Freispruch

Lampa entscheidet auf Freispruch

Ehingen / Lesedauer: 2 min

Lampa entscheidet auf Freispruch
Veröffentlicht:11.11.2009, 00:14
Aktualisiert:26.10.2019, 07:00

Von:
Artikel teilen:

In der ersten öffentlichen Verhandlung nach seiner Rückkehr nach Ehingen hat Richter Wolfgang Lampa drei junge Männer von der Anklage der vorsätzlicher Körperverletzung freigesprochen. Dabei ging es um einen Streit zwischen fünf jungen Männern vom 6. Juni 2009 in einer Tiefgarage an der Allensteinerstraße.

Für Richter Wolfgang Lampa war es der erste Sitzungstag am Ehinger Amtsgericht nach seiner Rückkehr (siehe nebenstehende Meldung). Um gefährliche Körperverletzung ging es gestern in dem Jugendgerichtsprozess gegen drei 19- bis 22-jährige Männer aus Ehingen und Ulm. Sie sollen am 6. Juni 2009 zwischen 3 und 4 Uhr nachts in der Tiefgarage an der Allensteinerstraße zwei Brüder geschlagen und zusammengetreten haben. Der eine der beiden Brüder saß als Nebenklägern seinen "Peinigern" im Gerichtssaal gegenüber. Der andere sagte als Zeuge aus.

Beide Seiten gaben ihre Version des Tathergangs bekannt. Hierbei wurde vielerlei deutlich, nur die Aussagen deckten sich nicht. So warfen sich beide Parteien gegenseitig vor, betrunken zu sein und stritten es im Gegenzug ab: "Die waren besoffen, nicht wir." Als der Kläger bei der Befragung einer Zeugin bemerkte, einer der Angeklagten habe zugegeben, vier bis fünf Bier getrunken zu haben, entgegnete die 17-Jährige gelassen und ruhig: "Nach vier, fünf Bier ist man ja noch nicht betrunken."

Unstrittig blieb, dass es zum handfesten Streit gekommen war. Der Nebenkläger hatte der Freundin des ältesten Angeklagten etwas zugerufen, daraufhin begannen die beiden Männer einander zu schubsen. In der Folge ging der Nebenkläger zu Boden, dort soll er gegen den Kopf getreten worden sein. "Noch ein paar Schläge, und ich wäre bestimmt nicht mehr aufgewacht", schilderte das Opfer. Er habe sein Gesicht dabei mit den Händen schützen wollen, erklärte er. Eine Tatsache, die einem der Angeklagten wohl nicht von großer Relevanz in einem Gerichtsprozess schien: "Würde es etwas ändern", so seine rhetorische Frage, "wenn man die Hände vors Gesicht hält? Ich meine, vom physikalischen her?"

Zu viele Unklarheiten

Die Anklage forderte Freizeitarreste, Geldstrafen und bei dem 22-Jährigen zehn Monate auf Bewährung. Letztlich kamen die drei Angeklagten, obwohl allesamt wegen mehrfacher Hehlerei, Waffenbesitz, Diebstahl oder gefährlicher Körperverletzung vorbestraft, glimpflich davon.

Zu viele Unstimmigkeiten, monierte Richter Lampa. Die größte war das Attest des Opfers, das eine einzige Prellung am Kopf, aber sonst keine Kopfverletzungen nannte. Außerdem hatte es unmittelbar nach der Prügelei ein Gespräch zwischen Opfer und Täter gegeben. Dazu passte nach Lampas Ansicht nicht die dramatische Version des Opfers. Richter Lampa entschied auf Freispruch: "Im Zweifel für die Angeklagten", so seine Begründung.