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Rathaus in Blaubeuren ist gestürmt

Blaubeuren / Lesedauer: 3 min

Die Narren haben die Oberhand, das ist nun so in Stadt und Land. Blaubeuren reiht sich dabei ein, mit Rathaussturm nicht nur zum Schein.
Veröffentlicht:11.02.2024, 14:14

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Die Narren haben die Oberhand, das ist nun so in Stadt und Land. Blaubeuren reiht sich dabei ein, mit Rathaussturm nicht nur zum Schein. Dieser war am Freitagnachmittag, wobei ein Frostmann ans Fenster trat. Die Neugier hat ihn doch gelockt, den Bürgermeister Jörg Seibold - diesmal im Schneemannsrock. Darin wollte er sich eigentlich verstecken, die Narrenmusik ließ ihn aber seinen Kopf hinaus strecken. So sprach er dann zum Narrenvolk, dass er den Rathausschlüssel gerne behalten wollt.

„Drum bleibt mir fern, geht auf Distanz, macht anderswo den Narrentanz“, bat der Schultes in seinem Frostkostüm. „Denn Feuerteufel und Schneegesicht, vertragen sich nun wirklich nicht“, lautete die Schutzbehauptung. „Verbrauch kein Gas, kein Öl, kein Holz, und darauf bin ich mächtig stolz“, rühmte er, um fortzufahren, „und vegetarisch bin ich auch, ich hab nur Wasser im Kopf und Bauch“. Und dann wurde er zuerst amtlich und schließlich frech: „Ich bin politisch voll korrekt, wenn ihr das endlich auch mal checkt. So lasst mich hier in Ruhe frieren, beendet euer Enervieren“, schilderte er herrschaftlich geschwind, weil Narren seiner Vermutung nach keine Fremdwortkenner sind. Erklärte er, die Feuerteufel sollten ihn eben nicht nerven, doch diese ließen ihm am Rathaus mit Unterstützung von Tauchentle, Blaubergweibla und Leilichen als Hästräger sowie närrisch gestimmtem Spielmannszug Blaubeuren und Guggamusik Blaustein die Ernsthaftigkeit ihres Tuns lautstark einschärfen. Weiteres Fasnetsvolk lockte das auf die Gasse, um sich quasi festzukleben vor dem Amtssitz auf der Straße.

Der Schneemann drohte mit Heizen und Selbstauflösung: „Und sind wir ehrlich: Nur als Pfütze, bin ich zu ziemlich wenig nütze.“ Mit der Schlussfolgerung: „So seid doch klug, ihr lieben Narren, hockt euch auf euren Narrenkarren und fahrt in euer Narrenheim, da könnt ihr dann bis Ostern blei’m.“ Es half nichts. Jörg „Jogi“ Seibold erkannte seine Herrschaftsschranken: „Ich schicke euch nen Friedensgruß, erkenne, dass ich weichen muss. Ich komme freiwillig heraus, überlasse euch das ganze Haus“, verbunden mit süßen Bäckergaben, er lasse das Narrenvolk sich daran laben.

Blaubeuren zeigte, es hilft kein Bitten, kein Bellen, der Rathauschef wurde entmachtet und vor die Tür geführt in Handschellen. Die Narrenchefs ließen den „Jogi“ bei Herausgabe des Rathausschlüssels sofort frei, wenn er selbst der Überbringer der Krapfen ans Narrenvolk sei. Gesagt, getan, so musst‘ er stapfen, der Mann aus Schnee, mit einem großen Korb Berliner Krapfen. Und Alt und Jung bediente sich gern, so mögen sie den Rathausherrn.

Feuerteufel Jakob Göckeler, bekannt als Jack, zeigte sich als Fortschrittscrack: „Flamocus mimt den Bürgermeister, das Tauchentle wird zum Hauptamtsleiter. Beide führen per Dekret, damit das Feiern leichter geht, täglich eine Happy-Hour ein, egal, ob Cola oder Wein. Geteilt durch zwei, das nennt man Division. Jogi, so bekämpft man Inflation.“ Und weitere Ämter galt es zu besetzen, mit närrischem Volk, den Besten der Besten: „Den Blaubergweibla wird das Bauamt zugedacht und hier gleich Nägel mit Köpfen gemacht. All die teuren Gutachten werfen sie zum Fenster raus und schreiben den Parkhausbau noch heute aus. Die Leilichen übernehmen die TWB, weil sie von Technik mehr verstehen. Im Handumdrehen ganz ohne Geschwätz entwerfen sie das neue Nahwärmenetz.“

Jack, Blaubergweible Steffi Draxler und Leilicher Thorsten Kneer, sorgten sich aber auch um des Bürgermeisters Wohl: „Weil wir wissen, dass die Stadt wenig Geld in den Kassen hat, sorgen wir dafür, dass du trotzdem wirst satt.“ Gegen Hunger und auch Durst bekam Jogi ein Schnäpsle und auch Wurst: „Den Schwarzwurstorden halt in Ehren, dann kannst du bis Aschermittwoch davon zehren.“