Spritpreissenkung

Spritpreissenkung: Tankstellenbetreiber bitten um Geduld

Ehingen / Lesedauer: 4 min

Zum Start erwarten Tankstellen in der Region höhere Nachfrage
Veröffentlicht:31.05.2022, 18:00
Aktualisiert:01.06.2022, 08:05

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Mit der Einführung des Tankrabatts am Mittwoch erwarten die Tankstellenbetreiber in Ehingen und der Region eine höhere Nachfrage nach Benzin und Diesel. Es ist eine besondere Situation für Betreiber und Lieferanten, denn der Nachschub aus der Raffinierie in Karlsruhe könnte verspätet eintreffen.

Axel Kirsamer, Geschäftsführer der freien Tankstelle Daniel Späth in Ehingen, erwartet Anfang Juni eine erhöhte Nachfrage, glaubt aber, dass sich die Lage bis Mitte des Monats normalisiert. Wolfgang Fuchs , Besitzer des „Tank- und Waschparadieses Fuchs“ in Allmendingen, stimmt dem zu. Er glaubt nicht, dass die Kunden „uns die Bude einrennen“, sagt aber auch: „Ich bin kein Hellseher.“ Wie viele Menschen tatsächlich zum Tanken kommen, müsse man sehen. Es sei wahrscheinlich, dass ein Großteil der Kunden die Fahrt an die Zapfsäule diese Woche verzögere.

Verzögertes Tankverhalten erwartet

Paul Fischer , Geschäftsführer des gleichnamigen Energiehändlers in Untermarchtal, hat drei Tankstellen in Untermarchtal, Munderkingen und Rottenacker und beliefert das „Tank- und Waschparadies Fuchs“ und weitere Tankstellen in der Region. Fischer glaubt, dass es vor allem zum Auslaufen der Vergünstigung Ende August einen großen Andrang an den Zapfsäulen geben wird.

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Vor Einführung des Tankrabatts spürte Fischer eine gewisse Zurückhaltung bei seinen Spritkunden, diese sei jedoch überschaubar. Denn das Tankverhalten lasse sich maximal um eine Woche verzögern. Der Energiehändler sagt, er habe Landwirte und Speditionen als Kunden und manche von ihnen haben die Tankungen für diese Woche terminiert, damit sie direkt vom günstigen Sprit profitieren.

Allerdings wird es Fischer und Kirsamer zufolge noch ein paar Tage dauern, bis der Tankrabatt tatsächlich an der Tankstelle ankommt. Denn die Steuersenkung findet nicht an der Tankstelle, sondern schon in der Raffinerie statt. Inwieweit die Ölkonzerne die Senkung an die Tankstellen und damit auch an die Autofahrer weitergeben, sei die Frage, so Kirsamer. Fischer wiederum verweist auf das kürzlich von der EU verhängte Öl-Embargo, das die Preise kurz vor Einführung des Tankrabatts in die Höhe getrieben habe.

Tankstellenbetreiber sind keine Abzocker.

Axel Kirsamer

In der Theorie wäre es laut Kirsamer für Tankstellen ideal, wenn die Tanks am 31. Mai leer werden, um sie dann am 1. Juni vollständig aufzufüllen. So könnten sie direkt Sprit zum neuen Preis verkaufen. In der Praxis hätten Tankstellen im Tank noch Kraftstoff, den sie zum alten Preis eingekauft haben und für den alten Preis auch verkaufen. „Tankstellenbetreiber sind keine Abzocker“, macht Kirsamer deutlich.

Fischer erklärt, ein Tank einer Tankstelle habe im Normalfall eine Kapazität von 30 000 Litern, insgesamt lagerten dort üblicherweise rund 100 000 Liter Benzin und Diesel. Die Tankstellen in der Region erhalten in der Regel ihren Sprit aus der Raffinerie in Karlsruhe, manchmal auch aus Ingolstadt. „Das muss man sich vorstellen wie einen Busbahnhof, allerdings hat er nicht 200, sondern 30 Buchten“, erklärt Kirsamer. Er erwartet Anfang Juni längere Wartezeiten im Tanklager, sodass die LKW verspätet bei den Tankstellen eintreffen.

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Fuchs sagt, eine Zeit lang sei bei ihm AdBlue knapp gewesen, eine Lösung zur Abgasreinigung, aber Diesel und Benzin habe er stets pünktlich nachgeliefert bekommen und er gehe davon aus, dass seine Tankstelle auch zum Start des Tankrabatts weiter pünktlich Kraftstoff erhält.

Tipp: Nicht am Wochenende tanken

Die Firma Bayer beliefert mehrere Tankstellen in der Region. Geschäftsführerin Sonja Bayer schließt nicht aus, dass es zu Leerständen kommt. „Wir tun alles, was in unserer Macht steht.“ Die Geschäftsführerin erwartet wie Kirsamer in diesen Tagen Stau in der Raffinerie. Was noch hinzukommt sei die Ferienzeit und damit Stau auf der A8. Betankungen seien zu Pfingsten sowieso schon schwierig, da die Raffinerie nicht immer geöffnet ist und die Menschen auch in normalen Jahren öfters die Zapfsäule aufsuchen.

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Auch vergangene Woche seien die Tankstellen schon stärker frequentiert gewesen. Deshalb sei der Zeitpunkt der Spritpreissenkung wegen der zu erwartenden, noch höheren Nachfrage ungünstig. Bayer macht deutlich: „Wir sind froh, wenn nicht jeder am Wochenende tankt.“

Wir können Sprit nicht bunkern.

Wolfgang Fuchs

Und wie bereiten sich die Betreiber auf die Situation vor? „Wir können Sprit nicht bunkern“, sagt Fuchs, die Tanks bleiben auch nach dem 1. Juni gleich groß, man könne nichts tun. Auch Kirsamer erklärt, auch wenn der Andrang groß wäre, seine Tankstelle habe nun mal nur acht Zapfsäulen, an denen acht Fahrzeuge tanken können. Und Bayer sagt, die Firma habe nur eine bestimmte Anzahl an Fahrzeugen.

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