöne Dekoration zusammengetragen.

Couscous mit Tomaten, Gurken, Petersilie, Schnittlauch, Minze, Zitronensaft und Brühe machte den Anfang. Bei der Pizza Calzone rief Rothenbacher einem der Teilnehmer zu: „Martin, dein Teig ist spitze.“ Martin hatte ihn geknetet und abgedeckt in der Sonne gehen lassen. Alle haben ihren Teig ausgewellt, mit passierten Tomaten, Schinken, Salami, Paprika, Maiskörnern, Zwiebeln, Salz und Pfeffer garniert, und auf den Grillrost gelegt. Gegrillte Maiskolben und Esskastanien sorgten für ein gutes Sättigungsgefühl. „Der im Mittelmeerraum und milden Rheinland bereits heimische Baum der Esskastanie war 2018 makabererweise Baum des Jahres, und gedeiht durch den Klimawandel jetzt auch bei uns“, erläuterte Rothenbacher.

Als Nachtisch gab es zerhackte Wal- und Haselnüsse mit Mandeln und Honig, die im Backblech auf dem Grill zubereitet wurden. Nach vier Stunden wollte noch niemand aufbrechen. Einen Buchtipp hatte Rothenbacher noch im Gepäck, „Kleine Gase – große Wirkung“ von David Nelles und Christian Serrer. Er lobte abschließend das Teamwork aller Beteiligten, die sich zuvor nicht alle gekannt hatten.