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Grünstrom

Bei der Firma Sappi: Wenn die Förderung für Grünstrom ausläuft

Ehingen / Lesedauer: 3 min

Neben Zellstoff produziert die Ehinger Fabrik Strom – Probleme bei der Förderung
Veröffentlicht:11.09.2020, 15:17

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Mit seiner Papier- und Zellstoffproduktion ist Sappi Ehingen ein wichtiger Arbeitgeber im Alb-Donau-Kreis und mit seiner Stromproduktion aus Biomasse stark von den gesetzlichen Rahmenbedingungen abhängig.

Aktuelle Herausforderungen

Aus diesem Grund besuchten die Abgeordneten Ronja Kemmer (CDU) und der Parlamentarische Staatssekretär Thomas Bareiß (MdB/CDU) die integrierte Zellstoff- und Papierfabrik in Ehingen, um sich über die aktuellen Herausforderungen im Zusammenhang mit der Energiewende und der Umsetzung des Erneuerbare-Energie-Gesetzes (EEG) zu informieren.

In Ehingen werden aus Industrieholz von Buchen und Fichten Papiere erzeugt. Dabei werde alles, was der Rohstoff Holz hergibt, nachhaltig verwendet. Neben Papier und Zellstoff wird auch die beim Holzaufschluss entstehende Ablauge thermisch verwertet und zur Erzeugung von Grünstrom verwendet, so das Unternehmen. So können pro Jahr etwa 92 000 Megawattstunden, die im werkseigenen Kraftwerk erzeugt werden, als EEG-Strom ins öffentliche Netzt eingespeist werden.

Förderung läuft aus

Mit Ende dieses Jahres läuft nun die Förderung nach dem EEG für diesen Strom aus. Im aktuellen EEG ist deshalb eine befristete, degressive Fortführung der EEG-Förderung für Grünstrom aus Ablaugen der Zellstoffherstellung durch den Bundestag beschlossen worden. Dies war und sei unter anderem dringend erforderlich, um Wettbewerbsverzerrungen zu vermeiden, da für alle anderen Biomasseheizkraftwerke eine Fortführung der Förderung gesetzlich vorgesehen ist. Diese sind auf dem Holzmarkt direkte Mitbewerber für die Zellstofffabriken.

Für Lösung einsetzen

Damit war die Diskussion um diese sogenannte Anschlussförderung, auch durch die Unterstützung von Thomas Bareiß und Ronja Kemmer, eigentlich vom Tisch. Offen ist jedoch, ob die Europäische Kommission die Anschlussförderung für die Zellstofffabriken in Deutschlandgenehmigen wird. „Im Juni 2019 hat der Deutsche Bundestag zum EEG 2017 die Anschlussförderung für die Ablaugen der Zellstoffindustrie beschlossen. Das war ein richtiger und wichtiger Schritt“, sagte Thomas Bareiß und fügte hinzu: „Allerdings müssen wir mit der Entscheidung zur Absenkung der EEG-Umlage unter anderem aus Haushaltsmitteln das Ergebnis des anstehenden Notifizierungsverfahren gegenüber der EU-Kommission abwarten. Ich persönlich werde mich weiterhin für eine Lösung im Sinne der Branche einsetzen.“

Innovativer Weg

Auch Ronja Kemmer war dieser Meinung und wird sich für die Anschlussförderung stark machen: „Zellstofffabriken sind ein innovativer, nachhaltiger Weg der Stromgewinnung und müssen deshalb beim EEG ganz klar mitgedacht werden.“

Falls nicht, wäre dies aus Sicht des Unternehmens in der augenblicklich durch die Auswirkungen der Corona-Pandemie angespannten wirtschaftlichen Gesamtsituation ein verheerendes Signal für die Branche, war doch die bereits gesetzlich geregelte Anschlussförderung eine wichtige Grundlage für strategische Entscheidungen und damit verbundene Investitionen in die Zukunft, die zu einem weiter sinkenden CO2 Fußabdruck des Werkes beitragen. Geschäftsführer Maik Willig, Leiter der Zellstofffabrik sowie des Kraftwerkes, Heiko Schepers, verdeutlichten Kemmer und Bareiß, welche Auswirkungen eine Nichtrealisierung der Förderung auf den Standort Ehingen haben könnte.

CEO mit dabei

Da nicht nur das Werk in Ehingen betroffen sei, sondern die gesamte deutsche Zellstoffindustrie, wurde das Ehinger Team bei diesem Gespräch durch den CEO von Sappi Europe, Berry Wiersum, der online aus Brüssel zugeschaltet war, und durch den ehemaligen Geschäftsführer von Sappi Ehingen und heutigen Vizepräsident Produktion & Technologie von Sappi Europa, Steffen Wurdinger, persönlich unterstützt.

Beide informierten die Politiker über die augenblickliche Situation in der europäischen Papier- und Zellstoffindustrie und verwiesen auf die unbedingt notwendige Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Produktionsstätten.