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Das war der Bürgerempfang mit Winfried Kretschmann in Blaubeuren

Blaubeuren / Lesedauer: 4 min

Der Ministerpräsident stellt sich den Fragen der Bürger. Um welche Themen es dabei geht.
Veröffentlicht:11.02.2024, 16:25

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Der Bürgerempfang zum Abschluss des Besuchs von Ministerpräsident Winfried Kretschmann am Freitagabend im Tagungszentrum Hessenhöfe stieß auf großes Interesse bei den Menschen des Alb-Donau-Kreises. Rund 350 Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren der Einladung gefolgt und tauschten sich mit Ministerpräsident Kretschmann und Landrat Heiner Scheffold zum Ausbau erneuerbarer Energien und anderen wichtigen Themen in der Region aus.

„Der Besuch von Ministerpräsident Winfried Kretschmann am Freitag bei uns im Alb-Donau-Kreis hat gezeigt: Es wird auf höchster Ebene in Baden-Württemberg registriert, welch hohen Stellenwert der Ausbau von erneuerbarer Energie bei uns in der Region hat und wie strukturiert und engagiert er vorangetrieben wird“, sagte Landrat Heiner Scheffold nach dem Kreisbesuch von Ministerpräsident Kretschmann. Dieser hatte sich vor Ort über konkrete Projekte informiert.

Der Alb-Donau-Kreis gehört zu den Spitzenreitern beim Ausbau erneuerbarer Energien - insbesondere beim Zubau von Solaranlagen. Diese Erfolgsgeschichte sei nur möglich, weil alle Beteiligten gemeinsam an einem Strang ziehen, so Scheffold: Bürgerinnen und Bürger, Unternehmen, Kommunen, Kommunalpolitik und Landkreisverwaltung.

„Uns alle eint das gemeinsame Ziel, bilanziell autark in unserer Energieversorgung zu werden, denn Versorgungssicherheit und eine nachhaltige Energieproduktion ist die Grundlage für eine prosperierende Wirtschaft und die Sicherung unseres Wohlstands. Uns allen muss bewusst sein: Erneuerbare Energien sind nicht ‚nice to have‘, sondern ein ‚must have‘. Ohne sie werden wir unseren Lebensstandard nicht aufrechterhalten können. Und die Energiewende selbst ist für den Klimaschutz zwingend notwendig“, sagte der Landrat. Die Wertschätzung des Ministerpräsidenten zeige, dass der Landkreis mit seiner Nachhaltigkeitsstrategie auf dem richtigen Weg sei. „Wir können stolz auf das bisher Erreichte sein“, so Scheffold.

Minister und Bürger sprechen über Umsetzung der Energiewende

Winfried Kretschmann, der mehrfach am Tag schon sein Interesse an den Abläufen und sein Wohlwollen für die Pionierarbeit der Menschen im Landkreis im Bezug auf den Ausbau erneuerbarer Energien zum Ausdruck gebracht hatte, betonte auch während des Bürgerempfangs, dass dieses Handel als Blaupause für die Energiewende dienen könne:

„Es ist beeindruckend, wie planvoll der Alb-Donau-Kreis den Bedarf und die Potentiale für erneuerbare Energien ermittelt und entsprechende Projekte umsetzt. Diesen Ansatz müssen wir auch landesweit verfolgen. Die Beispiele im Landkreis, sei es das Engagement der Bürgerenergiegenossenschaft Berghülen oder der Solarpark Allmendingen, sind ermutigend. Von solchen Beteiligungsmodellen profitieren nicht nur der Klimaschutz, sondern auch die Menschen in der Umgebung. Von meinem Besuch, und dem Austausch mit den Fachexperten und den Bürgerinnen und Bürgern nehme ich viele gute Ideen mit“, sagte Ministerpräsident Kretschmann.

„Natürlich ist die Energiewende nicht einfach, aber wir können und werden das hinkriegen. Der Alb-Donau-Kreis zeigt, wie es geht. Machen Sie weiter so“, sagte Ministerpräsident Kretschmann in seiner Rede beim Bürgerempfang. Er dankte dem Landkreis für die Einladung und das tolle Programm.

Bürger tragen ihre Probleme vor

Neben einem Appell die Innovation und den Ausbau der lokalen Energieversorgung weiter so engagiert voranzutreiben, stellte sich der Ministerpräsident den Fragen der Bürger. Bei der Bürgerfragestunde meldet sich unter anderem der Heroldstatter Gemeinderat Dirk Süßmuth zu Wort.

Er fragt, warum an einem Gebäude der Albwasserversorgungsgruppe, welches perfekt südlich ausgerichtet sei, keine Photovoltaikanlage installiert werden dürfe, während ein Dieselgenerator als „Notstromversorgung“ jederzeit recht unkompliziert möglich sei? Kretschmann antwortet: „Tragen Sie diesen Fall bitte dem Landrat vor oder Ihrem Bürgermeister, und wenn Sie nicht weiterkommen, landet’s bei mir.“

Urlich Groß, ebenfalls aus Heroldstatt, regt an, die Pacht für Windenergieflächen für die Betreiber zu senken, damit diese dann den Endkunden bessere Strompreise machen können. Der Ministerpräsident räumt ein, dass die Pachtpreise bei seinem Besuch ein Thema waren und im klar wurde, dass die Landesregierung sich das Thema nochmals „anschauen müssen“.

Landrat Scheffold indes dämpfte manche Erwartungen: „Gelebte Praxis ist, dass Grundeigentümer in der Regel die höhere Pacht nehmen.“ Die Umsetzung scheitere in der Praxis also oft an Egoismen. Aber auch er sagte: „Was Sie anregen, ist gelebtes Allgemeinwohl.“

Brigitte Burghardt, Ratsfrau aus Merklingen und bei den Mühlenhexen Mühlhausen sehr aktiv, trägt dem Ministerpräsidenten ein Lobgedicht vor. „Sie haben ja gesagt, man darf auch loben. Das täte ich jetzt gerne übernehmen.“ Vom Ministerpräsidenten, selbst ebenfalls Fasnetsfreund, kam hernach ein „Vergelt’s Gott für’s tolle Lob.“

Keine einfachen Antworten für komplexe Themen

Reiner Fink, Gemeinderatsmitglied aus Laichingen sprach ausführlich den Ausbau erneuerbarer Energien und den damit verbundenen Flächenverbrauch an. Als langjähriger Kommunalpolitiker mit Schwerpunkten in der Land- und Forstwirtschaftsentwicklung, forderte er beispielsweise den dogmatischen Bann für Freiflächensolaranlagen und Windräder im Biosphärengebiet sowie generell die Regularien nochmals zu überprüfen und mit wertvollen Ackerböden sorgsam umzugehen.

Kretschmann antwortete darauf, was er zuvor schon im Expertengespräch betont hatte. „Wenn man das vernünftig macht. Dann wird man eh keine Photovoltaik auf besten Ackerböden gebaut. Wir haben die Regeln vorgegeben um genau das umzusetzen was Sie fordern. Natürlich muss man im Einzelfall immer genau schauen, ob eine Richtlinie den Zweck dient oder nur dem Erhalt der Richtlinie. Letzteres ist natürlich Blödsinn und deswegen nehme ich das gerne einmal mit.“

Kretschmann nahm sich generell viel Zeit für die Beantwortung von Fragen und zeigte sich auch nach dem offiziellen Programm sehr volksnah, und ließ den Besuch im direkten Gespräch mit den Bürgern und mit Fotos ausklingen.