Teilort

SZ-Wahlanalyse: Horst Schlämmer kriegt zwei Stimmen

Ehingen / Lesedauer: 3 min

SZ-Wahlanalyse: Horst Schlämmer kriegt zwei Stimmen
Veröffentlicht:29.09.2009, 08:34
Aktualisiert:26.10.2019, 08:00

Von:
Artikel teilen:

In einigen Ehinger Teilorten sind die jeweiligen Ortsvorsteher von den Ergebnissen überrascht gewesen. "Ich wusste gar nicht, dass es bei uns Linke gibt", sagte beispielsweise Herbertshofens Ortvorsteherin Renate Hänle. Denn immerhin erhielt die Linke in Herbertshofen 4,6 Prozent der Zweitstimmen. Enttäuscht war Hänle über die geringe Wahlbeteiligung. "Es ist schade, dass nur 59,3 Prozent gewählt haben." Bei der Stimmenauszählung fiel ihr auf, dass die Wähler der Kommunalwahl und der Bundestagswahl nahezu identisch waren. "Es gibt einfach Menschen, die sich dafür nicht interessieren oder wegen der Politik frustriert sind", so Hänle. Und sie hat noch eine Erklärung parat, warum von den 309 Wahlberechtigten weniger als 60 Prozent ihre Kreuzchen gemacht hatten. "Unsere Turnerfrauen sind übers Wochenende bei einem Ausflug gewesen. Das merken wir gleich, auch wenn einige die Briefwahl genutzt haben."

Mit der geringen Wahlbeteiligung steht Herbertshofen allerdings nicht alleine da. Fast in allen Teilorten Ehingens gingen weniger zur Wahl als 2005. Und wie immer gibt es eine Ausnahme. In Dächingen war die Wahlbeteiligung mit 78,0 Prozent um 2,2 Prozent höher als bei der vergangenen Bundestagswahl. "Bei uns wird immer sehr rege politisch diskutiert - und zwar nicht polemisch, sondern sehr sachlich", sagte Dächingens Ortsvorsteher Alfons Köhler.

Apropos geringe Wahlbeteiligung: Diese ist - wie so viele Dinge im Leben - relativ. Der Teufel liegt dabei im Detail. So werden bei 37, vor allem kleineren Gemeinden, die Briefwähler nicht ins örtliche Ergebnis, sondern in den drei bei der Stadt Ulm geführten Briefwahlbezirken geführt. Die Folge: Bei diesen 37 sinkt die Wahlbeteiligung, da sie auf Grundlage aller Wahlberechtigten geführt wird. Gleichzeitig werden Briefwähler aber aus der Ortsrechnung herausgenommen. Der Gemeinde Öpfingen etwa hat diese verzerrende Darstellung den "schwarzen Peter" im gesamten Wahlkreis mit nur 61,7 Prozent beschert. "Das stimmt so nicht", sagt Bürgermeister Karl Lüddecke. Er rechnet vor: Addiert man zu den 1035 Wählern, die zur Urne gingen, die 218 Öpfinger Briefwähler hinzu, so ergibt sich bei 1677 Wahlberechtigten eine Wahlbeteiligung von 74,7 Prozent. Dies allerdings nur, wenn tatsächlich alle 218 Öpfinger, die Briefwahl beantragt hatten, tatsächlich ihr Kreuzchen gemacht haben. Trifft dies zu, verliert die Gemeinde ganz schnell die "rote Laterne" und landet etwa weit vor Ehingen, das - bei eigenen Briefwahlvorständen - auf eine Wahlbeteiligung von nur 69,7 Prozent gekommen ist.

In Schaiblishausen, einer CDU-Hochburg, wird die SPD-Bundestagsabgeordnete Hilde Mattheis wohl nicht Fuß fassen können. Lediglich 3,2 Prozent der Erststimmen entfielen auf Mattheis. Ihre Kontrahentin Annette Schavan von der CDU hat von ihrer Popularität zwar 6,2 Prozent Erststimmen eingebüßt, dennoch schnitt sie in Schaiblishausen mit 68,8 Prozent am besten ab. "Bei den Erststimmen hat Brigitte Schmid von den Grünen viele Stimmen von Mattheis erobert", sagte Ortsvorsteher Herbert Brandl. Bedeutete in der Endabrechnung 16 Prozent für die Munderkingerin. "Wir haben eine Menge Gymnasiasten in Schaiblishausen, die vermutlich ihre Lehrerin gewählt haben", ergänzte Brandl. Der meldete sich gestern Nachmittag ganz erschrocken in der Redaktion, weil bei den Erststimmen die Sonstigen 13,6 Prozent erhielten. In Wirklichkeit sind es nur 1,6 Prozent.

Schmid, die Bundestagskandidatin der Grünen, hat auch in anderen Teilorten an Stimmen hinzu gewonnen. In Kirchbierlingen waren es bei den Erststimmen 16,1 Prozent. "Ich kann mir vorstellen, dass Schmid so viele Stimmen bekommen hat, weil sie in Kirchbierlingen geboren wurde", sagte Ortsvorsteherin Bärbel Kräutle.

Kurioses gibt es indes aus dem Ehinger Rathaus zu berichten. Denn kein Geringerer als der Komiker Hape Kerkeling alias Horst Schlämmer hat in Ehingen ganze zwei Erststimmen bekommen. Schlämmer, der momentan in den Kinos mit seinem nicht allzu ernst gemeinten Film "Isch kandidiere" zu sehen ist, hatte im Vorfeld der Wahl für viele Lacher gesorgt. "Das war aber auch schon alles an Kuriositäten", sagt Ehingens Wahlleiter Uwe Lau, der gestern Nachmittag mit den Aufräumarbeiten beschäftigt war.