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Boom in der Schönheitsbranche

Warum es plötzlich an jeder Ecke einen Schönheitssalon gibt

Tuttlingen / Lesedauer: 4 min

Rote Lippen, Jahre lang: Das Geschäft mit der Schönheit boomt. Insider erklären, wie sich die wachsende Konkurrenz in Tuttlingen auf die Branche auswirkt.
Veröffentlicht:12.01.2024, 05:00

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Ob Kosmetik, Haarentfernung, Permanent-Make-up oder Nagelmodellage: Das Geschäft mit der Schönheit boomt in Tuttlingen. Gefühlt ist fast an jeder Ecke ein Beauty-Salon zu finden, in der Donau- und in der Jägerhofstraße sind erst vor kurzem zwei weitere hinzugekommen. Woher kommt dieser Beauty-Hype?

Die Auslastung ist gut

Laura Binkele ist eine von insgesamt sieben Kosmetikerinnen und Fußpflegerinnen bei Gradmann in Tuttlingen. Alle arbeiten auf selbstständiger Basis. Sie ist 26 Jahre alt und hat seit November 2022 ihren Raum in der Oberen Hauptstraße hat. Sie sagt: „Ich bin eigentlich ganz gut ausgelastet.“

„Beauty-Hopping“ ist an der Tagesordnung

Ihr ist aufgefallen, dass viele ihrer Kunden eine Art „Beauty-Hopping“ betreiben: Die klassische Gesichtsbehandlung mit Ausreinigung bei ihr, aber Haarentfernungen oder Permanent-Make-up in anderen Salons, weil sie das nicht anbietet.

Überhaupt: Im Schönheitsbereich sei das Publikum vielfältig. „Ich arbeite viel mit Social Media und spreche dadurch eine andere Zielgruppe an als meine Kolleginnen“, sagt die 26-Jährige.

Und ja, auch Männer kommen zu ihr: Wegen unreiner Haut oder weil sie auch Zahnaufhellungen macht: „Das ist für diese Gruppe natürlich auch interessant“, so Binkele.

Gutes Aussehen steigert die Job-Aussichten

Laut Prognose des Online-Portals Statista liegt das Marktvolumen bei Beauty & Personal Care in Deutschland bei derzeit 18,53 Milliarden Euro im Jahr und wird weiter steigen.

Wer attraktiv ist, bekommt die besseren Jobs und auch mehr Geld. Das ist nicht nur Klischee, sondern Wissenschaft, meldet die Wirtschaftswoche.

Ich habe viele Stammkunden, aber immer wieder kommen neue hinzu.

Hacer Öztürk

Auch bei Ramona Reinle von „Bombshell Beauty“ in der Gartenstraße ist die Klientel gemischt. „Männer kommen häufiger zur dauerhaften Haarentfernung. Wir haben aber auch Teenager zur Aknebehandlung da, die klassischen Gesichtsbehandlungen oder Schwangere, die beispielsweise eine EMS-Behandlung, buchen“, zählt die Inhaberin auf.

Durch das EMS-Gerät würden die Muskeln kontrahiert und das Gewebe erwärmt. „Beispielsweise zur Stärkung des Beckenbodens“, so Reinle.

Das Einzugsgebiet ist groß

Hacer Öztürk von „MaBelle“ in der Möhringer Straße macht vor allem apparative Kosmetik zur Hautverjüngung beziehungsweise zur Reinigung sowie Permanent Make-up. Das ist der Renner.

Permanent-Make-up kann helfen, wenn die Augenbrauen sehr hell sind oder nur spärlich wachsen.
Permanent-Make-up kann helfen, wenn die Augenbrauen sehr hell sind oder nur spärlich wachsen. (Foto: Mabelle)

Wie beim Tätowieren füllt sie Augenbrauen auf und macht Lippen rot, die jahrelang so bleiben. „Ich habe viele Stammkunden, aber immer wieder kommen neue hinzu“, meint die Tuttlingerin, für die auch Menschen aus der Schweiz, Stuttgart, Tübingen und Reutlingen in die Donaustadt fahren.

Corona war schlimmer als die Konkurrenz

Dass es immer mehr Schönheitssalons in Tuttlingen gibt, ist ihr auch aufgefallen. Ihr Geschäft schmälert das nicht, sagt sie. Denn die Angebote seien unterschiedlich, sodass man gut aneinander vorbeikomme.

Wenn jemand zufrieden ist, spricht sich das herum

Fatma Heimburger

Viel deutlicher als die Konkurrenz hat sie die Corona-Pandemie gespürt. „Die Leute kommen wieder regelmäßig, aber wie vor der Pandemie ist es nicht mehr.“ Diese Einschätzung teilt sie mit vielen Kolleginnen.

Und: Einige Kunden seien mittlerweile zurückhaltender beim Geldausgeben geworden. „Verständlich. Denn alles wird teurer“, meint Öztürk, die seit zehn Jahren in der Branche arbeitet.

In Tuttlingen passen die Räumlichkeiten

Ramona Reinle hat ihr Geschäft erst nach der Pandemie eröffnet - im Sommer 2023. Und seither „läuft es gut“, sagt sie. Natürlich sei sie sich der Konkurrenz in Tuttlingen durchaus bewusst. „Aber ich habe das Gefühl, wir kommen eigentlich alle ganz gut aneinander vorbei.“

Die 26-Jährige hat davor in einem Salon in Villingen-Schwenningen gearbeitet. Das in Tuttlingen sei ihr erstes eigenes Studio. Und warum Tuttlingen? „Hier haben die Räumlichkeiten perfekt gepasst. Ich hab mich in der ganzen Region umgesehen“, erzählt sie.

Mund-zu-Mund-Propaganda als Werbung

Fatma Heimburger ist die Inhaberin von Spotless-Beauty in Thiergarten. Seit 2016 ist sie selbstständig. Ihre Kundschaft wachse über Mund-zu-Mund-Propaganda.

„Wenn jemand zufrieden ist, spricht sich das herum. Dann kommen auch deren Bekannte oder Freundinnen zu mir“, meint sie. Deshalb sieht sie die steigende Zahl an Studios nicht als Konkurrenz an.

Sie macht dauerhafte Haarentfernung nach der SHR-Methode - die soll hautverträglicher sein - Wimpernverlängerung und Permanent Make-up, wobei die Haarentfernung am meisten nachgefragt werde.

Von Frauen jeden Alters, ab 19, 20 Jahren bis deutlich älter, wenn die nachlassende Östrogenproduktion Gesichtshaare oder einen Damenbart begünstigen. Auch Männer gehören zu den Kunden - zum Beispiel, wenn sie einen stark behaarten Rücken haben.

Qualität behauptet sich

Die Wimpernverlängerung steht in der Regel vor besonderen Anlässen an oder vor dem Sommerurlaub. Dabei gebe es in diesem Bereich mittlerweile sehr viele Anbieter: „Das macht auch fast jeder Nageldesigner“, sagt sie.

Die sind in den letzten Jahren wie Pilze aus dem Boden geschossen: Mindestens fünf gibt es allein in der Innenstadt.

Zu viele für eine Stadt wie Tuttlingen? Eher nicht. „Wir sind zufrieden“, heißt es im Bao Khanh Nagelstudio in der Oberen Hauptstraße.

Der Mitarbeiter fasst die Gegebenheiten des Marktes so zusammen: „Wenn es gute Qualität hat, kommen die Kunden.“ Heißt aber auch: Wenn nicht, dann nicht.