Gittertüre

Geißenklösterle öffnet Gittertüre

Blaubeuren / Lesedauer: 2 min

Seltener Einlass: Wo einst Steinzeitmenschen lebten und musizierten
Veröffentlicht:31.05.2016, 15:38
Aktualisiert:23.10.2019, 15:00

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Geschützt durch den Wald und idyllisch im Achtal gelegen, am Ortsausgang von Blaubeurens Stadtteil Weiler: Dort befindet sich die Höhle Geißenklösterle, die zu einem der bedeutendsten Fundorte steinzeitlicher Artefakte zählt. Kürzlich tummelten sich dort allerdings mehr Besucher anstatt Archäologen.

Dass die Höhle vor einem liegt, ist vom Parkplatz aus nur durch das Felsmassiv zu erahnen. Doch wer die schmalen, teils steilen Trampelpfade durch den Wald, über Wurzeln und Gestein hinauf geht, vor dem baut sich das Geißenklösterle auf einmal beeindruckend auf. Das sahen an Fronleichnam auch einige Besucher. Für sie wurde sogar das Gitter entfernt, dass die Höhle ansonsten vor ungebetenen Gästen schützt. Vor Ort war Archäologe Hannes Wiedmann , der auf Einladung des Urgeschichtlichen Museums (Urmu) in Blaubeuren etlichen interessierten Gästen für Fragen aller Art zur Verfügung stand. Mitgebracht hatte er sämtliche Repliken der Dinge, die im Geißenklösterle gefunden wurden, aber auch Fundsachen aus anderen Höhlen – wie der Vogelherdhöhle (Landkreis Heidenheim).

„Das Geißenklösterle gehört mit Sicherheit zu den wichtigsten altsteinzeitlichen Fundstellen der Welt“, mit diesen Worten unterstrich er die Prominenz des Geißenklösterle. Im Jahr 1975 begannen darin die Grabungen, maßgeblich unter Leitung von Joachim Hahn. „2002 hat die letzte Grabung stattgefunden“, erinnert sich Wiedmann zurück.

Älteste Musikinstrumente der Welt aus Weiler

Einige Funde, die im Geißenklösterle sorgfältig ausgegraben wurden – meist von Archäologen der Universität Tübingen – gehören heute zu den ältesten Fundstücken ihrer Art. „Beispielsweise figürliche Kunstwerke aus Mammutelfenbein“, berichtet Hannes Wiedmann. So haben Forscher unter anderem ein kleines Mammut, ein Bison, einen Höhlenbären sowie einen Adoranten gefunden. Auch Knochenflöten – darunter eine aus Mammutelfenbein sowie eine aus Schwanenknochen – wurden im Geißenklösterle gefunden. Diese Flöten gehören zu den ältesten Musikinstrumenten der Menschheit.

Neue Methoden für die Geschichte

Doch was macht das Geißenklösterle noch zu einer so besonderen Höhle? Die Antwort von Hannes Wiedmann kommt rasch und ohne großes Überlegen: „Es ist eine der ersten modern gegrabenen Höhlen.“ Heißt: Die Fundstelle wird in mehrere Viertelquadratmeter große Quadrate aufgeteilt und in feinen Schichten abgetragen. Anschließend wird der Fund dreidimensional eingemessen. Zudem wird das gefundene Material geschlemmt – mit Wasser ausgespült. Alles was dann übrig bleibt, wird gesichtet.

Ob und falls wann wieder im Geißenklösterle gegraben wird, das konnte Hannes Wiedmann nicht beantworten: „Ich könnte mir aber vorstellen, dass es dort noch Manches zu entdecken gibt.“