Redebedarf

Viel Redebedarf bei Ehinger Klimadiskussion

Ehingen / Lesedauer: 3 min

Politiker und Experten haben über die Herausforderungen auf allen Ebenen gesprochen. Und erklärt, warum Wasserstoff heute noch alles andere als grün ist.
Veröffentlicht:30.03.2022, 05:00
Aktualisiert:30.03.2022, 10:15

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„Klimaverantwortung – Was kann ich tun? Was kann meine Kommune tun?“ war der Titel einer Podiumsdiskussion in der kleinen Ehinger Lindenhalle am Montagabend. Klimaexperten und Politiker teilten bei der Veranstaltung der Lokalen Agenda und der nachhaltigen Stadt Ehingen ihr Wissen mit, woraufhin die Zuhörer ihre persönlichen Fragen stellen konnten. Es herrschte ein breiter Konsens darüber, dass Klimaschutz unabdingbar ist und dass die notwendigen Maßnahmen schnell auf den Weg gebracht werden müssen.

Wie wir den Klimawandel stoppen können, sei nicht die einzige Frage, die unter den Nägeln brennt, betonte Professor Michael Kühl von der Universität Ulm . Auch an die Dürren und Starkregenereignisse müssten wir uns irgendwie anpassen. „Diese Diskussion beginnt gerade erst.“ Eine notwendige Diskussion, die ebenfalls noch nicht geführt werde: wie wir Energie einsparen können. Stattdessen werde derzeit von der Politik angesichts des Kriegs in der Ukraine Geld ausgeschüttet.

Einfamilienhäuser nicht sparsam

Professor Roland Koenigsdorff von der Hochschule Biberach stellte die Wärmepumpe als „Standardlösung der Zukunft für den Neubau“ vor. Bei Altbauten müsse man individuell schauen, was möglich sei, um Energie einzusparen. „Moderne Wärmenetze werden an Bedeutung gewinnen“, betonte er. Außerdem müsse man sich fragen, ob man Einfamilienhäuser nicht in zwei Teile trennen könne – „das spart Energie und Fläche“.

Dass das Landratsamt Alb-Donau-Kreis an ganz vielen Stellen mit dem Thema befasst ist, machte Matthias Wittlinger, Fachdienstleiter für Nachhaltigkeit und Bildung, deutlich. So arbeite man beispielsweise an Mobilitätskonzepten für die Zukunft. „Und wir wollen grünen Wasserstoff hier in der Region verfügbar machen.“ Auf den kommunalen Bereich würden 0,2 Prozent in der Treibhausgasbilanz entfallen, „die können wir bewegen“. Doch der Großteil werde von Gewerbe, Privathaushalten und Verkehr verursacht, „auch da kann was gemacht werden“.

Aus der Politik waren Ronja Kemmer, Bundestagsmitglied der CDU für die Region, und Cindy Holmberg , Landtagsabgeordnete der Grünen für den Wahlkreis Hechingen-Münsingen, eingeladen. Holmberg betonte, dass es, um notwendige Maßnahmen umzusetzen, an Fachkräften in allen Bereichen fehle. Kemmer betonte, dass der Klimaschutz eine Gemeinschaftsaufgabe sei und gab Tipps, was man im Digitalen tun könne, denn die Digitalisierung sei nicht nur eine Chance sondern „auch ein Energiefresser“. Jeder einzelne könne, um CO2 einzusparen, etwa sein E-Mail-Postfach leeren und Musik herunterladen, statt sie immer wieder zu streamen, erklärte sie.

Kommunen müssen Plan vorlegen

Viel Redebedarf hatten die knapp drei Dutzend Zuhörer, die zur Diskussion gekommen waren, und oft ging es richtig ins Detail. Zur Frage, wie der ÖPNV zu einer echten Alternative fürs Auto werden könnte, erklärte Professor Kühl: „Wenn wir den ÖPNV mehr nutzen, wird es auch günstiger werden.“ Ein Zuhörer wollte wissen, wie das Speicherproblem der Windenergie gelöst werden könnte. Kurzzeitig könnten Batterien die Energie speichern, erklärte Kühl, über längere Zeiten sei das über Wärme möglich. Außerdem könne auch hier Wasserstoff eine wichtige Rolle spielen. Was die Gemeinden tun könnten, um festzulegen, wie die Gebäude in der Stadt am besten energetisch saniert werden können, wollte jemand wissen. „Jede größere Kommune ist in der Pflicht, bis 2023 einen Plan vorzulegen, der genau das beinhaltet“, antwortete Professor Koenigsdorff.

Zur Frage, was getan werden könne, wenn mögliche Windrad-Standorte wie in Ehingen ausgeschlossen werden, weil es nicht genug Wind gebe, erklärte Holmberg: „Mittlerweile sind die Windräder so groß und stark, dass sie immer wirtschaftlich sind.“ Doch das mache sie in direkter Nachbarschaft natürlich nicht beliebter.

Insgesamt wurde deutlich an diesem Abend: Es gibt viel zu tun. So erklärte Professor Kühl, dass aktuell 90 Prozent des Wasserstoffs in Europa aus Erdgas hergestellt werden. Deshalb müssten dringend die Erneuerbaren Energien ausgebaut werden.