Arbeitskreis

Kinder fit fürs Leben machen

Ehingen / Lesedauer: 3 min

Freundeskreis für Migranten blickt auf sein 20-jähriges Engagement zurück
Veröffentlicht:17.11.2013, 19:20

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Angefangen hat alles mit einem ökumenischen Arbeitskreis für Aussiedler und Asylbewerber, den der damalige Stadtpfarrer Franz Glaser und sein evangelischer Kollege Reinhardt Ziegler ins Leben riefen und Ehinger Bürger darum gruppierten. Am 17.Dezember 1993 wurde der überkonfessionelle Freundeskreis für ausländische Flüchtlinge gegründet. Am Samstag hat der daraus entstandene Ehinger Freundeskreis für Migranten sein 20-jähriges Bestehen gefeiert.

Der Freundeskreis für Migranten ist eingebunden in die Lokale Agende im Bereich Soziales. Dort sind die unterschiedlichen Hilfsangebote für Menschen aller Altersklassen und Schichten miteinander engmaschig vernetzt. Die Akteure der einzelnen Gruppen arbeiten Hand in Hand, die Moderatorin der Lokalen Agenda für den Bereich Soziales ist Ursula von Helldorff.

Seit 2012 ist sie auch die erste Vorsitzende des Freundeskreises. Das erzählte ihr Vorgänger Rainer Lingg in einem Rückblick auf die getane Arbeit – anlässlich eines Begegnungstages für ehrenamtlich in der Integration engagierte Mitbürger. Organisiert hatten diesen Tag neben dem Arbeitskreis die Caritas Biberach und die Caritas Ulm/Ehingen unter der Leitung von Michael Wichert sowie Peter Dunkl von der die VHS Ehingen, die seit Jahren Integrationskurse für Migranten anbietet. „Die Probleme der Flüchtlinge, Aussiedler und Asylbewerber haben sich angenähert, daher die Namensänderung 2002 in die heutige Bezeichnung“, erklärte Lingg. 2008 erfolgte die Vereinigung mit dem Arbeitskreis Aussiedler mit Heidi Porsche .

31 Prozent aller Bürger in Ehingen haben einen Migrationshintergrund, bei den Kindern bis zu zehn Jahren sind es sogar 45 Prozent. Der Arbeitskreis hilft bei der Wohnungs- und Arbeitsbeschaffung sowie bei Behördengängen. „Schwerpunkt ist, die Kinder mit Förderunterricht und Hausaufgabenbetreuung fit fürs Leben zu machen und ihnen zu dem bestmöglichen Schulabschluss zu verhelfen“ sagte Lingg. Hier kommt Heidi Porsche ins Spiel mit ihrer organisierten Nachhilfe für 80 Kinder in diesem Jahr und noch mal 100 Kinder mehr im letzten Jahr mit 30 Lehrkräften. Heidi Porsche erzählte, wie sie im Wohnheim erst wenige und dann so ziemlich alle Familien dort betreute, darunter auch Familie Wagner mit einem schwer behinderten Sohn. Mit bewegten Worten dankte ihr Anna Wagner für diese Hilfe: „Was wir in der Förderklasse lernten, konnten wir bei Frau Porsche wiederholen und vertiefen“. Heute gehört Anna selbst zum Lehrkörper der Migrantenhilfe. Heidi Porsches besonderer Dank galt den Verantwortlichen der Mevlana Moschee, die ihr sofort Raum für den Unterricht angeboten haben, als der Unterricht im Wohnheim nicht mehr möglich war. Die Kurdin Sergül Tan erinnerte sich, wie sie als kleines Mädchen bei den Containern, in denen Asylanten damals wohnten, spielte und sie Hildegard Lingg begegnete, die sie zum Spielen in eine Gruppe mitnahm. Heute macht Sergül Tan eine Ausbildung zur Grundschullehrerin. „Ehingen ist meine Heimat geworden, wenn ich fertig studiert habe, möchte ich hier arbeiten“, sagte sie. Finanziert wird die Nachhilfe in Höhe von jährlich 9000 bis 12000Euro mit Spenden und Mitgliedsbeiträgen sowie mit sechs Bücherflohmärkten im Jahr. Ursula von Helldorff sagte zu ihren künftigen Richtlinien, dass „der Weg, der beschritten wurde, ist so gut, dass man ihn beibehalten sollte.“

Abends bei dem Konzert der Gruppe Sirius war auch die Öffentlichkeit eingeladen. Nochmals schilderte Rainer Lingg die Entwicklung der Migrantenhilfe. Bürgermeister Sebastian Wolf sagte: „Wir als Stadt müssen dankbar sein. Das, was erreicht wurde, ist etwas Wertvolles. Wenn man mit Ihnen, Frau Porsche, spricht, kommt immer Herzblut dabei heraus.“ Die Gruppe Sirius – auch schon beim zehnjährigen Bestehen der Migrantenhilfe dabei – spielte „Musik zum Ankommen“. So bezeichnen die vier Musiker ihren Stil. Angekommen sind sie selbst aus allen Himmelsrichtungen – aus Algerien, aus der Türkei, aus Frankreich und Österreich.