Radiator

Nachfrage nach Radiatoren und Kaminöfen in Baumarkt und Co. steigt enorm

Ehingen / Lesedauer: 4 min

Schon bei sommerlichen Temperaturen gibt es eine sehr hohe Nachfrage nach Kaminen, Öfen und Brennholz
Veröffentlicht:30.07.2022, 05:00
Aktualisiert:30.07.2022, 05:02

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Die Energiekrise treibt die Menschen um. Medienberichten zufolge gibt es eine gestiegene Nachfrage nach alternativen Heizquellen wie Holz-, Pelletheizungen oder Radiatoren. Experten verraten, wie die Lage in der Region ist.

„Normalerweise haben wir im Sommer wenig Laufkundschaft, aber in den letzten Wochen war es extrem“, macht Joachim Vöhringer von Vöhringers Ofenwelt in Münsingen deutlich. Jeden Tag kämen Kunden vorbei, um Informationen über unterschiedliche Öfen einzuholen. Viele suchten nach einer Alternative zu ihrer Gasheizung, andere einen Ofen als Ergänzung. Wieder andere argumentierten, sie bräuchten einen Ofen, falls der Strom ausfällt.

Anfragen bis aus Pforzheim

Die Anfragen kämen bis aus Pforzheim . „Ich komme vorbei und zahle gleich in bar“, habe Vöhringer von Interessenten gehört. Doch der Ofenbauer macht deutlich: „Was wir jetzt bestellen, kommt zu 95 Prozent erst 2023 an.“ Er habe schon Ausstellungsstücke verkauft, aber es ergebe ja auch keinen Sinn, seine Ausstellung leer zu räumen.

Es werde irgendwo noch Öfen auf Lager geben, aber wie es in zwei Monaten aussieht, sei fraglich. Ein Ofen sei eine Investition für Jahre und Jahrzehnte, man solle überlegen, ob man einen Schnellschuss macht oder nicht doch lieber etwas wartet.

Vöhringer spricht vor allem von einer extremen Nachfrage nach Kaminöfen, die mit Holz oder Brickets betrieben werden. Diese seien preislich auch noch in einem Bereich, den sich die Menschen leisten wollen beziehungsweise können. Bei gemauerten Öfen und Pelletöfen sei die Nachfrage nicht so stark gestiegen.

Abgasrohre und Bodenplatten schwierig zu bekommen

„Ofenbaubetriebe sind Kleinbetriebe“, so Vöhringer, es sei nicht leicht, Personal zu finden. Die Hersteller hätten Kapazitätsengpässe, wobei die Erweiterung der Kapazität auch nicht von heute auf morgen gehe. Abgasrohre oder Bodenplatten aus Glas seien etwa schwierig zu bekommen.

Vöhringers Ofenwelt arbeitet mit Kaminbau Haas in Griesingen zusammen. Früher haben die Unternehmen direkt hintereinander Schornstein und Ofen bei Kunden einbauen können. Vöhringer sagt, heute müsse man alles vorplanen und es sei nicht so leicht, das Timing hinzubekommen.

„Die Nachfrage nach Kaminen ist wahnsinnig“, erklärt Rosi Haas von Kaminbau Haas. Seit Anfang des Jahres gelten neue Ableitbedingungen für Schornsteine, wodurch die Feinstaub-Belastung und Luftqualität verbessert werden soll. Die Anforderungen erschweren laut Haas die Arbeit – die Nachfrage sei aber ungebrochen. „Wir kommen nicht hinterher“, sagt sie.

Lieferzeit beträgt mittlerweile drei bis vier Wochen

Ihr Mann Stefan habe noch 30-40 Adressen von Interessenten anzufahren, die auf ein Kamin-Angebot warten. Wer in diesem Jahr noch einen Schornstein haben wolle, für den werde es knapp. Das Material für die Schornsteine sei vorhanden. Dennoch habe früher die Lieferzeit drei bis vier Arbeitstage betragen, mittlerweile drei bis vier Wochen.

In der Corona-Zeit ist es laut Haas schon gut gelaufen für Kaminbauer, da viele die Zeit genutzt hätten, um ins eigene Haus zu investieren. Normalerweise fange die Kamin-Saison nach den Sommerferien an, aber in diesem Jahr sei die Nachfrage konstant vorhanden.

Brennstoff-Lieferung bisher nach Plan

Das sagt auch Günter Thomas vom Baumarkt Linzmeier in Ehingen, und zwar über Brennstoffe. Im Vorjahr habe es zu dieser Jahreszeit überhaupt keine Nachfrage nach Pellets und ähnlichem gegeben. Bei sommerlichen Temperaturen denke kein Mensch ans Heizen.

Anders in diesem Jahr: Schon vor der Urlaubszeit sei die Nachfrage nach Pellets sehr groß. Auch für Holz und Brickets habe Thomas schon Anfragen erhalten. In Sachen Brennstoff-Lieferung sei bei Linzmeier bisher alles nach Plan gelaufen. Die Preise schießen nach oben, für Pellets hätten sie sich mindestens verdoppelt.

Bestandskunden fordern die fünffache Menge

Rund 140 Anfragen nach Holz auf den unterschiedlichen Kanälen bekommt Dominic Schrode vom Brennstoffhandel Schrode in Altsteusslingen täglich. „Wir versuchen alles abzuarbeiten“, erklärt er. Aktuell müsse man bis zu drei Monate auf Brennholz warten. Manche Bestandskunden, die über die Jahre eine fixe Menge an Holz bestellten, forderten nun die fünffache Menge. Schrode möchte hingegen, dass jeder etwas bekommt.

Eine weitere alternative Heizquelle sind Elektroheizungen. Es ist laut Thomas momentan schon eine Nachfrage nach Radiatoren vorhanden, diese sei aber relativ gering. Was hingegen sehr stark nachgefragt werde, seien Camping-Gaskocher. Das sei einerseits verständlich, ist es doch Urlaubszeit. Andererseits sei es schon so, dass sich viele Menschen fragen: Wie geht es weiter, wenn es Probleme mit der Strom- und Gasversorgung gibt?

Die Kunden, denen Thomas im Baumarkt Brennstoffe verkauft, seien nicht panisch, aber Angst sei wohl schon da. Auch Stefan Haas sagt über Kamin-Interessenten: „Sie wirken nicht panisch, möchten aber vorbereitet sein.“