Streuobstwiese

Mega-Debatte um Streuobstwiese: Sollen Bauplätze für alte Bäume geopfert werden?

Ehingen / Lesedauer: 4 min

Zwei Sitzungsunterbrechungen - Es geht um den sechsten Bauabschnitt im Rosengarten
Veröffentlicht:28.07.2022, 20:10
Aktualisiert:30.07.2022, 10:50

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Eigentlich sollte der Ehinger Gemeinderat in seiner Sitzung am Donnerstagabend den Entwurfs- und Auslegungsbeschluss zum sechsten Bauabschnitt des Baugebiets Rosengarten fassen. Das hat der Rat dann auch getan - allerdings nach einer mehr als einstündigen Diskussion und zweier Sitzungsunterbrechungen.

Anwohner beschwerten sich

Schon mehrfach hat der Ehinger Gemeinderat über den sechsten Bauabschnitt beraten, erst im vergangenen Jahr haben sich Bewohner des direkt angrenzenden dritten Abschnittes beschwert. Damals ging es darum, dass der sechste Abschnitt zu nah an den dritten gebaut würde und dass die Gebäudehöhen der neuen Gebäude dazu führen könnten, dass die angrenzenden Grundstücke im Schatten liegen werden. Das und noch viel mehr Wünsche und Bedenken hat Dominic Kress von der Abteilung Planung in den neuen Bebauungsplan eingearbeitet.

Zudem wurde der Plan aus dem Jahr 2004 dahingehend geändert, dass nun, auf mehrfachen Wunsch, neben 50 Bauplätzen für klassische Einfamilienhäuser auch Reihenhäuser und Mehrfamilienhäuser genehmigt werden. Die Baugrenzen wurden zudem versetzt und neue Gebäude dürfen nicht höher als der Bestand gebaut werden. Da das Gelände laut Kress zudem abfällt, sei das alles kein Problem mehr.

Zudem hat der Planer in diesen Abschnitt das gewünschte, neue, zweistöckige Kinderhaus im Rosengarten geplant, hinzu kommt eine Quartiersmitte für den ganzen Rosengarten, in der beispielsweise ein Bäcker und Nahversorgung vorgesehen ist.

Grünflächen eingeplant

Ökologische Grünflächen sind ebenso eingeplant, wie ein Lärmschutz hin zur B311. „Es ist zu erkennen, dass wir intensiv den Plan geändert haben. Wir haben die Vorstellungen der Anlieger und der Stadträte eingearbeitet“, betonte OB Alexander Baumann. Soweit, so gut. Für Hubert Dangelmaier , Fraktionsvorsitzender der Grünen, geht das aber nicht weit genug, wie er dann in der Sitzung bemängelte und damit eine Mega-Debatte im Gremium entfachte.

„Verdichtete Bauweise ist gut. Nahversorgung ist gut, Mehrfamilienhäuser sind gut, ebenso unterschiedliche Wohnformen. Es gibt aber derzeit in dem Plangebiet eine rund 7000 Quadratmeter große Streuobstwiese, die dann wegfallen würde. Der Stadt würde es gut zu Gesicht stehen, diese zu erhalten und den Plan entsprechend zu ändern“, so Dangelmaier. Denn es brauche alte Streuobstwiesen, um den Artenschwund zu verhindern. „Wir gehen sensibel damit um. Nur mit dem Erhalt dieser Streuobstwiese funktioniert der Plan so nicht mehr“, gab Kress zu bedenken. Zudem liege die Streuobstwiese exakt in dem Bereich, wo die Hauptverkehrsstraße im Plangebiet verläuft.

CDU beantragt Unterbrechung

Daraufhin beantragte die CDU-Fraktion eine Sitzungsunterbrechung. Danach erklärte CDU-Stadtrat Alfons Köhler: „Uns sind Streuobstwiesen wichtig, wir haben erst 1000 Streuobstbäume auf der Alb gepflanzt. Da diese Streuobstwiese aber direkt am Hauptstraßenbereich des sechsten Abschnittes liegt, wird es schwierig“, so Köhler, der einsah, dass eine Alternativplanung schwierig ist. OB Baumann machte deutlich, dass auf 104 Seiten Ausgleichsmaßnahmen festgelegt sind.

Michael Mouratidis schlug als Fraktionsvorsitzender der CDU vor, dem Plan zuzustimmen, mit der Maßgabe, so viele Bäume wie möglich zu erhalten.

Für diesen Kompromiss war Dangelmaier nicht zu haben. „Wenn der ganze Bestand wegkommt, habe ich Bauchweh. Dann muss der Plan geändert werden“, so Dangelmaier. Für CDU-Stadtrat Alfred Kloker ein „no go“: „Wenn wir jetzt anfangen, den Plan zu verändern, haben wir in zwei Jahren noch nicht den dringend benötigten Kindergarten. Wir müssen dem zustimmen, damit es weitergeht“, so Kloker.

„Jeder hat recht“

CDU-Stadtrat Peter Groß schlug vor, im dann siebten Abschnitt Flächen für eine Streuobstwiese auszuweisen, was Stadtbaumeister Andreas Erwerle so kommentierte. „Wenn wir das tun, fehlt uns dringend benötigtes Bauland. Wir müssen das außerhalb des Baugebietes machen.“

CDU-Stadtrat Manuel Hagel stellte fest, dass „in der Sache alle das gleiche wollen“. „Jeder hat in dieser Diskussion recht. Mein Vorschlag wäre, wir stimmen zu und bitten darum, dass so viele Streuobstbäume wie möglich erhalten werden“, so Hagel.

Für Dangelmaier war das zu wenig. „Wenn drei Bauplätze für die Streuobstwiesen wegfallen, gehen wir mit“, war dann seine Aussage. Der Antrag der Grünen wurde dann mit fünf Ja-Stimmen (Grüne und Junges Ehingen), zwei Enthaltungen und den restlichen Nein-Stimmen abgelehnt. Der Entwurfs- und Auslegungsbeschluss wurde letztlich mit fünf Enthaltungen genehmigt. „Die Bäume, die wir retten können, werden wir retten“, versprach dann auch OB Baumann.