Trockenheit

Landwirtschaft kämpft mit der Trockenheit und Hitze

Ehingen / Lesedauer: 4 min

Mais geht in die „Notreife“ - Noch sind Wasserentnahmen laut Landratsamt erlaubt
Veröffentlicht:28.07.2022, 18:53
Aktualisiert:29.07.2022, 09:57

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Wer in diesen Tagen über das Land fährt, sieht sie wieder. Die Mähdrescher und landwirtschaftlichen Maschinen, die jetzt, im Hochsommer, mit den ersten Erntearbeiten beginnen. Doch auch die Landwirtschaft leidet derzeit unter der Hitze und der damit verbundenen Trockenheit mit all ihren Gefahren. Doch Landwirt Hanns Roggenkamp sieht nicht alles negativ.

Bahn für Bahn kämpft sich der Mähdrescher über ein Feld zwischen Allmendingen und Schmiechen. Die Sonne brennt vom Himmel, Getreidestaub wird auf dem Feld aufgewirbelt. Es ist trocken und heiß – eben so, wie es im Sommer ist. „Wir sind jetzt in die Ernte gestartet. Vorrangig auf der Alb“, sagt Hanns Roggenkamp und betont dabei gleich: „Die Erträge von Raps und der Wintergerste sind relativ gut. Da hat das Wasser noch gereicht.“

Es wird kritischer

Für die weitere Frucht, die auf den Feldern der Region noch wachsen muss, könnte es aber laut Roggenkamp kritischer werden. „Wir sehen beim Mais, dass er sich einrollt. Das ist jetzt schon eine Notreife“, so Roggenkamp, der zwar das heiße Wetter aus Sicht eines Landwirtes derzeit nicht als optimal bezeichnet, dafür aber sagt: „Wir sind in diesem Jahr bisher aber von Hagel und schweren Gewittern verschont geblieben. Quasi mit dem blauen Auge davongekommen.“

Dass die anhaltende Hitze und die damit verbundene Trockenheit in diesem Jahr besonders ist, bestätigt der Landwirt, der seit 1977 in diesem Beruf arbeitet und schon viele Sommer aller Art erleben durfte. „Es ist schon eine Ausnahmesituation in diesem Jahr. Aber wir hatten auch schon früher eine anhaltende Trockenheit. Wobei man hier auch sagen muss, dass die Trockenheit oft sehr regional ist. Das Allgäu hat meines Wissens aktuell nicht die Probleme wie wir, weil es da mehr Niederschlag, wenn auch beispielsweise in Form von Gewittern, gegeben hat.“ Erst kürzlich, so Roggenkamp, habe er beobachtet, wie eine Gewitterfront links an Ehingen vorbeigezogen sei und dann auch abgeregnet ist.

Gewitter tun gut

„Gewitter tun der Landwirtschaft mit ihren Regen gut“, so der Landwirt, der beispielsweise sagt, dass der Mais relativ schnell von einem Gewitterregen profitieren könne. „Uns Landwirten ist natürlich ein schöner, langer Landregen im Sommer am liebsten. Aber ein Gewitterregen ist besser als nichts.“ Auch der starke Wind, der vor wenigen Tagen über die Region rund um Ehingen gezogen ist, sei nicht spurlos an der Landwirtschaft vorbeigegangen. „Lokal wurden hier Kulturen auf dem Feld abgeknickt“, sagt Roggenkamp, der natürlich beobachtet, dass die Böden in der Region derzeit immer trockener und damit für die Landwirtschaft problematischer werden.

„Rund um Griesingen und Rißtissen hat es kiesige Böden. Auf der Alb sind die Böden sehr flachgründig. Allgemein gibt es aber sehr große Unterschiede zwischen den Böden in der Region“, so Roggenkamp, der von einem Kollegen aus dem Kreis Biberach einen Lösungsvorschlag kennt, der bald vielleicht Schule machen könnte in der Landwirtschaft. „Dort hat sich ein Landwirt einen großen Naturteich angelegt. Das Wasser daraus entnimmt er für die Bewässerung. Das ist schon ein denkbarer Lösungsansatz“, so Roggenkamp.

Wasserentnahmen noch erlaubt

In Landkreisen wie dem Bodenseekreis sind bereits jetzt Wasserentnahmen aus Flüssen für die Landwirtschaft verboten. „Unseres Wissens nach sind derzeit Wasserentnahmen noch grundsätzlich erlaubt – auch in den betroffenen Gemeinden im Illertal. Um dies einzuschränken, müsste eine Allgemeinverfügung durch die betroffenen Wasserversorger erfolgen. Bei privaten Grundwasserentnahmen wäre die Kreisverwaltung für die Untersagung zuständig“, erklärt dazu Katrin Frauenlob vom Landratsamt des Alb-Donau-Kreises. Erst vor wenigen Tagen hat das Landratsamt mitgeteilt, dass das Trinkwasser im Illertal knapp werde. Deswegen appelliert das Landratsamt auch an alle Bürgerinnen und Bürger, die Entnahmen freiwillig einzuschränken.

„Mit einer Entspannung ist vermutlich erst nach lang andauernden Niederschlägen zu rechnen, die den Abfluss aus den Gewässern erhöhen sowie insgesamt zu einer Grundwasserneubildung führen. Kurze Gewitterregen reichen dafür in der Regel nicht aus“, so Frauenlob.