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Ende nach 13 Jahren

Ehinger Traditionslokal: Darum verlassen die Pächter das Gasthaus Wolfert

Ehingen / Lesedauer: 3 min

Nach 13 Jahren hört Familie Albrecht als Betreiber der Gaststätte auf. Wann Schluss ist und warum die Betreiber gehen.
Veröffentlicht:30.11.2023, 18:21

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Das Gasthaus Wolfert schließt: Am 28. Januar wird es vorerst zum letzten Mal geöffnet haben - zumindest unter der Leitung der jetzigen Pächter Katja und Josef Albrecht. „Es wird einfach zu viel“, sagt Josef Albrecht. Das Betreiben der Gaststätte ist mittlerweile zu zeitintensiv geworden. Der Gastronom sagt: „Solange man aufhören kann, wann man will, ist das ein Vorteil.“

Das Gasthaus ist mittlerweile zu zeitintensiv

Josef Albrecht selbst ist nur nebenberuflich im Gasthaus tätig. Seine Frau Katja betreibt den Wolfert hauptberuflich. „Man hat eine 70- bis 80-Stundenwoche“, sagt Josef Albrecht. Zu den normalen Öffnungszeiten am Wochenende und unter der Woche kommen dann noch Hochzeiten, Beerdigungen oder andere geschlossene Gesellschaften.

Bei zwölf Prozentpunkten mehr als jetzt wird es sich der ein oder andere schon nochmal überlegen, ob er Essen geht.

Josef Albrecht

„Da hast du vom Privatleben eigentlich nicht mehr viel.“ Katja Albrecht ist dabei meist schon morgens um 7 oder 8 Uhr in der Gaststätte, schließt diese abends nach 22 Uhr, mit einer Ruhepause am Nachmittag.

Auch Personalmangel und die Mehrwertsteuer sind Gründe

Doch nicht nur der große Zeitaufwand bringt das Ehepaar dazu, nach 13 Jahren die Reißleine zu ziehen. Auch gesundheitlich sei der Aufwand nicht mehr so leistbar, wie noch vor einigen Jahren. Schließlich gehe auch er auf die 60 zu, sagt Albrecht. Ein weiterer Punkt ist der, dass es immer schwieriger wird, Personal zu finden.

Video: Katharina Carle / Marcus Fey

Auch die Entscheidung aus der Politik, die Mehrwertsteuer in der Gastronomie wieder auf das Vor-Pandemie-Niveau von 19 Prozent zu heben, war ein Teil der Überlegungen, aufzuhören. „Bei zwölf Prozentpunkten mehr als jetzt wird es sich der ein oder andere schon nochmal überlegen, ob er Essen geht“, ist Josef Albrecht überzeugt. „Keiner weiß, wie das mit den 19 Prozent angenommen wird.“ Diese Unsicherheit sei momentan in der Gastronomiebranche stark zu spüren.

Berg-Brauerei sucht nach neuen Pächtern

All diese Überlegungen haben dazu beigetragen, dass Familie Albrecht nun bei der Berg-Brauerei als Eigentümerin den Vertrag gekündigt hat. Brauereiinhaber Ulrich Zimmermann drückt gegenüber der „Schwäbischen Zeitung“ sein Bedauern über den Weggang der Pächter aus.

In über 50 Jahren war Familie Albrecht erst die dritte Pächtergeneration in der Gaststätte Wolfert

Brauereiinhaber Ulrich Zimmermann

Die Brauerei sucht nun nach neuen Pächtern für den Wolfert. „In über 50 Jahren war Familie Albrecht erst die dritte Pächtergeneration in der Gaststätte Wolfert“, sagt Zimmermann. „Wir möchten gerne an dieser Kontinuität auch in Zukunft festhalten.“ Zuvor waren die Familien Jamborek und Bürkle Pächter der Gaststätte.

Veranstaltungen für das kommende Jahr müssen abgesagt werden

Bereits geplante Hochzeiten und Kommunionen für das kommende Jahr musste Familie Albrecht absagen. „Wenn wir den Leuten die Gründe genannt haben, haben alle gesagt: Sie verstehen es“, sagt Josef Albrecht. Die Angestellten seien bei der Verkündung betroffen gewesen, sagt er. „Aber sie haben gesagt, dass sie bis zum Schluss bleiben.“ Dass jemand von ihnen danach keinen Job finden sollte, das denkt er nicht. Schließlich herrsche in der gesamten Branche Personalmangel.

Es hängt doch sehr viel Herzblut dran.

Josef Albrecht

Währenddessen blickt Josef Albrecht „mit einem weinenden Auge“ auf den 28. Januar, wenn die Gaststätte mit Familie Albrecht als Betreiber zum letzten Mal geöffnet haben wird. An dem Sonntag sei bisher nichts besonderes geplant, sagt er. Ein Fest fühle sich falsch an. Schließlich sei das keine leichte Entscheidung gewesen. „Es hängt doch sehr viel Herzblut dran.“

Auch den Kontakt zu den Gästen werde er vermissen. Über die Jahre habe sich eine Stammkundschaft aufgebaut. „Die wird man vielleicht nicht mehr sehen“, sagt Josef Albrecht. Er freut sich jedoch auch auf die freie Zeit. „Vielleicht gehen wird dann auch mal selbst am Wochenende weg.“