Businesspark

Start-up gründen? Laut einer Analyse geht das am besten in Ehingen

Ehingen / Lesedauer: 5 min

Bundesweite Standortanalyse führt zum Businesspark in der Talstraße
Veröffentlicht:29.07.2022, 17:00
Aktualisiert:29.07.2022, 17:25

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Seit gut einem Jahr sitzt das Start-up „ ENSAG “ im Businesspark Ehingen Donau (BED). Die Firma beschäftigt sich mit Gebäudetechnik rund um die Themen Heizung, Photovoltaik, Solarthermie und Wärmepumpe. Das spannende an der Firma ist, dass deren Gründer aus Köln kommt und über eine Standortanalyse nach Ehingen gekommen ist.

Gigantische Bäume

Torsten Fried sitzt in der großzügigen Außenanlage des Businessparks an der Talstraße. Gigantische Bäume spenden Schatten an diesen heißen Tagen. „Dieser Ort hat etwas sehr Besonderes. Hier weht ein sehr besonderer Geist“, sagt Torsten Fried, den es aus dem Rheinland an die Donau verschlagen hat.

Die Geschichte des „Kölschen Jung“ ist wiederum eine besondere und passt genau in die Welt des Businessparks in Ehingen, wo mittlerweile viele Start-up-Unternehmen Räume angemietet haben, um durchzustarten. In den Jahren 2018 und 2019 hat Torsten Fried, studierter Jurist, in der Rechtsabteilung einer großen Firma in Köln gearbeitet, die sich auf Brennstoffzellen und Erdgas-Heizungen spezialisiert hat.

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„Das war eine sehr innovative Technologie, die auch gut gefördert wurde“, erinnert sich Fried, der Jura in Köln, Marburg und Norwich (England) studiert hat. „Als Jurist muss man sich immer in die jeweilige Materie einarbeiten. Und so habe ich die Funktionalität der Heizungen und Brennstoffzellen studiert“, sagt Fried über seine Anfänge in diesem speziellen Business.

Im Jahr 2019 kam dann das Angebot, zusammen mit einem Kollegen bei einer Firma in Baden-Württemberg zu beginnen, die sich auf Wärmepumpen und Hybridheizungen spezialisiert hat. Frieds Aufgabe war damals im Management. „Die Firma wollte groß – sprich bundesweit – agieren,was dann aus verschiedenen Gründen nicht geklappt hat“, erzählt der Jurist, der sich dann dazu entschieden hat, „seinen eigenen Laden“ aufzumachen.

Suche nach einem Standort

So begann die Suche nach einem geeigneten Standort, nach einem Hauptsitz für die Firma ENSAG (Energetische Sanierung & Gebäudetechnik). Infrage kamen alle Bundesländer in Deutschland – die Entscheidung sollte eine wohl überlegte Standortanalyse bringen, die Fried zusammen mit einem Geschäftspartner zwei Monate lang betrieb. „Wir wollten eine Firma gründen und das irgendwo in Deutschland. Das war unsere Ausgangslage“, erzählt Fried, der sich dann mehrere Faktoren zur Analyse herangezogen hat.

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So floss in die Analyse ein, wo es einen enormen Handwerkermangel gibt, wo die Anzahl der Betriebe im Bereich Heizung und Sanitär schrumpft, wo die Hauseigentümerquote hoch ist und wo es zudem ein überdurchschnittliches Pro-Kopf-Einkommen gibt.

Weder Norden, noch Osten

„Schnell kamen wir durch diese Analyse auf die Städte Frankfurt am Main, Großraum München und den Bereich zwischen Bodensee und Alb“, sagt Fried, dem damit klar war, dass der Norden und Osten Deutschlands schon mal wegfällt. Als nächsten Schritt hat Fried dann Büroräume in Würzburg, München, Ulm, Augsburg und Frankfurt besichtigt – der Funke sei aber nirgendwo auf ihn übergesprungen. „Ich hatte dann durch einen Freund Kontakt in den Alb-Donau-Kreis. Auch hier haben wir uns Räume angeschaut, es war aber nicht wirklich was dabei“, erinnert sich Fried an die mühsame Suche nach einem Ort, der in begeistert.

„Ich brauche einen Ort, der irgendetwas hat“, habe Fried sich immer wieder gedacht. Eines Tages fuhr er mit seinem Bekannten aus dem Alb-Donau-Kreis in Richtung Businesspark, aber ohne zu wissen, wohin die Fahrt geht und was sich hinter dem Businesspark verbirgt. „Ich habe dann den Glaspalast von der Straße aus gesehen. Es war ein Samstag. Wir haben dann das Gebäude angeschaut und ich war total begeistert“, sagt Fried und betont:

Mir war ganz schnell klar, dass hier größer gedacht wird, als da, wo man im Leben gerade ist. Der Himmel steht einem hier offen, dachte ich mir.

Keine zwei Wochen später war die Unterschrift von Fried unter dem Pachtvertrag seiner Büroräume. Die Tatsache, dass es sich hier um die ehemalige Konzernzentrale des Ehinger Drogeriemarktkönigs Schlecker handelt, spielte dann auch noch eine Rolle in Frieds Entscheidung.

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„Die Pleite von Schlecker war ein Faktor für mich“, sagt Fried, der dann im Mai 2021 seinen Pachtvertrag unterschrieben hat und seither zwischen Köln und Ehingen pendelt. „Ich habe eine Dienstwohnung im Längenfeld und genieße das Leben in dieser tollen Stadt und wunderschönen Region“, sagt Fried, der über die Ehinger voll des Lobes ist. „Egal von wem ich hier Hilfe brauche – ich bekommen diese Hilfe sofort. Das war nicht überall in meinem Leben so. Die Menschen in Ehingen haben einfach Bock, in ihrer Stadt für ein gutes Ambiente zu sorgen“, sagt Fried.

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Drei Handwerker beschäftigt er nun in seiner Firma ENSAG und leidet wie die meisten Betriebe unter dem Fachkräftemangel, der für ihn nur durch „ein Gastarbeitermanagement 4.0“ gelöst werden könne. Seine Heizungen baut er ausschließlich in alte Gebäude ein und sagt einen bemerkenswerten Satz: „Ich gehe nicht aktiv auf den Ehinger Markt. Hier gibt es sehr gute Handwerksbetriebe, denen ich keine Konkurrenz machen möchte. Ich habe noch keine Heizung in Ehingen eingebaut, dafür aber viele in der weiteren Region“, erklärt Fried und nennt Städte wie Bernstadt, Ochsenhausen, Biberach, Blaustein, Blaubeuren oder Bad Waldsee als Beispiele.

Zentrale im Businesspark

Perspektivisch will Fried bundesweit von Ehingen aus agieren, er stellt sich Niederlassungen vor und träumt von einer Zentrale seiner Firma im Businesspark mit 50 Angestellten. „Das Schöne hier im Businesspark ist auch, dass ich hier wachsen kann“, betont der Kölner, der ganz klar sagt: „Aktuell machen nur Wärmepumpen oder Pelletheizungen Sinn, zumal es hier eine hohe Förderung gibt. Wir bieten den Kunden das Komplettpaket aus Heizung, Beratung und Förderung.“

Und wenn der 49-Jährige mal nicht in seinem Büro im Businesspark sitzt, wandert er gerne auf den Bussen oder trinkt am Marktplatz in Ehingen einen Cappuccino. „Und die Sonnenuntergänge hier in Ehingen sind schöner als an anderen Orten“, sagt Torsten Fried.