Windkraft

Ein Windrad bekommt seinen Propeller

Berghülen / Lesedauer: 3 min

Rotorblätter des sechsten Windrades in Berghülen werden hochgezogen und montiert
Veröffentlicht:09.11.2017, 22:03
Aktualisiert:23.10.2019, 00:00

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Es knarrt. Schon von Weitem ist es zu hören. Die Seile sind gespannt. Gleich muss es losgehen, das sogenannte Sternziehen. Doch es dauert. Erst zwei Stunden später als angekündigt erreichen die Rotorblätter die Nabe des sechsten Windrades im Windpark in Berghülen in einer Höhe von 141 Meter. Dennoch erfolgreich. So erfolgreich, dass nach getaner Arbeit noch auf der Baustelle die Bierkorken knallen.

Bereits seit März liefen die Vorbereitungen für das Errichten des Windrades: Grundstück befestigten, Zufahrtswege schaffen und vor allem: Material anschaffen. Allein für den Kran, der die Rotorblätter nach oben zieht, sind 60 Lastwagen notwendig. Er wird in Einzelteilen geliefert, vor Ort zusammengebaut und wieder in Einzelteilen abtransportiert.

Das Hochziehen an sich ist im Vergleich zum Rest daher schnell erledigt. Dennoch ist es schwere Zentimeterarbeit. 70 Tonnen wiegen die drei Rotorblätter zusammen. Ihre Kreisform hat einen Durchmesser von 117 Metern. Bevor der Kran den an Seilen befestigten Riesenpropeller Zentimeter für Zentimeter nach oben hieven kann, müssen die Blätter aus der waagrechten Position senkrecht aufgestellt werden. Wie funktioniert das?

Erreicht der Propeller ungefähr eine Höhe von 60 Metern, kommt ein weiterer Kran zum Einsatz. Er hält quasi eines der Rotorblätter fest, während der Hauptkran den Stern an der Nabe weiter hinaufzieht. So senkt sich ein Blatt ab und die anderen steigen auf: Der Propeller steht im Lot.

Kleine Zacken am Rotorblatt

Doch eine größere Hausforderung steht noch an. Damit das Windrad vor allem nachts die geforderte Lautstärke von 36 Dezibel einhält, kommen seit Neuestem Zacken an den Spitzen der Rotoren zum Einsatz. Allerdings erschweren diese das Abkoppeln der Seile, die so nicht einfach herunterrutschen können. Jedoch klappt auch das. „Das macht keine Automatik. Das ist alles manuelle Arbeit“, sagt Marco Wolske, Monatageleiter der Firma Windstärke 8.

Wovon es später sehr viel geben soll, aber beim Errichten im Optimalfall aber überhaupt gar nicht vorhanden sein darf: der Wind. Er ist der größte Störfaktor beim Hochziehen. Bei einer Geschwindigkeit von mehr als neun Metern pro Sekunde bricht der Kranführer sofort ab. Doch der Wind hat zur Freude der insgesamt 15 Arbeiter am Donnerstag eine Pause eingelegt. Beinahe windstill ist es. Die Nachbarwindräder drehten sich nur selten und nur ganz leicht. Gegen 15.30 Uhr ist dann das Tagesziel erreicht. Die Nabe ist angekommen.

Bei vollem Betrieb und besten Windverhältnissen soll das mit einer Gesamthöhe von knapp 200 Meter hohe Windrad bis zu sechs Millionen Kilowattstunden Strom im Jahr liefern. Es hat 4,7 Millionen Euro gekostet. Es ist das sechste Windrad in Berghülen und soll für rund 1700 Haushalte mit einem durchschnittlichen Jahresstromverbrauch reichen, so die Rechnung von Rolf Böhringer, Geschäftsführer der Alb-Naturenergie. Zum Vergleich: Die anderen, schon etwas älteren Windräder liefern aktuell knapp vier Millionen Kilowattstunden im Jahr.

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