StartseiteRegionalRegion TuttlingenTuttlingenBetrunkener fährt zweimal an einem Tag in die gleiche Polizeikontrolle

Rausch statt Führerschein

Betrunkener fährt zweimal an einem Tag in die gleiche Polizeikontrolle

Tuttlingen / Lesedauer: 3 min

Knapp zwei Promille sind eine Menge, und einen Führerschein hatte der Mann auch nicht mehr. Stellt sich die Frage: Was ist die gerechte Strafe?
Veröffentlicht:30.11.2023, 05:00

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Knapp zwei Promille Alkohol im Blut sind eine Menge. Da spricht man von einem starken Rausch, mit Gleichgewichtsstörungen und Realitätsverkennung. Wer so Auto fährt, gefährdet sich und andere. Die Polizei hat einen 47-jährigen Mann am Steuer erwischt, der derart betrunken war. Den Führerschein hatte er längst schon weg, auch wegen Alkoholfahrten. Und dann das: Drei Stunden später setzt sich der Mann wieder hinter den Lenker.

Nur das Fahrzeug gewechselt

Gleiche Strecke, anderes Auto. Prompt erwischt ihn die Polizei erneut, immer noch stark betrunken. Gefängnis ja oder nein? Darum ging es bei der Verhandlung vor dem Tuttlinger Amtsgericht im Wesentlichen. Denn er war schon zuvor wegen Trunkenheitsfahrten verurteilt worden und stand noch unter Bewährung, als er am 16. Mai 2021 gleich doppelt erwischt wurde.

Klares Alkoholproblem

Geläutert hat ihn das nicht, angeklagt waren noch zwei weitere Male, Januar und April 2022, als er alkoholisiert Auto fuhr. Wobei der Mann Alkoholiker ist, wie sein Verteidiger aussagte. Bei Gewohnheitstrinkern sind knapp 2,0 Promille nochmal anders zu bewerten. Starke Ausfälle in Motorik und Wahrnehmung gibt es aber auch da.

Richterin Larissa Terlecki entschied auf eine Bewährungsstrafe, das heißt, der Mann, der in einer Kreisgemeinde lebt, muss nicht ins Gefängnis. Aber nur, wenn er in den nächsten drei Jahren nicht auffällt und sich an die Regeln hält, die sie ihm mitgegeben hat. Dazu gehört auch, dass er seine Frau in Ruhe lässt: „Keine Schläge, keine Bedrohung, keine Beleidigung mehr“, sagte sie zum Angeklagten.

Mit Fäusten zugeschlagen

Denn auch das war Teil der Verhandlung. In einem Fall traktierte er seine Ehefrau mit Faustschlägen ins Gesicht. Nicht zum ersten Mal, das Paar sei polizeibekannt. Terlecki: „Die trinken zusammen, dann geht es los.“ „Schlampe“ war das Wort, das er ihr aufs Band gesprochen hatte.

Damals waren die beiden wohl getrennt, und gegen den Mann, mit dem sie zusammen gewesen sein soll, stieß er Drohungen aus: „Ich steche ihn mit dem Messer ab“, hinterließ er auf dem Smartphone dessen Bruders.

Damit muss Schluss sein

Das Ehepaar ist wieder vereint, sie brachte ihn mit dem Auto zum Amtsgericht. Laut Terlecki gab es nach Anklageerhebung durch die Staatsanwaltschaft erneute Fälle häuslicher Gewalt. Damit muss Schluss sein, sonst verstößt er gegen die Bewährungsauflagen, die das Gericht ihm für die nächsten drei Jahre auferlegt hat.

Mein Mandant möchte nicht, dass Menschen im Straßenverkehr zu Schaden kommen.

Der Verteidiger

Zudem muss er eine stationäre Therapie beginnen und sich bei der Fachstelle Sucht vorstellen. 1000 Euro zahlt er an das Frauenhaus Tuttlingen.

Schwerer Schicksalsschlag trifft die Familie

Der Mann hat einen geregelten Job und vor Gericht alle Vorwürfe eingeräumt. Damit konnte eine lange Verhandlung mit 16 Zeugen vermieden werden. Für den 47-Jährigen sprach auch die Tatsache, dass er schon seit Monaten keinen Alkohol mehr anrührt, wie er angab. Sein ältester Sohn - die vier Kinder leben in Serbien - kam im Mai bei einem Verkehrsunfall ums Leben. Alkohol war nicht im Spiel, aber: „Mein Mandant möchte nicht, dass Menschen im Straßenverkehr zu Schaden kommen“, sagte sein Verteidiger Tomislav Duzel.

Der Angeklagte wird so schnell nicht wieder Auto fahren. Die Sperrfrist für die Rückgabe des Führerscheins wurde um zwölf Monate verlängert. Das Urteil ist rechtskräftig.