Ausnahmezustand

Groggadäler erwacht aus seinem schlammigen Bett

Kügeleshausen / Lesedauer: 4 min

Groggadäler erwacht aus seinem schlammigen Bett
Veröffentlicht:27.02.2014, 21:50
Aktualisiert:24.10.2019, 16:00

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Es ist soweit! Die Narren sind los und mit dem Glombigen Doschdig ist auch der Ausnahmezustand in die Straßen von Ehingen eingezogen.

Wie immer durften sich die Kinder und Jugendlichen am Donnerstag zuerst über den bunten Trubel freuen. Gegen zehn Uhr statteten die Narren den Ehinger Schulen einen Besuch ab, um die Schüler dann zur Fasnet und damit in die Ferien zu entlassen. Mitsamt Matekapelle und Ehinger Narren zog Zunftmeister Peter Kienle in die Grundschule von Berg. An Unterricht war bei den Kindern an diesem Tag erst gar nicht zu denken. Aufgeregt hüpften sie mit den Narren beim Schulaustrieb um die Wette. „Ich bin dieses Jahr zum ersten Mal hier. Könnt ihr mir bei den Ehinger Narrenrufen helfen?“, fragte Zunftmeister Kienle in die Runde und die Schüler konnten natürlich weiterhelfen. Für Rektor Peter Schelkle, der davor sein Können an der Posaune unter Beweis stellen musste, gabs den traditionellen Narrenorden.(sel)

Zur ersten Stärkung an diesem Tag machten sich die Narren auf den Weg zur Verladehalle der Berg Brauerei . Dort begrüßte Ulrich Zimmermann Dämonen und Co. zur traditionellen Bewirtung. „Die Einladung gilt übrigens für die nächsten 99 Jahre“, lies Zimmermann den Zunftmeister wissen. „Weil wir schwäbisch sind, geben wird das Geld nicht fürs Porto aus sondern lieber fürs Bier“, sagte der Braumeister. Die Stadtkapelle gab musikalische Begleitung. (sel)

Prinzessinnen, Cowboys, Piraten, Clowns, Spider-Men und Zorros haben am Nachmittag in großen Scharen beim Kinderball die Lindenhalle in ihren Grundfesten erschüttert. Die Gruppen der Narrenzunft Spritzenmuck steuerten ihren Teil dazu bei, als Pfannenmate, Spritzenmuck samt Gefolge einzogen, da sangen auch schon die Kleinsten begeistert „Matte, Mate“ und „1850 sowieso“. Und als der Pfannemate seine Kügele in die Menge warf, kannte die Begeisterung keine Grenzen mehr, zum Glück hatte er ausreichend Munition mitgebracht. Zuvor hatte Narrenrat Bebbe Mantz den Narrensamen mit La-Ola-Wellen ordentlich auf Touren gebracht. Tommy Kramer und Tessa Bottenschein als Drache Tabaluga übernahmen von ihm die Ansage für ein liebevoll einstudiertes Programm. Die Hexenkinder waren zu Außerirdischen geworden, die einen Besuch in der Lindenhalle machten. Die Dämonenkinder hatten sich in Partygeier verwandelt, allerliebst wie die ganz kleinen Narren ihre Rolle dabei spielten oder auch einfach mal nicht spielten. Ein Zaubertrank hatte aus Muckenspritzern wilde Indianer gemacht, die um einen Marterpfahl herum tanzten. Der Nachwuchs der Kügele blieb im Lande und tanzte volkstümlich um einen Maibaum herum. In einem furiosen Finale mit allen Akteuren wurde die Stimmung in der Halle nochmal bis zum Siedepunkt angeheizt, bis alle müde geschunkelt und mit heißen Köpfen ins Freie strömten, um weiter den Glombigen zu erleben. (kö)

Großes Kino spielte sich um 16 Uhr vor den Türen des Rathauses ab. Zum Krettenweiber-Wettbewerb hatten die Ehinger Krettenweiber Gleichgesinnte aus aller Welt eingeladen, denn das Thema zur Anmeldung zum Weltkulturerbe der schwäbisch-alemannischen Fasnet ist auch in Ehingen ein brandaktuelles Thema. Den weiten Weg, den die vielen Krettenweiber sowohl aus Mexiko als auch aus arabischen Ländern oder auch China auf sich genommen hatten, legten sie umsonst zurück, die Zuschauer gaben ein eindeutiges Votum ab. „Wir in Ehingen sind der Meinung, dass das Krettenweib es als allererste Figur verdient hat, zum Weltkulturerbe ernannt zu werden“, lies der Moderator die Zuschauer wissen. Doch am Ende entschied das Ehinger Krettenweib mit überwältigender Mehrheit die Wahl für sich. Und da für den Moderator fest stand, „je schöner der Mann, desto schöner das Krettenweib“, verkörperte das Ehinger Krettenweib am Wettbewerb natürlich kein anderer als Oberbürgermeister Alexander Baumann . (sel)

Um das Spektakel des Muckenspritzers zu erleben, strömten die Menschen nach dem Wettbewerb zum Ochsenberg . Hier spielte sich die Geschichte vom Kirchenfeuer, das sich dann als riesen Muckenschwarm entpuppte, ab. Zur Musik der Trompeter und Pfeifer wurde mit den Schaulustigen das Muckenspritzerlied angestimmt, bevor es dann zur nächsten Station ging.(sel)

Auf dem Marktplatz ließen die Kügele ihre Glöckchen kräftig klingen. Im Anschluss zum traditionellen Kügelestanz pilgerten die Massen zu dem Ereignis des Abends: Denn seit dem Morgen waren die Narren unterwegs, doch einer fehlte bei dem bunten Treiben noch. Mit kräftigen „Grogga – Däler“-Rufen erweckten die Ehinger auf der Brücke, dem Seeufer und dem Hang den Dämonenkönig aus seinem Schlaf im sumpfigen Nass. (sel)

Nun war die Narrentruppe komplett, zog im Marschschritt Richtung Marktplatz und stürmte das Rathaus. Auf dem Balkon des Rathauses übergab OB Baumann dem Spritzenmuck den Rathausschlüssel. Somit konnte das heitere Treiben auf der Partymeile in der Stadt beginnen. (sel)